diese Hunde brauchen uns – sooo dringend! Rumänien, der Einsatz!

Allen Unkenrufen zum Trotz ist er zurückgekehrt, der alte Mann aus dem Norden, und mit ihm eine Legendschaft seiner Armee. Myriaden von klitzekleinen Kriegern, in Form von Schneekristallen sind sie ausgezogen und haben weite Landstriche vor allem im Osten erneut in sanftes Weiß gepackt. Mit seinem eisigen Atmen hat er auf dem weiten Weg aus der sibirischen Steppe immer in Richtung Westen die Temperaturen in den Keller getrieben und so überzieht erneut blankes Eis die sich bereits nach Frühjahrssonne sehnenden Bäche und Seen. Noch ist kein Ende seiner Regentschaft in Sicht, er zwar gebückt und von den Zeiten gezeichnet, steht noch immer wie ein Bollwerk gegen das dunkle Firmament, der wärmeren Jahresperiode eine Bastion der Stärke entgegenhaltend.

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Foto: Gevatter Frost hat den Osten wieder fest im Griff – zum Leidwesen der schwächsten der Gesellschaft, der Straßenhunde…

Mitten hinein in diese unwirtlichen Bedingungen erreichte uns ein Notruf aus dem Karpatenland, Frau Oprea und ihre rund 150 Schützlinge benötigen händeringend Unterstützung – die Nahrungsvorsorge hat einen beängstigenden Tiefstand angenommen, und so haben wir wieder einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zum wiederholten Male das orange RespekTiere-Mobil bis an die Grenze der Belastbarkeit mit Hilfsgütern, vor allem in Form von Hundefutter, zu beladen. Fast 800 kg haben wir gesammelt, mit Ihrer unverzichtbaren Hilfe, dazu kommen Dutzende Kisten und Schachteln mit Dingen des täglichen Bedarfs, fein säuberlich in den Laderaum aufeinander schlichtet. Auch auf die persönlichen Bedürfnisse der alten Dame haben wir Bedacht genommen, extra für sie sind Hygieneartikel aller Arten sowie Grundnahrungsmittel sicher verstaut! Warme Kleidung für die alte Dame und für ihren tapferen Helfer sind ebenfalls dabei, und so starten wir doch frohen Mutes den weiten Weg in den Osten, der Kälte des Winters, aber gleichermaßen auch der Wärme des Herzens entgegen.

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Foto: ein Teil des Ladegutes wartet auf die Verladung!

Wieder einmal hat Günther neben mir im vollbeladenen Van Platz genommen. Wir haben nun schon so manche Strapazen gemeinsam bewältigt, und genau so soll es auch dieses Mal sein – ein eingespieltes Team, welches dorthin Hilfe bringt, wo sie am dringensten benötigt wird! Allerdings gehen wir die Reise dieses Mal dann unter ‚verschärften Bedingungen‘ an, denn leider scheint der Zahn der Zeit langsam aber sicher auch an uns zu nagen! 🙂 Beide leiden wir nämlich an auf- und abschwellenden Schmerzen, bei mir sind die Bandscheiben auf ein Weiteres beleidigt, bei Günther eine angeknacksten Rippe – so freuen wir uns nicht wirklich auf die Entladung, wo es dann gilt alleine 800 kg an Hundenahrung an den ihr bestimmten Ort zu transportieren…

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Foto: Mama Putzgruber wie immer eine unentbehrliche Helferin beim Beladen!

Problemlos wie immer meistern wir die Fahrt auf der perfekt gestalteten West-Autobahn durch Österreich hindurch; während Salzburg noch im Schnee versinkt, wird es im niederösterreichischen und burgenländischen Flachland zunehmend apper, nur mehr letzte Reste des flauschigen Weißes kämpfen gegen die langsam noch oben kletternden Temperaturen an. Allerdings bläst der für diese Region typische kalte Ost-Wind, und jener hat es in sich, erste Frühlingsgefühle nicht nur im Zaum zu halten, sondern diese schon im Keim zu ersticken!

Unser Mobil schnurrt zufrieden, der Motor scheint sich trotz des gewaltigen Gewichtes im Laderaum kaum anzustrengen. Hin und wieder, besonders die Anhöhen hinauf, verliert er etwas an Kraft, wie könnte es aber auch anders sein: der Sprinter ist kein Rennwagen, vielmehr Partner, einer jener mechanischen Gefährten, deren Hilfe so absolut unverzichtbar ist. Mehr als 70 000 Kilometer haben wir nun schon alleine mit ihm zurückgelegt, ob nun über montenegrinische Bergpässe, Albaniens Albtraumstraßen, bosnische Schlaglochbahnen oder türkische Feldwege, ja selbst im tiefsten bulgarischen Hinterland, immer hat er sich als perfektes Fahrzeug erwiesen, als höchst fehlerunanfällig bewährt.

Bald, bei nun plötzlich strahlendem Sonnenschein, queren wir die Bundeshauptstadt, tauchen in die pannonischen Ebenen ein. Windräder an beiden Seiten der Fahrbahn, wie stählerne Riesen drehen ihre Räder einsame Runden, begleitet nur vom beleidigten Zischen der zerschnittenen Luft, tauchen auf, jedes Mal scheinen sie mehr zu werden. Sie, ein Synonym für grüne Energie, verunstalten das einst freie Land, nun, da selbst der Wind besiegt, gleicht das gesamte Umfeld einem riesigen Industriepark. Die stählernen Kolosse und ihre Fundamente sind hässliche Wunden in der Landschaft, ohne Zweifel, aber leider fehlt es uns Menschen wohl an Alternative zur Gewinnung von Energie. Und so werden wir weiter bauen, bis auch der letzte Fleck freier Natur seiner Jungfräulichkeit auf alle Zeiten beraubt ist…

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Wieder, wie fast immer bei den Ostfahrten, halten wir kurz vor der Grenze; im burgenländischen Neusiedl erwarten uns einmal mehr die so herzensguten Mitstreiterinnen Doris Kummer und Monika Kugler, beide haben erneut ihre Wagen mit von ihnen gesammelten und zugekauften Hilfsgütern vollbeladen! Wirklich unfassbar toll!

