On the road again – und wieder mitten hinein ins Krisengebiet!

Sie wissen es, als eine der ganz wenigen Tierschutzorganisationen haben wir uns selbst zu den Hochzeiten der Pandemie nie unterkriegen lassen, keinen Deut zurückgezogen – ganz im Gegenteil, wir sind auch weder auf die virtuelle Welt der Homeoffice-Aktionen noch auf Durchhalteparolen ausgewichen, sondern waren stets dort anzutreffen, wo RespekTiere hingehört – direkt bei den Tieren!
Ob in Österreich, wo wir gerade in den schweren Zeiten umso mehr Hinweise von schlechter Tierhaltung erhielten und den allermeisten davon auch nachgehen konnten – in Folge dutzende Anzeigen verfassen mussten – oder auch bei unseren Projekten im Ausland; ob in der Slowakei, in Ungarn oder in Rumänien, selbst in Kroatien konnten wir unter besonders erschwerten Umständen dennoch die gerade jetzt heiß herbeigesehnte Hilfe bringen.
Fotos: derart vollbeladen waren wir wieder unterwegs!
Nun folgten wir den Ruf zum Katzenprojekt bei Frau Havranovra’s Asyl an den Rändern der slowakischen Metropole. Wenn Unterstützung so dringend gebraucht wird, ist es uns dann auch völlig nebensächlich, dass gerade im Augenblick sämtliche Corona-bedingten Maßnahmen in der Slowakei verschärft, in Fakt, dort sogar der Notstand ausgerufen wurde. Ist der Van erst voll beladen, gibt es sowieso kein Zurück mehr – Augen zu und durch, lautet die Devise, und mit der sind wir im wahrsten Sinne des Wortes immer ‚gut gefahren‘!
Am Weg in den Osten ist längst traditionell auch ein Zwischenstopp im Burgenland eingeplant; dort gibt es nämlich unfassbar herzensgute TierschützerInnen, welche schon seit vielen Jahren Doris, Moni, Anna, Birgit, Ricky und ihr Mann, Jutta und Isabel empfingen uns, füllten den Van tatsächlich bis unters Dach mit so wichtigen Sachspenden – und brachten sogar noch zu Essen: die von der veganen Köchin Birgit gezauberten köstlichen Kuchen und Blätterteig-Taschen versüßten uns den Einsatz in bezaubernder Art und Weise. Was bleibt, ist ein riesen ‚Dankeschön‘ – Ihr seid einfach die Besten!!!
Fotos: Zwischenstopp im Burgenland – soooo viele helfenden Hände!!!
Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit kletterten die Temperaturen bald in geradezu unnatürlicher Weise die Skala des Thermometers hinauf; und unter den gegebenen Voraussetzungen passierten wir die von Monster-Windrädern gezeichnete Landschaft Pannoniens im Eiltempo. Entgegen der eigentlichen Vermutung sollte auch die Grenze kein Problem darstellen; nur ein Bus mit Bundesheer-Soldaten wartete am Straßenrand, auf slowakischer Seite glänzte die Exekutive überhaupt gleich durch völlige Abwesenheit.
Das erste Ziel sollte einmal mehr das an seiner Wichtigkeit nicht zu überschätzende Obdachlosenhaus des Vincent DePaul-Ordens am Stadtrand von Bratislava sein; dort, wir können es nicht oft genug betonen, werden jeden Tag rund 200 Menschen mit Nahrung und einem Bett zum Schlafen versorgt, im Winter gerne auch mal die doppelte Anzahl! Nicht nur Essen und Wärme versprechen die Räumlichkeiten, auch soziale Aspekte werden auf schönste Art und Weise bedient. Zudem, eine Kleiderkammer steht für die armen Menschen bereit, und nach einer heißen Dusche können wohl nur jene Menschen, die je in einer solch schlimmen Situation waren, nachvollziehen, wie wunderbar es ist, wenn frisches Gewand wartet… und so haben wir dutzende Säcke voller Jacken, Hosen, Pullis, T-Shirts, Unterwäsche und Socken geladen, auch auf Bettwäsche und Decken vergessen wir nie! Selbst Rucksäcke und Koffer dürfen nicht fehlen, und besonders beliebt sind selbstredend Schlafsäcke, Handtücher und Hygieneartikel aller Art.
Foto oben: eine Folge des Klimawandels? Auf jeden Fall sieht man solche fliegenden ‚Geisterbüsche‘, Tumbleweed, im normalen nur im Südwesten der USA auf den Straßen!
