Pelz tragen tötet! – Kundgebung in Salzburg

Gestern versammelten sich RespekTiere- und VGT-AktivistInnen gegenüber des Salzburger Rochus-Hofes. Ziel des statt findenden Protestes war das dortige ‚Haus der Meister‘, wo Menschen aus verschiedensten Handwerksbereichen ihre Kunst zeigen.


So auch Kürschnermeister Otmar Sladky, der einmal die Woche in besagtem Ambiente seine Kollektion vorstellt. Herr Sladky behauptet von sich selbst für sein Handwerk neue Wege einzuschlagen – die von ihm gefertigten Kleidungsstücke stammen nämlich nach eigenen Angaben zu hundert Prozent nicht aus den so grausamen ‚Pelztierfarmen‘, Herr Sladky distanziert sich sogar von dieser Tierqualindustrie, wie sie vor allem in Ost- und Nordeuropa betrieben wird.
So verarbeitet die Pelzmodenfirma aus Perchtoldsdorf in Niederösterreich nur Tierhäute aus dem Fallenfang, erklärt der Bundesinnungsmeister stolz, vorwiegend aus von kanadischen Trappern und von Inuit erlegten Tieren; alles seine ‚Lieferanten‘ hätten Verträge, die sie dazu verpflichteten, die ausgelegten Fallen alle 24 Stunden zu überprüfen, um kein Tier unnötig leiden zu lassen. Die Frage, welche sich dabei wohl stellt, ist jene: Lässt sich eine Einhaltung dessen dann auch tatsächlich kontrollieren, oder sind es leere Worthülsen, ohne jegliche Bedeutung, weil allein der Verstand sagt, ‚von Haus aus nicht überprüfbar‘? Und selbst wenn: im Extremfall sprechen wir von 24 Stunden ärgster Pein, 24 Stunden Todesangst…
Man mag es drehen und wenden, so oder so, Pelz ist, wie auch immer gewonnen, ein absolutes ‚No Go‘, immer mit Tierqual verbunden, niemals notwendig und so irrsinnig leicht mit tierleidfreien Materialen zu ersetzen, welche noch wärmer sind, leichter und welche keine (moralisch-ethischen) Blutflecken hinterlassen wo immer man sie auch ablegt….

Herr Sladky verweist zudem stolz auf eine weiteren ’neuen Weg‘, wie er es nennt; einen großen Teil seiner Kollektion nehmen Mäntel und Jacken aus Schafpelz ein. Diese Produkte nennt er ‚Öko-Pelz‘, weil das Ausgangsmaterial einen Import aus Namibia darstellt. Die dort gezüchteten Swakara-Schafe sollen demnach vor Ort zu einem funktionierendem Öko-System beitragen, weil sie eine Ausbreitung der Wüste verhindern – Dank an die deutschen Einwanderer, welche das Tier vor mehr als 100 Jahren nach Süd-West-Afrika eingeführt und damit das Land wahrscheinlich vor einer drohenden Naturkatastrophe bewahrt haben, ohne sie wäre Namibia im wahrsten Sinne des Wortes bestimmt längst ‚verwüstet‘ – so wie die Einmischung aus Europa Afrika immer nur Gutes gebracht hatL
Herr Sladky erzählt, dass durch die Verwertung von Schafhaut und -haar 1 000 Arbeitsplätze in Namibia geschaffen worden sind – man kann sie direkt vor Augen sehen, schwarze Familien, welche einst in Armut darbten, aber nun durch die fast selbstlose Unterstützung der Pelzindustrie plötzlich finanziell aller Sorgen entledigt ein sorgenfreies Dasein führen …
Die Kehrseite – und wir wollen hier nichts unterstellen, jedoch durch die Abwesenheit anderswertiger Zusicherungen zu dieser Hypothese verleitet – ist folgende: wird hier tatsächlich den Ureinwohnern ein Erwerbszweig geboten? Auf der firmeneigenen Homepage findet sich unter ‚Was man über Swakara wissen sollte‘ folgender Eintrag: ‚Seit fast hundert Jahren züchten Farmer in Namibia Karakul-Schafe…. ‚; wäre nun doch interessant – obwohl nebensächlich, dennoch aussagekräftig – welcher Hautfarbe diese Farmer denn dann wirklich sind; denn ist es nicht ein Faktum, dass die meisten Farmer am schwarzen Kontinent Weiße sind, Weiße, die seit jeher dazu beigetragen haben, dass die schwarze Urbevölkerung zu einem Schattendasein verdammt ist, ferngehalten von allen geldbringenden Ressourcen? Ersetzt man das Bild des sanften schwarzen Schafhüters, der seiner Familie eine neue Einnahmequelle bietet, auf Fair-Trade-Basis, durch den weißen Farmer, der im fremden Land auf riesigen Farmen ein beschauliches Leben führt, ja dann bleibe von Öko, von Entwicklungshilfe der anderen Art, freilich wenig über…