Mit Müh und Not bringen wir die vielen Dinge im Sprinter unter, nochmals 60 oder mehr kg Hundefutter, dazu Decken und Pölster, Konservendosen und Nahrungsmittel für Frau Oprea, sowie einige Säcke an Kleidung für die Menschen, all das ist schnell geladen. Nach einer festen Umarmung müssen wir aber auch schon weiter, die Zeit läuft und so setzen wir den Weg fort, winken den beiden wirklich großartigen Tierschützerinnen ein letztes Good-Bye durch das geöffnete Seitenfenster!

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Foto: Doris und Karin, die beiden Unentbehrlichen!

Die ungarische Grenze, nach dem teuren Vignettenkauf, passieren wir hastig und zielstrebig; ein schneller Kaffee noch, dann verschwindet der heimatliche Horizont langsam im Rückspiegel; fast können wir sie nun schon fühlen, die Vorfreude Frau Opreas, sowie den langsam aufkeimenden Hoffnungsschimmer auf volle Mägen in ihrer Hundertschaft! 

Es wird nun tatsächlich milder, und auch die letzten Reste von Schnee in den Feldern geben sich der Wärme des späten Nachmittags geschlagen. Über hunderte Kilometer bietet sich bloss das immer selbe Bild, Felder über Felder, dazwischen hie und da eine riesenhafte Tierfabrik, Nutzwälder, wo die Bäume wie Soldaten in Reih und Glied stehen, in perfekter Ordnung, geradlinig mit dem Lineal gezogen; Regen hat dem Land schwer zugesetzt, überall in den Äckern haben sich kleine Seen gebildet, Wasserflächen, die darauf warten zu scheinen, endlich von einer kräftigen Frühlingssonne aufgesaugt zu werden.

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Bereits im Dunkeln passieren wir die rumänische Grenze; fast schon freuen wir uns wegen des relativ zügigen Verkehrs, da, wo ansonsten so oft endlos scheinende Wagenkolonnen auf die Grenzkontrollen warten. Ich sagte ‚fast‘, denn die Erfahrung lehrt, man sollte sich an Ostübergängen nicht zu früh freuen. Genauso kommt es schließlich auch – bloß ein einziges Fahrzeug soll vor uns abgefertigt werden, doch genau dieses ist leider mit Kennzeichen aus der Ukraine bestückt – und eine solche Tatsache scheint die BeamtInnen mit wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos zu überfordern… nach Minuten verschwindet ein Zöllner mit den Papieren, und er sollte lange, lange Zeit nicht wiederkommen. Ungeachtet der Kolonne, die sich sofort hinter uns bildet, welche ihn offensichtlich keine Sekunde dazu anspornt, vielleicht doch etwas schneller zu arbeiten…

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Eine gefühlte Stunde später (in Wirklichkeit dürften rund 20 Minuten vergangen sein) sind wir endlich im Karpatenland. Eine Vignette (in Rumänien bezahlt man eine allgemeine Straßenbenützungsgebühr, welche dann sämtliche Straßen beinhaltet; bis dato existiert noch keine spezielle Autobahnmaut) um moderate 6 Euro ist hurtig gekauft, dann hat uns der rumänische Highway in sich aufgenommen! Anders als sonst aber ist der Verkehrsweg heute nicht menschen- (oder besser: fahrzeug-) leer, wir kommen dennoch gut voran. Die Temperatur ist nun wieder stark gefallen, an den Straßenrändern liegt frischer Schnee – allerdings ist dies ein gutes Zeichen für den Moment, denn wir erhoffen uns doch von ganzem Herzen für zumindest morgen früh gefrorenen Boden. Warum? Sie erinnern sich bestimmt an unsere letzten Einsätze, verwandelt sich der nicht asphaltierte Weg hin zum Asyl erst in Matsch, ist die Zufahrt zu Frau Opreas Herberge fast nicht mehr möglich; noch dazu beladen mit mehr als 1 Tonne an Gütern im Laderaum, ein Steckenbleiben im Nirgendwo wäre wohl eine echte Katastrophe!

Für heute sind wir allerdings erst einmal froh, Frau Doinas wunderbares Heim zu erreichen; die Liebe erwartet uns auch schon mit großer Freude, trotz der späten Stunde der Ankunft – sie kennt die Schwierigkeiten der Fahrt inzwischen, den unkalkulierbaren Verlauf deren, und tatsächlich sind wir noch nie wirklich weit vor Mitternacht angekommen – und so ist sie keineswegs böse mit dem säumigen Erscheinen: im Gegenteil, wir fallen uns in die Arme, und jedes Mal mehr ist das Erreichen ihres Heimatortes, Sanandrei, eigentlich ein ‚Heimkommen‘…

Eine köstliche Tasse Tee und herzerwärmende Gespräche später bereiten wir uns endlich auf die nun doch schon herbeigesehnte Nachtruhe vor. Draußen beginnt es gegen 1 Uhr morgens wieder zu schneien, zuerst ganz leicht, doch wandelt sich der Niederschlag schon bald in prächtige, dicke Flocken. Die Wärme des alten Kachelofens und das Flackern des Kerzenlichtes tun ihr übriges, um uns alsbald in den verdienten Schlaf fallen zu lassen.