Fotos oben und unten: wieder einmal hatten wir wirklich unfassbar viel für das Obdachlosenhaus geladen… doch die Hilfe ist dort eine derart direkte, dass es eine wahre Freude ist…
das Gebäude selbst erfüllt seinen Zweck bravourös; dennoch würde es langsam eine Renovierung benötigen…
Und wie immer, sofort stehen einige Leute bereit, um uns beim Entladen zu helfen; kurzum: an diesem Platz des Ordens Vincent DePaul wird BesucherIn schnell bewusst, was echte Menschlichkeit bedeutet: nebenbei kann man sich mit eigenen Augen überzeugen, all die gebrachten Sachen sind hoch willkommen und werden hier wie kaum anderswo ihren Zweck erfüllen!
Am sich verdüsternden Himmel ziehen nun bereits erste Regenwolken auf; noch hält sie der Föhnwind auf Abstand, noch bestimmt dieser die unnatürlich warme Witterung. Doch das sich mehr und mehr bemerkbar machende Kopfweh verrät bereits den nahenden Umschwung…
Gleich nebenan der Bastion der Menschlichkeit gibt es diesen riesigen, bereits von den Elementen zerfressenen Gebäudekomplex; es dürfte sich dabei vor gar nicht allzu langer Zeit wohl um so etwas wie eine Kolchose, also eine wirtschaftliche Produktionsgemeinschaft, gehandelt haben, welche, wenn dem so ist, einst vielleicht sogar der Stolz der Region gewesen ist. Nun aber sind es längst Rost und Zerfall, welche die Umgebung beherrschen. Was dann auch nicht so schrecklich ist, den der Lauf der Dinge ist ein nicht aufzuhaltender; ja, die Welt besteht nun mal – auch wenn wir das nicht immer gerne hören – aus fortschreitendem Niedergang, welcher andererseits dann erst die Grundlage für neuen Aufschwung bedeutet. Allerdings ist es mit jenem Ort nicht ganz so einfach zusammenzufassen; denn wären es nur Metalle und Mauerwerk, welches ein wütender Gott mit eiserner Faust langsam in sich zerbröselt, dann würde man das Verwelken als ein gegebenes hinnehmen können. Jedoch, aus welchem Grunde auch immer – und der der Bewachung des Geländes wird es wohl nicht sein, denn was gäbe es hier noch zu entwenden – leben auch einige der riesigen Ost-Hütehunde in erbärmlichen Zwingern, rund um die Anlage verstreut. Wir bringen diesen jedes Mal auf ein Neues extra hierfür bereitgestellte Leckereien mit, was dem Tierhalter aber, der wohl irgendwo in der Umgebung wohnt, so ganz und gar nicht passt. Seine Hunde, mit kopierten Ohren und Schwänzen, müssen angsteinflößend bleiben, dürfen von nichts und niemanden verwöhnt werden, so sind wir längst aufgeklärt. Was uns jedoch dann nicht davon abhält, beim nächsten Mal wieder für wenigstens einige schöne Momente bei den Riesen zu sorgen…
So auch heute; unfassbar, wir waren vor einigen Monaten das letzte Mal hier, und dann nur solange, bis eben der Tierhalter aufgetaucht war, aber die Großen erkennen uns sofort wieder. Im selben Augenblick nämlich stoppt das ehrfurchtsgebietende Knurren aus tiefster Seele, wird getauscht mit heftigem Schwanzwendeln und vielmehr freudigen Lauten – ein Langzeitgedächtnis, welches mich persönlich vor Neid erblassen lässt…
Mindestens sechs der Hunde gibt es; und wir schaffen auch an diesem Tag tatsächlich, sie alle zu versorgen. Niemand sieht uns, niemand hört uns; und so verlassen wir nach ausgiebigen Streicheleinheiten für Magen und Seele genauso leise wie wir gekommen waren wieder deren Alcatraz.
Kurz darauf erfolgt der erste Protest: Gevatter Tod kann da gesehen werden, wie er am Straßenrand steht und seine Botschaft verbreitet: ‚Eating Meat Kills‘…
Kurz darauf; welche Wiedersehensfreude bei Frau Havranovra und ihrem Helfer Karlo! Die Guten können es gar nicht wirklich glauben, dass wir tatsächlich zu diesem Zeitpunkt wiedergekommen sind – nun, im Angesicht der ausufernden Krise und der Dauerberieslung eines Katastrophen-Szenariums durch Presse und Fernsehen! Schnell entladen wir zusammen den Van, wo wir vom Katzenfutter bis hin zum riesigen Katzenkratzbaum einfach alles für die Stubentiger geladen haben, und dann gönnen wir uns noch eine gemeinsame Tasse duftenden Kaffee. Ja, Ende November, so es Corona zulässt, ist die nächste Gerichtsverhandlung angesetzt – Sie kennen die Geschichte zur Genüge – welche über die Zukunft des kleinen Asyls entscheiden soll; ob der Prozess dann aber auch tatsächlich stattfindet, steht selbstredend in den Sternen. Denn wenn sich die Zahl der Infizierten weiterhin derart steigert, dann ist es wohl nur mehr eine Frage der Zeit, bis erneut sämtliche Aktivitäten im Land abgestellt werden. Das komplette ‚Zusperren‘ des Staates scheint unmittelbar bevorzustehen. Wir können es daher nicht oft genug wiederholen: doppelt und dreifach gut also, dass wir jetzt hier sind, mit unfassbar viel Katzennahrung im Gepäck!
