Ausgestaltete Käfighaltung – das Gelbe vom Ei?

Entsetzliche Bilder erreichten uns wieder einmal aus Deutschland. Die BRD, so oft als Sinnbild für Wohlstand und Werte gesetzt, kann in Tierschutz-Anbelange so oft ganz und gar nicht mit dieser Erwartungshaltung konkurrieren. Deutschland, das Land der Arbeit, der ehrgeizigen Menschen, der ‚AnpackerInnen‘, hinkt in der Ethik nur zu deutlich; der Verkauf von Käfigeiern ist nach wie vor fixer Bestandteil des Handels, die Vier Pfoten deckten unlängst einen unglaublichen Skandal auf, weil noch immer Gänse lebend gerupft werden, die Schweinehaltung ist völlig industrialisiert, Kühe stehen ihr Leben lang gefesselt und angekettet fein säuberlich in Reih und Glied; trotz Wohlstand und (innerer) Werte!
Im Gegensatz dazu ist der Wert des Tierlebens, zumindest in der Wirtschaft, deren ständiger Wachstumshörigkeit nach wie vor leider keine – technische sowie moralische – Grenzen gesetzt sind, ein unbeachteter und nur zu oft sogar belächelter Faktor im Gewinnstreben. Jene, die großes Geld daran verdienen, sind oft einflussreich – so einflussreich, dass sie Tierschutzgesetze biegen und brechen wann immer sie wollen. Menschlichkeit ist am absteigenden Ast, zugedeckt von einem Mantel des Schweigens und des Ignoranten-Tums. Es ist kalt geworden in Deutschland, nicht nur in sozialen Belangen…
Aber zurück zum eigentlichen Thema, zu unserem Anliegen; erneut erhielten wir anonyme Hinweise und Fotoaufnahmen von einem Tierleid, welches durch geschickte Täuschungsstrategie der Ausführenden in die Normalität des ‚Bauernhoflebens‘ eingereiht worden ist (wie man riesige fensterlose Halle mit Schornsteinen und Futtersilos, welche sehr an die dunkelsten Orte der deutsch-österr. Geschichte erinnern, als ‚Bauernhof‘ bezeichnen und diese so dreiste Lüge auch noch der Bevölkerung als solche verkaufen kann, wird wohl immer ein Rätsel bleiben…). Bilder, welche bestätigen, dass die neuen ‚ausgestalteten Käfige‘ für Legehühner in ‚Kleingruppenhaltung‘ nichts mehr als bloße Augenauswischerei sind, ein Kniefall des Gesetzgebers vor den Hühnerbaronen des Landes.

Was sind ausgestaltete Käfige? Bevor das Käfighalteverbot für Legehühner in Deutschland und Österreich offiziell wurde, dachte die Industrie, ihre Felle davon schwimmend voraussehend, schon laut über eine ‚Verbesserung‘ des herkömmlichen Systems nach – weil man wusste, dass die entsetzliche Tierqual in den konventionellen Legehuhn-Konzentrationslagern nicht länger aufrecht zu erhalten sein würde! So kam man dem Gesetzgeber zuvor und präsentierte stolz ein neues ‚tiergerechtes‘ Haltungssystem – zwar Käfig, aber ausgestattet mit Sitzstange, Scharrbereich und Nestraum. Oh wie schön, damit ist allen GegnerInnen dieser Abartigkeit der Wind aus den Segeln genommen, dachte Landwirtschaftskammer und Co. Was als besonders innovativ und tierfreundlich verkauft zu werden versuchte, stellt sich bei näherer Betrachtung aber selbst für den einfachsten Laien als völlig unzureichende Verbesserung heraus. Die Käfige sind meist so niedrig, dass die Hühner auf den Sitzstangen mit den Köpfen den Boden der oberen Etage berühren, der Scharrbereich ist eine lächerliche Matte aus Kunstgras, der Nestraum viel zu klein, ‚abgedunkelt‘ durch einige Streifen PVC, als Unterlage ebenfalls eine Plastikmatte – einige Quadratzentimeter Platz, für bis zu 60 Vögel in einem Käfig…
Das Platzangebot als solches in diesen Gefängnissen ist mit 750 qm pro Huhn nur geringfügig größer als in konventionellen Batterien (750 qcm ist unwesentlich größer als eine Din A4 Seite – die hat rund 630 qcm; ein Huhn benötigt rund 1300 qm um sich einmal um die eigene Achse zu drehen! Bedenkt man diesen Vergleich, fällt die zu vermitteln versuchte ‚Tiergerechtigkeit‘ hinter der lächelnden Fassade der Hühnerbarone in sich zusammen, der Lächerlichkeit preisgegeben, wird weggespült wie ein Haus aus Sand inmitten schäumender Meeresbrandung). Trotz weitläufigen Studien verschiedenster unabhängiger Gremien, welche allesamt zum Schluss gekommen sind, dass Hühner in ausgestalteten Käfigen oder Kleinvolieren niemals artgerecht leben können, geht die Märchenstunde der Landwirtschaft ungebremst weiter, wird deren Standard als großartige Errungenschaft gepriesen.
Aber urteilen Sie anhand der folgenden Bilder bitte selbst – wo ist der Unterschied zur konventionellen Batterie? Jene Lebewesen, die darin vegetieren, sind gezeichnet von den Strapazen, sind am Ende der ihnen zugedachten Lebensperiode von ca. ein-einhalb Jahren in denkbar erbärmlichem Zustand, oft mehr tot als lebendig. Gar schmerzhaft ist die Erkenntnis, dass die Gewinnspannen-Maximierung, die Geldgier ihrer KZ-Betreiber, sie schon lange bevor sie im Schlachthof sterben werden getötet hat… sieht man in ihre Augen versteht man, dass die Sehnsucht nach der Erlösung mit jedem Tag der Qual stärker wird als die Lust zu leben; federlos, gebrochen, geknickt, ausgezehrt. Ihre Legeleistung beträgt fast 300 Eier im Jahr, ein nahezu unglaublicher Gewaltakt gegen die Natur, welche ihnen jegliche Substanz abverlangt – Ergebnis einer unmenschlichen, nur auf Quantität zielenden Zucht (zum Vergleich: noch vor wenigen Jahrzehnten legten ‚gute‘ Legehennen maximal 180 Eier im Jahr).