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Foto: so sah die Wettersituation spät nachts aus…

Am Morgen trauen wir kaum unseren Augen – fast 20 cm jungfräuliches Weiß bedecken das Land, zudem ist es bitter kalt! Es hilft alles nichts, ein schneller Kaffee noch, dann beginnen wir erst einmal die mitgebrachten Güter für das Caritas-Zentrum zu entladen – ja, leider ist das Hundefutter unter den Kisten und Säcken versteckt, und wir möchten keinesfalls erst bei Colt Alb, dem Asyl der Frau Oprea, alles auspacken müssen; dort, wo es keinen Unterstand gibt und sich die dicke Schneeschicht nun bestimmt langsam in schmutzigen Matsch wandelt, wären die Dinge – selbst wenn nur für die relativ kurze Zeit des Aufenthaltes – nicht gut aufgehoben; außerdem, die vielen Hunde würden den Berg wohl schnell als ihr Eigentum ansehen, ihn über und über zu markieren versuchen…

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Foto: …und so am frühen Morgen…

Die zusätzliche Arbeit kostet aber leider Zeit, noch dazu durch unsere gesundheitlichen Problematiken, und so starten wir dann erst gegen 9 Uhr zur Herberge. Ein Gedanke beschäftigt nun wieder zunehmend die Gehirnwindungen – wie werden wir wohl den selbst bei besten Verhältnissen nicht einfach zu passierenden Weg unter diesen verschärften Bedingungen schaffen?

Temeswar liegt im Schnee begraben; die Äste der Bäume biegen sich weit nach unten, auf den Straßen herrscht ein Verkehrschaos. Dennoch schaffen wir es schnell an den Stadtrand; über die große Brücke noch, dann scharf nach rechts, und hinein in das Ungewisse!

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Foto: immer wieder Verkehrsunfälle, geschuldet den Bedingungen…

Vali, der Helfer der Frau Oprea (und nun ihr ‚Kronprinz‘, denn er wird unter der Auflage, das Heim mindestens 40 Jahre weiter zu betreiben, das Grundstück und die damit verbundene Aufgabe erben), wartet dem Himmel sei Dank unter den Brückenpfeilern auf uns; kurz überlegen wir, ob wir denn die Fracht nicht doch gleich in seinen Van umladen sollten, aber dann fällt die Entscheidung auf das Selberfahren! Wir müssten mit seinem Fahrzeug mindestens dreimal den gefürchteten Weg bewältigen, dazu gäbe es kaum Platz für uns, also bleibt eigentlich gar keine andere Wahl!

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Der nette Mann fährt vor, wir biegen ein in die mit Müll überfüllte Feldstraße – und bereuen den vorangegangen Entschluss im selben Moment! Der Weg ist tatsächlich überschwemmt, großflächig, die tiefen, von Autoreifen ausgefahrenen Furchen stehen unter Wasser; kleine Seen breiten sich rundherum aus, so tief, dass wir fürchten, der Motorblock unserer Fahrzeuge gerät unter die Wassermassen. Noch dazu sind die Ränder im Morast und Schnee versunken, geben den Blick auf allfällige Unpassierbarkeit erst im allerletzten Moment frei, und um dem Ganzen die letzte Würze zu verleihen, hängen zudem die Äste der Büsche und kleinen Bäume an der Begrenzung oft tief in die ohnehin nur schmale befahrbare Rinne. Immer wieder muss man ausweichen, nur um dann mit voller Wucht in das nächste Schlagloch einzufahren, und es gibt, egal wie oft man solche durchfährt, immer noch eine ‚nächste‘; die Tatsache lässt wahrlich kein gutes Gefühl aufkommen, Sie können sich vorstellen, wie ohnehin kaputte Bandscheiben und Rippen auf 15 Zentimeter tiefe Gruben reagieren… Dennoch, nur nicht stehen bleiben, keine Sekunde und unter keinen Umständen, dass ist der einzige Ratschlag, welchen es jetzt zu befolgen gilt; ja, nur darin, so schwer es auch oft fällt, besteht die einzige Chance, aus dem Chaos heil wieder rauszukommen. Bleiben wir hier hängen, nur Gott weiß wer und wie man uns da aus der misslichen Lage befreien würde können!

Erschwerend kommt hinzu, von der Abzweigung weg begleiten einige Hunde den kleinen Konvoi, laufen neben den beiden Fahrzeugen her, queren die Spur. Und es werden ständig mehr, je näher wir zum Asyl gelangen; zu guter Letzt ist es ein volles Dutzend, übermütig oder ganz einfach nur hungrig, wir wissen es nicht!

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Eine letzte Kurve noch, dann aber eine fast rechtwinkelige, eine Biegung, die ebenfalls vom Wasser völlig ausgefüllt ist, und abschließend eine unvermutete Steigung – ein kurzes Stoßgebet gen Himmel, und wir stehen endlich oben am Hügel, vor uns das Gittertor von Colt Alb! Ein erleichtertes Durchatmen, es ist tatsächlich geschafft!

Jetzt gilt es den Wagen zu entladen und das Futter ins Trockene zu bringen. Sofort, nachdem wir die nun entgegenströmende Hundeschar, wie aus eine nie versiegende Quelle kommend, begrüßt haben, beginnen wir mit der Arbeit. Sack um Sack schlichten wir auf eine Palette, der Schnee fällt nun wieder in dicken Flocken. Kalt wird uns nicht, wenigstens etwas, dazu ist die Hektik und der Stress zu groß. Bald liegen sie vor dem RespekTiere-Banner, mehr als 800 kg an Nahrung, welche für die Hunde ein Überleben bedeuten werden!