Ach ja, und noch was: wie ‚Öko‘ kann ein Produkt eigentlich sein, eine reine Luxusware, die weder Menschen satt macht noch zu einem ethisch korrekten Prozess beiträgt, welches dann eine Flugreise von tausenden Kilometern hinter sich hat?…

Der Kürschner verarbeitet auch Fuchsfelle, lehnt aber Fuchszucht hierfür aus innerer Überzeugung lobenswerter Weise grundsätzlich ab. Seine Felle stammen aus der Hegejagd, betont der Innungsmeister. Seine Firma arbeitet auch Großmutter’s Pelzmantel für moderne Bedürfnisse um, ‚lieber Recycling als Pelzzucht‘, ist eine Firmendevise.

Was man festhalten sollte: Herr Sladky nahm sich Zeit für die Protestierenden; viel Zeit sogar – fast zwei Stunden widmete er einer angeregten Diskussion am Straßenrand, ohne Aggression, ohne auf gängige Vorurteile zurückzugreifen. Ein Faktum, welches ihn von seinen KollegInnen letztendlich doch noch sehr unterscheidet…den zu bluttriefenden Mänteln und Jacken verarbeiteten Tieren wird diese Feststellung allerdings gänzlich egal sein…

Eine gute Nachricht zur Thematik ist der Pelzverzicht des großen Meisters Karl Lagerfeld für seine Kollektion; Peta schreibt dazu: ‚Eine Trendwende in der Mode?Stand: 11. März 2010„Das ist der Triumph des Kunstpelzes … Kunstpelz hat sich so sehr geändert und ist so toll geworden, dass man kaum noch einen Unterschied sieht, so Karl Lagerfeld über seine Show bei der Pariser Fashion Week. In einem Interview mit dem Telegraph ließ sich Karl Lagerfeld, Head Designer und Creative Director bei Chanel und normalerweise für seine Pelzvorliebe bekannt, mit Begeisterung über „Fake Fur aus. Seine Anmerkungen lassen uns auf eine neue Ära in der Modeindustrie hoffen. Frei nach dem Motto: "You cannot fake chic, but you can be chic in fake fur!"
Bitte nutzen Sie die Gunst der Stunde, bestärken Sie Herrn Lagerfeld, der ja großen Einfluß auf die gesamte Modebranche ausübt, in seinen Entscheidungen:
www.karllagerfeld.com, Kontakt zum KL-Hauptquartier: caroline.fragner@karllagerfeld.com


Wichtiger Hinweis: am Samstag, 24. April, veranstalten wir in den frühen Abendstunden eine Kundgebung gegen Tierversuche, und zwar direkt vor dem Ort des Geschehens – vor der Salzburger Landesnervenklinik,wo Versuche an Kaninchen durchgeführt werden! Bitte kommt’s zahlreich, nehmt wenn möglich Grabkerzen mit, wir werden eine Trauerkundgebung durchführen. Treffpunkt ist 18.45 vor dem Haupteingang am Parkplatz der Bank, Dauer der Kundgebung bis ca. 21.30 Uhr!

RespekTiere auf der großen Demo gegen Tierversuche in München, 2007

 

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