Fakt ist, seit Karlo im kleinen Heim wohnt, ist die Situation des Asyls eine denkbar bessere. Der ehemalig Obdachlose setzt auf absolute Sauberkeit, die Räumlichkeiten, trotz des allgegenwärtigen Mangels an Optionen, haben jegliche Triste längst verloren. Mit ihm ist die Hoffnung zurückgekehrt, und die Hoffnung zeigt sich jetzt in bunten Farben! 🙂
Leider aber gibt es neben der über dem Asyl schwebenden, inzwischen längst zur Normalität gewordenen, generellen Existenzangst auch ein akutes Problem, nun in der Person des wunderschönen Katers Ritschko – der leidet nämlich unter einer schrecklichen Augenerkrankung, schon beim letzten Besuch sprachen wir darüber. Ritschko ist seither in Behandlung, aber die Symptome haben sich kaum verbessert. Das Auge steht weit hervor, muss dem armen Kater einfach heftige Schmerzen bereiten. Als letzte Option sieht der Tierarzt nun die OP in einer Spezialklinik, welche Ritschko zwar das Auge, aber andererseits auch den Schmerz nehmen wird. Allerdings, die Behandlung kostet viel Geld – deshalb würden wir an dieser Stelle gerne einen Aufruf starten:
Achtung, Achtung! Bitte hilf uns dabei, Ritschko diesen Eingriff zu ermöglichen! Hierfür müssen natürlich noch genau Untersuchungen gemacht werden, aber die Amputation wird unvermeidbar sein. Rund 500 Euro sind für die Operation veranschlagt, wir sind für jeden Cent an Unterstützung dafür zutiefst dankbar! Wer spenden möchte, bitte verwendet das Kennwort: Rischko!
Langsam müssen wir uns nun von Frau Havranovra und ihrem Helfer verabschieden; die inzwischen auch schon 18 Jahre (!!!) alte Bona bekommt noch eine Extra-Belohnung, feste Umarmungen folgen, dann hat uns der Highway auch schon wieder!
Getreu unserem Mott ‚bei möglichst jeder Ost-Fahrt zumindest ein Protest‘ sehen die erstaunten PassantInnen dann auch schon Gevater Tod und eine Aktivistin im Hundekostüm inmitten des Abend-Verkehrs stehen; ein Transparent weht im Wind, es enthüllt: Stop Killing Stray Dogs!!!
Die Finsternis hat das Land längst fest im Griff, als wir die Grenze zu Österreich rück-überqueren. Müde sind die alten Knochen, etwas deprimiert der Geist; so viele Probleme, die es zu lösen gibt, nicht nur für uns, vielmehr für die Menschheit allgemein. Oder ist es nicht eine einzige Schmach, dass wir Obdachlosenverpflegungs- und –schlafstellen überhaupt nur benötigen, genau wie Tier-Asyle?
Jedenfalls, ein bisschen Freude kommt dann doch zurück, mit der Gewissheit, dass wir nicht zuletzt auch diese Fahrt inmitten einer unberechenbaren Situation erfolgreich durchgeführt haben; selbst die Ausrufung des ‚Notstandes‘ konnte nicht verhindern, dass wir die so dringend benötigte Hilfe rechtzeitig ‚abliefern‘ durften!
Ein herzlichstes ‚Dankeschön‘ geht an dieser Stelle wieder einmal an Sie alle, die wie immer so großartig mit Ihrer Unterstützung dazu beitragen, dass Tiere satt werden und Menschen mit einem Lächeln im Gesicht zurückbleiben.


Und vergessen Sie bitte nicht: jedes Ende eines respekTIERE IN NOT-Einsatzes ist auch schon wieder der Beginn des nächsten! Bitte helfen sie uns helfen, denn ohne Ihre Unterstützung sind wir hilflos.
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