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Jetzt fällt die Spannung langsam ab; Vali nimmt uns mit auf einem Rundgang durch das Asyl, er erzählt von seinen Vorhaben – wir werden ihn bei allen guten Vorsätzen natürlich tatkräftigst unterstützen – von seinen Sorgen (zum Beispiel wurden angeblich über 40 Hunde gestohlen, von Nachbarn, welche diese – so das Gerücht – ins ‚Ausland verkaufen‘…) und Nöten: von all jenen gibt es mehr als genug; ja, wir werden im Frühsommer einen neuerlichen großen Hilfseinsatz leisten, respekTIERE IN NOT-Einsatz in Reinkultur, so viel steht fest! Doch davon werden wir Ihnen später erzählen!

Vali bringt uns in sein Zimmer, voller Stolz zeigt er die Funktionalität seines 30 cm großer Röhrenfernsehers; der wäre dann vielleicht nicht die ganz große Innovation, aber die dazugehörige Stromversorgung, die ist es sehr wohl! Es gibt hier nämlich keine Kabel, keine elektrische Leitung, wir haben darüber berichtet; doch Vali wusste Rat, er half er sich einfach mit Solarpanelen am Dach aus!

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Allerdings, wie der Arme wohnt, es ist fast nicht vorstellbar! Ich habe bereits im Zuge der letzten Reise über seinen wirklich herzzerreißend erbärmlichen paar-Quadratmeter-Raum geschrieben, doch jetzt im Winter sieht die Unterkunft sogar noch viel schlimmer aus. Einige Hunde wohnen mit ihm, natürlich bringen die, wie könnte es in der Umgebung auch anders sein, viel Schmutz mit rein; nichts als ein kleines Bett, dazu zwei für die Hunde, ein Regal sowie ein alter Holzofen, das ist alles, was Vali zu besitzen scheint! Stellen Sie sich vor wie es sein muss, jeden Tag dort aufzuwachsen, an einem Ort, der der Hoffnungslosigkeit ihren Namen gegeben hat…

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Die Hunde sind dem Himmel sei Dank noch immer in durchwegs gutem Zustand; manche davon, besonders jene, welche uns durch ihre Zuneigung über die letzten Jahre hinweg besonders ans Herz gewachsen sind, begleiten jeden Schritt, gieren nach Streicheleinheiten, genießen jede Berührung. Ein großer Rüde, wohl schon weit über 10 Jahre alt, umschließt mit seinen Zähnen ständig meine Hand, aber ganz behutsam und liebevoll. Dann ist da noch der große Weiße, jener Hund – vielleicht erinnern Sie sich – der als Folge der Räude noch vor einem Jahr völlig nackt war – dessen Blick aus liebevollen Augen eine ganze Welt verändern; und das Mädchen, wo im letzten Jahr die Ärztin von NetAP in einer gemeinsamen Kastrationsaktion einen großen Tumor aus dem Gesicht entfernen konnte. Oder Nero, der lebensfrohe Rotweiler, der gar nicht weiß, wie viel Kraft in ihm steckt und deshalb immer an uns hochspringt… oder….

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Es ist ein so unfassbar gutes Gefühl, diese Vergleiche anzustellen, gemessen an der Zeit vor unserem ersten Einsatz; als wir kurz zuvor von der Misere erfahren hatten und uns selbst von Gesagtem überzeugen wollten; als wir Frau Oprea das erste Mal sahen, ein rissiger Fels in der Brandung, mit einem ausdrucksstarken Gesicht, dessen sonnengegerbte Falten unendlich viele Geschichten ohne Worte erzählen…  wie bewegend ist der Gedanke, dass wir hier ZUSAMMEN mit Ihrer immer großartigen Unterstützung einen so derartig überzeugenden Unterschied für das Los der armen Tiere bewerkstelligen konnten!

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Fotos oben: oft hilft nur eine Zeichnung im Schnee, wenn Dinge nicht mit Händen und Füßen erklärt werden können! 🙂 rechts oben: das ehemalige Zimmer Herr Opreas…

Nun müssen wir aber weiter, so viele Aufgaben erwarten uns heute noch! Wir umarmen den tapferen Vali, im Versprechen, bald wieder hier zu sein und dann einen gemeinsamen Arbeitseinsatz zu gestalten – der wird unbedingt notwendig sein, noch vor dem Sommer – welcher im Augenblick ob der Witterung so weit weg zu sein scheint und doch in riesen Schritten näherkommt – Schutzdächer über den Hundehütten zu errichten!
Apropos Frau Oprea – sie haben wir dieses Mal gar nicht gesehen. Die Arme war vor kurzem im Spital gewesen, aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme, und jetzt, bei dieser Witterung, wäre es für sie zu gefährlich, auf dem nicht einschätzbaren Untergrund zu wandeln. Gute Besserung, Sie Liebe!!!

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Foto: immer noch lebt dieses kleine Rudel unter dem Haus von Frau Oprea; wenigstens sind sie dort von Wind und Wetter beschützt…

Im Rückspiegel sehen wir Vali’s Silhouette dann langsam kleiner und kleiner werden, bis sie schließlich vollends vom Schneegewirr aufgesogen ist, mit ihm die Hundertschaft an Hunden, die allesamt unsere direkten Schützlinge geworden sind!

Schon hat uns die Straße wieder; ‚Straße‘ ist allerdings ein nichtssagender Hilfsausdruck für die Piste, die wir nun wieder durchqueren! Ein gütiger Gott bewachte unsere Schritte, so viel steht fest, und als wir dann endlich wieder festen Boden unter den Räder spüren, gilt ein erster Dank der übermenschlichen Macht.