entsetzliche Monotonie in Reih und Glied…


im Hintergrund der Scharr-Raum…


Hühnernest modern – welch ein Unterschied zu unserer so romantisierten Vorstellung einer Bauernhofidylle…


Anhand dieser Problematik stößt man sehr schnell auf die Grundsatzdiskussion im Tierschutz: wie sinnvoll ist es, bei besonders unmenschlichen Haltungsbedingungen bloß auf Besserstellung der Jetzt-Gegebenheiten zu pochen? Natürlich, jedes erreichte Ziel, dass den Tieren ihre derzeitige Situation erleichtert, ist mehr als begrüßenswert – aber wird dadurch nicht der Kampf um wirklich ‚artgerechte‘ Behandlung dieser Individuen stellenweise um Jahre verzögert? Sicher ist es besser man kauft und ‚produziert‘ Eier nur mehr aus und in Freilandhaltung – aber andererseits: auch diese Hühner sterben nach selbiger Zeitspanne wie Legehühner aus den Batterien, auch diesen Hühnern ist der schreckliche Tod in selbigen Schlachthof zugedacht, auch sie werden auf selbige Horrortransporte verladen, enden als so genannte ‚Suppenhühner‘ mit einem Marktwert von 5 bis 10 Cent…

‚ausgedientes‘ Legehuhn; wo ist der physische Unterschied zum ‚echten‘ Batteriehuhn?


‚Mensch‘ ist so stolz auf die fortschreitende Industrialisierung – auch noch beim Betrachten dieses Bildes?


Und bitte vergessen Sie niemals: für JEDES Legehuhn, egal aus welcher Haltung dann auch immer, stirbt ein Hahn schon nach dem Schlüpfen auf grausamste Art und Weise (vergast und zerschreddert), ganz einfach, weil diese Rassen rein auf Legeleistung gezüchtet worden sind, aus diesem Grunde wenig Fleisch zulegen und daher für die Mast völlig ungeeignet und unrentabel sind. Fakt ist auch: der Eierkonsum eine/r durchschnittlichen ÖsterreicherIn liegt bei knapp 240 Eiern im Jahr, was andersrum bedeutet, dass JEDE/R ÖsterreicherIn, die/der Eier zu sich nimmt, DIREKT für den Tod eines Hahns (eine Legehenne legt ungefähr die selbe Anzahl von Eiern im Jahr) pro Jahr verantwortlich ist…
Kämpft man für die Umstellung von Batterien auf ‚ausgestaltete‘ Käfige oder Kleinvolieren, hat man sofort bei Erreichen des Ziels unweigerlich den selben Aufwand vor sich, um schließlich diese Haltungsform zu verdammen; der Kampf geht dann über zur Bodenhaltung, die ja auch Sinnbild für Unart‘-gerechte (eine sehr schön zweideutige Formulierung
J) Tierhaltung ist.
Deshalb: wäre es nicht viel besser, jetzt und sofort einen Ei-Verzicht, der ja dann auch keinen Verzicht im eigentlichen Sinne darstellt, da Ei-Konsum erwiesenermaßen sowieso ungesund ist, zu propagieren?
Wird der Tierschutz nicht unglaubwürdig, wenn man eine Mauer abträgt und sodann zur nächsten gelangt,; läuft man dabei nicht in Gefahr, dass sich die VerbraucherInnen schließlich sagen: ‚Denen kann man es sowieso nicht recht machen (auf ethisches Einsehen der Grausamkeit dürfen wir ja ohnehin meist kaum hoffen…)
Ihre Meinung wäre uns sehr wichtig; bitte schreiben Sie uns, wie Sie zur Thematik stehen!


 

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