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Jetzt geht es zur von unserem einstigen Partner in der großen Kastrationskampagne, der Schweizer Organistion NetAP (www.netap.ch/de)  unterstützen Klinik von ‚Animals First‘ (www.facebook.com/AnimalsFirst1/), wo Dr. Noemi Kiss und ihr großartiges Team wahre Wunderdinge leisten! Dort angekommen ist der ‚Wartesaal wie immer voller Hunde und Katzen, welche allesamt kastriert werden müssen – die wohl wichtigste Aufgabe in einem Land wie Rumänien, wo die Tragödie der Straßentiere erst ihre wahre Verkörperung erfahren hat…

Alina von Pet Hope (www.pethope.ro), die so fantastische Helferin der Veterinärin, empfängt uns sogleich mit dem ihr eigenen Optimismus. Welche Freude, diese Menschen wiederzutreffen; Menschen, welche ihr gesamtes Dasein dem einen Zweck gewidmet haben, nämlich jenen, den Tieren in ihrer Not bestmöglich und bedingungslos beizustehen. Dr. Kiss operiert gerade, und so besuchen wir erst einmal jenen blinden Hund, der hier ein Obdach gefunden hat. Inzwischen wurden ihm beide Augäpfel entfernt, ein Glaukom hatte den drastischen Eingriff unbedingt nötig gemacht, verursachte die Erkrankung doch ständige Schmerzen. Nun, die beiden Höhlen vernäht, geht es ihm viel besser, berichtet Alina. Er konnte ja schon vorher nicht sehen, jetzt ist wenigstens die drückende Pein beseitigt! Und Zen, Sie erinnern sich, der nach einem Autounfall gelähmt zurückblieb, aber, ein wahres Wunder, nach Monaten der totalen Agonie und kurz vor einer angedachten und aufgrund der Verweigerung Essbares aufzunehmen unabdingbar scheinenden Erlösung plötzlich wieder zu gehen lernte! Er bräuchte so dringend ein echtes zu Hause, vielleicht schaffen wir das noch… bitte, bitte, wer hier helfen könnte, wie wunderbar wäre es, ihn endlich, endlich in einer liebenden Familie zu wissen…

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Dann hat auch Noemi Zeit für uns; herzliche Gespräche später müssen wir uns aber auch schon wieder verabschieden. Die Zeit drängt, leider! Frau Doina, der Engel, der auf Erden wandelt, erwartet uns mit einem feinen Mittagessen! Noch dazu ist sie am Vormittag umgeknickt, ihr ohnehin schwer verletztes Knie ist erneut schwer lädiert – wie sie es aber ihr ganzes Leben getan hatte, stemmt sie sich, mit Hilfe ihrer Familie mit aller Macht gegen die Beeinträchtigung.
Vor dem Essen, dass die Verletzte trotz der Schmerzen sich nicht nehmen lies für uns zuzubereiten, laden wir schnell noch den Van erneut mit allen Dingen, die wir kurzfristig bei ihr gelagert hatten; unfassbar, wie viele Güter in dem Laderaum Platz finden können!
eine schnelle Zigarette nach dem beherzten Mahl, dann müssen wir uns aber endgültig von Frau Doina verabschieden; was täten wir wohl ohne sie, und wie, so frage ich mich, können wir je für all die Hilfe und Herzenswärme entsprechend zurückgeben?

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Sie wissen vielleicht, Pater Berno, eine Legende zu Lebzeiten, nun ein Heiliger unter Heiligen im ewigen Leben, war ein Schutzpatron so vieler Tiere; seine letzte vierbeinige Begleiterin, die Katze namens Lady, zog nach seinem Tod bei Frau Doina ein. Nach einem Monat verschwand sie aber, niemand wusste wohin. Sie schien endgültig einen neuen Weg eingeschlagen zu haben, auf irdischen oder anderen Bahnen, aber wie durch ein Wunder tauchte sie nach mehr als 60 Tagen in Sorge wieder im Heim der Begnadeten auf – von Pater Berno zurückgeschickt, so möchte man meinen…

 

Am Nachmittag führt uns der Weg zur Caritas-Zentrale in Temeswar. Herr Grün, der herzensgute Menschenfreund, leitet die so wichtige Stelle; Günther hatte mit dem Kiwanis-Club kürzlich einen Flohmarkt veranstaltet, und ein Teil des Erlöses sollte Waisenkindern zu Gute kommen. Herr Grün führt, neben zahlreichen anderen Hilfseinrichtungen, auch ein solches – und so schließt sich der Kreis! Wir fragten, was denn am dringensten für ca. 400 Euro gekauft werden könnte – und die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Blutdruckmesser und andere ärztliche Hilfsmittel für die Kinder, dazu ein Inhalator, war doch gerade einer seiner Schützlinge, ein 14 Jahre altes Mädchen, an einer Lungenentzündung erkrankt!

So finden wir uns in der Apotheke wieder, nach einem langen Fußmarsch durch Temeswar’s wunderschöne Altstadt; dort kaufen wir das Benötigte, und dann fahren wir schnellstmöglich ins Waisenhaus. Fast zwei Dutzend Kinder haben dort Aufnahme gefunden, ebenso zwei herzallerliebste Hunde, allesamt sorgsam betreut von Herr Grün’s Frau und Tochter Astrid. Das kranke Mädchen probierte daraufhin gleich die neue Inhaliermaschine, die Kinder versuchten allesamt das Blutdruckmessgerät; auch Fieberthermometer hatten wir gekauft, dazu Bandagen und allerlei andere Hilfsmittel. Wie besser wären 500 Euro investiert gewesen?

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Langsam bricht nun die Nacht über das Land; ein letzter Akt vor der langen Fahrt nach Nadrac, wo wir seit vielen Jahren nun schon zu helfen versuchen, steht aber noch auf dem Programm: der altbewährte und so wichtige Protest für die Straßentiere! So verabschieden wir uns von Herrn Grün, dem Wunderbaren, und erneut zieht es uns in die Altstadt. Dort ist übrigens ein riesiger, wunderschöner Ostermarkt aufgebaut, zum ersten Mal wie wir von vielen Menschen hören, im Schnee! Dennoch bevölkern viele Menschen das Event, genau der richtige Platz für unser Vorhaben!

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Ein junger Mann hält ein Taubenkind in seinen Händen; ich frage ihn, woher er das Baby wohl hat; gefunden, meint er kurz, und er wisse nun nicht wohin damit! Er hätte versucht es in den Taubenschwarm zu integrieren, die andern Vögel hätten es allerdings brutal attackiert. Lange Rede, kurzer Sinn, wir übernahmen den Findling, im Versprechen, dem Tierkind im Caritas-Haus in Nadrac bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen!

Wie froh der junge Mann über das Angebot ist, und er wohnt schließlich noch eine Zeitlang dem Protest bei; er würde Hunde ebenfalls lieben, deshalb gefällt ihm das Transparent ‚Stop Killing Stray Dogs‘ sehr – und auch Gevatter Tod in seinem Kostüm macht mächtig Eindruck! Nicht nicht nur bei ihm, bald fotografierten viele PassantInnen die nicht alltägliche Szenerie, einige davon informierten sich ausführlich über den Zweck des Protestes. Eine junge Frau, die Inhaberin eines Markstandes, bringt bald Tee, im anschließenden Gespräch stellt sich heraus, sie wäre ebenfalls Tierschutzaktivistin! Und das Schönste daran: sie nimmt zu guter Letzt das Taubenkind an sich, hätte sie doch zu Hause sowieso mehrere Tiere und würde sich zudem ständig um Tauben kümmern! Was für ein Glück und was für eine wunderbare Fügung des Schicksals!!!

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Eine Stunde später sitzen wir auch schon wieder im RespekTiere-Mobil, nun endgültig am Weg nach Nadrac! Wer es nicht weiß, Nadrac ist eine kleine Stadt am Fuße der Karpaten, nur über eine Sackgasse weg von der Hauptstraße, meilenweit entfernt von der nächsten Ansiedlung, erreichbar. Sämtliche Verkehrswege enden hier, hinter den Grenzen der Ansiedlung breitet sich pure Wildnis aus. Zu Ceausescus Zeiten gab es in der damals 7 000 EinwohnerInnen-Gemeinde zahlreiche Fabriken, was ihr einen gewissen Wohlstand bescherte. Doch davon ist nach dem Fall des Diktators nichts übriggeblieben. Allesamt haben die Firmen ihre Zelte abgebrochen, Ruinen beherrschen das Stadtbild. Keine 2000 BewohnerInnen sind noch geblieben, zu tief verwurzelt mit der einisten Metropole, aber es sind dann fast nur Kinder und Alte. Die mittlere Generation ist gezwungen in der Ferne ihr Glück zu versuchen, denn Aussicht oder Zukunft, das sind nicht mehr die Tribute von Nadrac. Selbst die Fahrbahn, die Sackgasse des Lebens, wie wir sie nennen, zerfällt langsam, und was die kommende Zeit bringen wird? Wohl wird sie eine Geisterstadt kreieren, wenn nicht sehr bald ein Wunder passiert. Und Wunder, so viel steht fest, sind ein gar seltenes Gut, für die nächste Zeit vielleicht mit der Rettung des Taubenbays aufgebraucht.

Rudi und sein Sohn Marius leiten die hiesige kleine Caritas-Stelle, in ihrem Haus wird für rund 90 Menschen tagtäglich gekocht; für die Armen, die Kranken, die Kinder, die Bettlägerigen; gegen 22 Uhr erreichen wir die Herberge, die beiden Männer längst zu echten Freunden geworden!!!

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Foto: der so gutherzige Rudi füttert die Straßenhunde jeden Tag, wofür wir ihm auch immer einige Säcke Hundefutter mitbringen!

Die Nacht sollte eine kurze sein; zuerst sitzen wir noch etwas zusammen, dann gilt es eine Menge Arbeit am Computer nachzuholen. So ist es weit nach 1 Uhr morgens, bis endlich, endlich mit gutem Gewissen die Augen zufallen dürfen.

Der nächste Tag beginnt bitter kalt. Des Nachts haben uns auch die vielen Straßenhunde des Ortes noch lange wachgehalten, immer wieder starteten sie ein verzweifeltes Konzert, vielleicht um Obdach und Nahrung bittend. Auch jetzt sitzen sie vor dem zerfallenden Gebäude, auf ihren ‚Vater‘ wartend, denn Rudi füttert sie alle, und das jeden Tag auf ein Neues. Ein Vorgehen, welches ihm nicht nur Freunde schafft, ganz im Gegenteil – viele Menschen im Ort beklagen seine Herzlichkeit, meinen, er wäre schuld an der Situation, weil die Hunde ohne die Aussicht auf ein kleines Mahl längst weitergezogen wären. Die Frage ist nur: wohin? Wir befinden uns hier mitten im Nirgendwo, hinter Nadrac breitet sich die Wildnis aus, auf der Einbahnstraße in die vermeintliche Zivilisation sind es mehr als ein Dutzend Kilometer bis zur nächsten Ansiedlung. Wer mag die Menschen verstehen, Menschen, die selbst kaum etwas haben, sollten gerade diese nicht noch mitfühlender sein? Oder verhärtet die eigene aussichtslose Situation tatsächlich die Gefühle gegenüber dem Nächsten, gegenüber dem Mitgeschöpf? Ich weiß die Antwort nicht, aber so oder so wird sie wohl eine zutiefst beklemmende sein.

Das laute Hundebellen die Nacht hindurch bereitet uns schwere Sorgen. Oft reagieren die Behörden auf eine solche Entwicklung immer nach gleichem Muster: die Armen werden gejagd, vertrieben oder sogar getötet…

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Ein kurzes Frühstück, ein heißer Kaffee und ein Marmeladebrot später, beginnen wir auch schon den Van zu entladen. Fast ungläubig betrachten wir die ausgeladene Menge – als wir den Berg an Hilfsgütern im kleinen Zentrum vor uns sehen, fragen wir uns wirklich, wie hatte all dies zusammen mit 800 kg an Hundefutter überhaupt nur Platz gehabt???

Rudis dritter Sohn, Roby, ist heute wieder einmal nach langer Zeit in der Heimat; wie so viele andere auch muss er Frau und Kind verlassen, wochenlang, und in der Fremde – in seinem Falle unsere Heimat, Österreich – arbeiten, um wenigstens so viel zu verdienen, damit seine Familie ein Auslangen finden kann. Wie schwer das sein muss, bedenkt man doch, Roby hat zu Hause eine kleine Tochter, die den Vater nun kaum sieht und so sehr nach ihm verlangt.

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Die Straßenhunde haben des Nachts die Abfalleimer umgeworfen, auf der Suche nach Überleben. Jetzt noch sitzen mehrere Katzen im am Boden breitflächig verstreuten Müll, um darin vielleicht noch wenigstens winzige Reste an Essbarem zu finden. Ja, das Katzenproblem ist ein riesiges, und es wird noch mehr übersehen als die Tragödie der Hunde!

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Wir fahren mit Rudi zu einem alten Bekannten, ein Mann der leider dem Alkohol seine Seele verkauft hat; darum war dann auch seine Frau geflohen, aus nachvollziehbaren Gründen musste sie die Kinder zurücklassen. Sie wird sie nachholen, sobald als möglich, aber im Augenblick ist selbstredend auch deren Situation eine schreckliche. Der von den Elementen zernagte Hof sieht schrecklich aus, das langsam verfaulende Lattenzaun-Tor mit der Kette einer Motorsäge zugehangen, überall Schmutz und Abfall, selbst das Eingangstür zum Haus fällt bei der Berührung bereits aus der Angel. Hierher haben wir trotzdem des Öfteren Pferdedecken, Zaumzeug und dergleichen gebracht, denn ein Pferd lebt ebenfalls in der Trostlosigkeit. Das arme Tier schuftet mit dem Mann im Wald bei der Holzarbeit, wie vor hundert Jahren.

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Foto: …und das ist der Dank für die unfassbar schwere Waldarbeit…

Auch heute hätten wir einiges mitgebracht, allerdings, der Mann ist nicht zu Hause. So werfen wir einen kurzen Blick in den Stall – das Pferd steht wie erwartet im eigenen Mist, herzzerreißend! Ja, ein Versprechen, Rudi soll mit dem Trinker ein letztes Mal zu reden versuchen, und wenn solche Zustände weiter herrschen, dann darf er nicht mehr mit unserer Hilfe rechnen. Auch ein Hund, selbstredend an der Kette, lebt in unvorstellbarer Agonie. Sein Häuschen bis ins Unkenntliche verschmutzt, der Arme voller Matsch, die Kette viel zu kurz. Er hebt nicht einmal den Kopf als wir nähertreten, erst als er das Öffnen des Futtersackes hört, erwachen seine erloschenen Lebensgeister. Gierig schlingt er die Brocken in sich, ausgehungert, nimmt sich kaum Zeit zum Schlucken.

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Es ist wirklich so unglaublich, dass all diese Dinge mit solcher Selbstverständlichkeit passieren, keinen Anstoß erregen. Was sollen wir tun, den Hund wegnehmen wird nichts bringen, denn dann hängt eine Stunde später ein anderer in selber Lage – sowie all die anderen ringsum. Es wird eine Lösung geben, so viel steht fest, aber die verraten wir an dieser Stelle nicht.

Jetzt gilt es Abschied nehmen – die Zeit bereits weit fortgeschritten, müssen wir uns auf den Heimweg machen! Wieder vergießt der so wunderbare Rudi bittere Tränen, er, der so vieles geschafft hat, wie zur Strafe mit so viel Mitfühlend und Sensibilität ausgestattet. Aber wir werden wiederkommen, so wie wir es immer getan haben, bestimmt schon bald!

Kurz nach Lugoj steht noch ein Programmpunkt an – bei der letzten Reise haben wir dort neben der Straße ein Asyl entdeckt, welches unsere Aufmerksamkeit erregt hatte; warum? weil es einen wirklich sauberen und fortschrittlichen Eindruck in uns hinterließ und somit Neugierde erweckte!

Wir hatten damals eine Visitenkarte im Briefkasten gelassen, und tatsächlich meldete sich der Besitzer kurze Zeit später. Daniel, so heißt der Gute, ein junger Mann, der zusammen mit seiner Mama und unter kräftiger Mithilfe des Vaters im Jahre 2007 den Verein ‚Free Amely‘ (www.freeamely.ro) gegründet hatte! Mithilfe von vielen SpenderInnen vor allem aus Deutschland und der Schweiz ist es gelungen, eine mehr als herzeigbare Herberge aus dem Boden zu stampfen. Rund 100 Hunde bevölkern das Heim, viele davon mehr oder weniger freilebend im großzügig umzäunten 3500 qm-Gelände, andere in Boxen, wo es Freilaufzonen und mit Stroh ausgelegte Innenbereiche gibt. Welch wunderschöne Tiere, und allesamt (bis auf 2 Ausnahmen) sind sie unglaublich liebevoll und gutmütig. Die beiden anderen werden ganz gewiss gute Gründe für deren aggressives Verhalten den Menschen gegenüber haben…

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Die Familie schafft all die Arbeit mit Müh und Not, irgendwie, unter großem immerwährenden Aufwand. Stellen Sie sich vor, eine Herberge mit über 100 Seelen sauber zu halten, für ständig frische Strohunterlagen zu sorgen, alle Mägen satt zu bekommen, und dann noch ausgiebige Streicheleinheiten zu geben!

Im Gebäude gibt es sogar einen OP-Saal – Free Amely hat schon einige Kastrationsprojekte gestartet – ein kleines Büro, einen Essraum, einen Raum für Katzen; Strom ist ebenfalls vor Ort, nur – Sie werden es erahnen – an Geld fehlt es halt immer. Über eineinhalb Stunden lauschen wir den Sorgen und Nöten der Lieben, und als wir dann wieder nach einer herzlichen Verabschiedung im Wagen sitzen, überlegen wir, ob und wie man helfen könnte. In erster Linie fehlt es neben dem finanziellen Aspekt aber an HelferInnen, und diese Problematik kann nur vor Ort eine Klärung erfahren. Es gäbe kaum noch junge Leute, welche eine solch aufopfernde ehrenamtliche Tätigkeit auf sich nehmen würden – eine zunehmende Tragik, welches wir von überallher kennen. Nur, die ‚Alten‘, sie werden langsam wirklich alt, und sie sind zunehmend müde und ausgelaugt, psychisch wie physisch. Gelangt deshalb der gesamte Tierschutz langsam aber sicher an seine Grenzen? Oder täuschen wir uns an der nächsten Generation, so wie sich, hoffentlich zumindest, die vorangegangene an uns getäuscht hat?

Kurzum, heute ist nicht der Tag der Entscheidungen, auch hier werden wir ein paar Tage überdenken wie wir weiterhin verfahren!

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Endlich kommt nun nach langen Tagen des Sehnens die Sonne heraus; mit ihr steigen die Temperaturen schnell in den Plus-Bereich, die Fahrt nach der herzlichsten Verabschiedung vom familiären Free-Amely-Team gestaltet sich dementsprechend angenehm (wenn, ja wenn nur nicht diese schrecklichen Kreuz- und Rippenschmerzen – besonders wohltuend auf den üblichen Schlaglochpisten Rumäniens – wären).

Es ist wirklich erstaunlich, wie konzentriert man auf solchen Reisen im Land sein muss; da stehen zum Beispiel unmittelbar nach einer Kurve plötzlich mehrere Schafe auf der Straße, der verärgerte Hirte eilt im schnellen Schritt ebenfalls mitten auf der Fahrbahn herbei; dann sonnt sich ein Hund, direkt am Mittelstreifen, ein weiterer, schwarzer, liegt so knapp am Rand des engen Fahrwegs, dass seine Pfoten auf dem Asphalt ragen, die dort wie getarnt sooo leicht übersehbar werden; dann diese unfassbaren Überholmanöver, für welche rumänische AutofahrerInnen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind – egal, ob vor dem vorausfahrendem Fahrzeug sich eine Kolonne entlangschlängelt oder nicht, egal ob eine Kurve die Sicht auf den Gegenverkehr völlig verstellt…
Auch dem Van setzen die Gegebenheiten zu; es gibt ein Problem mit dem ÖL, die Anzeige zeigt eine Hitzeentwicklung, und in einer Kurve kommt uns plötzlich ein PKW mit hoher Geschwindigkeit entgegen, schleudert dabei einen kleinen Stein auf die Windschutzscheibe des Sprinters – ein Riss bleibt zurück. So etwas ist natürlich sehr bitter, weil es dann auch die Finanzierung einer derartigen Hilfsfahrt ins Wanken bringt…

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Die rumänische Grenze passieren wir dieses Mal schnell und problemlos; schon glauben wir den Tag als Glücksfall, als plötzlich mehrere Polizeistreifen die Autobahn im Magyarenland abriegeln; wir werden umgeleitet, allerdings gibt es keine Umfahrungsschilder oder dergleichen. So irren wir eine Zeitlang durch ungarisches Hinterland, bis wir erneut eine Auffahrt finden – und wohl eine gute Stunde an Zeit verloren haben…

Über hunderte Kilometer, wie in Rumänien auch, sind die Felder neben dem Highway überschwemmt, eine Konstellation, welche aufgrund der tiefen Temperaturen der letzten Tage sicher Probleme für die nächste Ernte ergeben wird!

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Immer mehr Windräder am Horizont verraten schließlich das Näherkommen der Grenze Österreichs. Spät in der Nacht dann erreichen wir das zu Hause, auf Grund der komprimierten Ereignisse etwas geschlauchter als sonst. Traurige Gedanken lassen uns nicht los, die Begebenheiten beginnen erst jetzt ein Kopfkino in Gang zu setzen, welches erholsamen und dringend benötigten Schlaf trotz der Übermüdung für die nächsten Stunden unmöglich machen wird.

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Ja, unsere Arbeit in Rumänien ist eine enorm wichtige, eine elementare. Wir dürfen nicht lockerlassen, keinen Deut, dafür sind unsere Aufgaben einfach viel zu wichtig! Die Zukunft, sie wird eine Herausforderung, das steht fest – doch Herausforderungen, sie waren immer unsere Triebfeder, und sie werden es auch weiterhin sein!

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Wir hoffen so sehr, wir konnten Ihnen vermitteln, wie sehr uns die Hunde der Frau Oprea brauchen, wie unfassbar wichtig solche Hilfsfahrten sind! Anhand des Beschriebenen sehen Sie bestimmt auch, mit welch großem finanziellen Aufwand derartige Einsätze verbunden sind; wenn dann noch unvorhergesehene Dinge wie die angeschlagene Scheibe passieren, dann wird die Finanzierung der Hilfsfahrten ganz eng.
Deshalb bitten wir Sie einmal mehr, von ganzem Herzen: bitte helfen Sie uns helfen! Die Tiere brauchen uns – und wir brauchen Sie!

 

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