respekTIERE IN NOT in Dubnica!

Der Morgen beginnt wolkenverhangen, trüb; Nebelfelder hüllen das Land in eine sanfte Decke aus bauschigem Nichts, verstecken die Wunden entlang des Weges an Mutter Natur. Wie festgeklebt harren sie aber auch auf der Autobahn, geben dem Unterfangen einen bleiernen Nachgeschmack indem sie die Sicht immer wieder auf nur wenige Meter beschränken. Einzelne Regentropfen tun ihr Übriges, um den kommenden Stunden mit gewisser Skepsis entgegenzublicken; auf jeden Fall lässt die Dämmerung einen kühlen und nassen Tag erwarten.

Schnell und unvermutet jedoch durchbrechen dann Sonnenstrahlen, zuerst noch zögerlich, später mit gewisser Bestimmtheit, das düstere Firmament und zerstören im Nu die ob der Triste aufkommende Niedergeschlagenheit, geben nun gar ein Versprechen für frühsommerliche Temperaturen ab.

Wir, begleitet wie so oft vom großartigen Sternenhof (www.sternenhof.eu) sind einmal mehr unterwegs in Richtung Osten, der VW-Bus gräbt sich mit behänder Leichtigkeit in den Asphalt, mit fast bestechender Ruhe besiegt er Kilometer für Kilometer. Ziel der Fahrt ist dieses Mal die Arbeiterstadt Dubnica, tief im Herzen der Slowakei, jener Ort, wo Viliam Jaros seit Gedenken die Fahnen der Menschlichkeit hochhält, sein Asyl eine ziemlich einsame Festung des Tierschutzes in einer ansonsten eher tierfeindlichen Umgebung verkörpert. Nun schon seit vielen Jahren besuchen wir seine zur Gestalt gewordenen Ideale – ein kleines Tierheim am Rande der explodierenden Ansiedlung, wo Viliam irgendwie allen mannigfaltigen Tücken des Alltages trotzt, egal ob den Ärger mit den oft des Hundegebells müden Nachbarn oder den immer präsenten Auswirkungen der Wirtschaftskrise.
 

Das Umfeld scheint erstarrt, hehere Gedanken von neuer Größe rosten mit den verwitterten Stahlruinen abgewrackter Fabriken um die Wette. Nichts ist mehr so wie in der Ära des Kommunismus, der dann so gesehen nicht nur Schlechtes hervorgebracht hatte; all die zuckersüßen Versprechungen einer europäischen Gemeinschaft, sie haben sich leider nur allzu oft in Rauch aufgelöst. Was sie aber geschafft haben, sie haben eine ehemalige Gemeinschaft von Gleichen empfindlich gestört. Sie haben Werte verschoben, und viel schlimmer, dabei Gier und Neid in viele Herzen gepflanzt.

Mit den Menschen hat sich auch das Land selbst verändert; entlang des Weges frisst sich ein ununterbrochenes Band endloser Aspahltschlangen mit riesenhaften Appetit durch Flur, Feld und Wald, nimmersatt, und seine Ausscheidungen sind zu Stein gewordene Ewigkeit; selbst an ihren Rändern ist das Land verflucht, wir Karzinome schießen Gebäude aus dem Boden, unwiderstehlichen Magneten gleich werden Fabrikbesitzer und Geschäftemacher gleichermaßen angezogen. Ob sie bleiben oder weiterziehen und Ruinen hinter sich lassen, es scheint egal – das Land zerbricht, wo einst stolze Wälder und saftige Wiesen lockten bleibt nichts als Öde und Einsamkeit.

Opfer dieser dramatischen Entwicklung ist natürlich die Natur; wie ein sterbender Riese liegt sie zu nieder, scheint den Kampf längst aufgegeben. Vom übermächtigen Gegner, einst Fleisch von ihrem Fleisch, in die Knie gezwungen, ein Gegner, der noch immer nicht zu begreifen scheint, dass er letztendlich selbst der Verlierer ist, im gleichen Masse wie die Natur, den egal wie eindeutig er auch vermeintlich zu  gewinnen vermag, jeder Sieg wird, muss, sich immer nur gegen ihn selbst richten. Er, ‚Mensch’, hat das Band durchtrennt, seine Nabelschnur zur Urmutter durchschnitten. Er schreitet nun als Fremder über die Erde die ihn geboren, ist sich selbst zum härtesten Feind geworden.

Ein Industriepark breitet sich vor uns aus, eingezäunte Wildheit, selbst der Wind ein Gefangener; gigantische Windräder greifen in den Himmel, eine Armee dreiblättriger Riesen, welche ihn, der einst frei durch das Land tobte, zum ständigen Arbeiten zwingt, ohne Unterlass. Ja, und auch die Flüsse, Lebensadern, wirken wie tote Materie, eingezwängt in künstliche Ufer; begradigt; ohne Luft zum Atmen – im starren Korsett, lebensfeindlich.

Viliam (im Bild unten rechts, mit seiner charmanten Übersetzerin) wartet bereits auf das Eintreffen; voller Freude umarmen uns  von der vielen Arbeit gezeichnete Hände, zutiefst glücklich über den Besuch. Ja, wir haben auch Vieles mitgebracht, eine Busladung voll von hunderten Kilos Tiernahrung – herzlichsten Dank dafür unter anderem Fressnapf Österreich, der Protected, Tierhoffnung International und besonders natürlich Ihnen, die uns nie im Stich lassen –  aber auch auf Kleidung für die Menschen haben wir nicht vergessen, auf Kinderspielzeug und allerlei Dingen des täglichen Bedarfs. Sie könne sich die Freude vorstellen, beherbergt Viliam doch auf dem Gelände ein halbes Dutzend ehemals Obdachloser! Ja, der Kreis schließt sich, Tierschutz ist im Idealfall immer auch Menschenhilfe – ganz so, wie wir es lieben, eine Substantialität der Ideale von respekTIERE IN NOT!
 

 
 

 

Rund 30 Hunde leben zur Zeit im Heim, dann auch noch einige Katzen; von den einstigen vielen Pferden sind nur mehr zwei geblieben, ein 20-jähriger Hengst und ein fünfjähriger Teenager grasen gemütlich in der Talsenke zu Füssen des Asyls. Alle anderen musste Viliam abgeben, teils der Behörde wegen, teils aus wirtschaftlichen Gründen; er verschenkte sie an besser Begüterte, die europaweite Depression hat auch im Tierschutz nicht Halt gemacht, ganz im Gegenteil: in Zeiten wo ‚Mensch’ vermehrt spart, passiert dies zumeist und zuallererst für sozialen Anliegen. Sei es wie es sei, die Hunde begrüßen uns trotz der trüben Aussichten mindestens genau so herzlich wie zuvor Viliam, ihre Streicheleinheiten sind Balsam für unsere geplagten Seelen.

Die Sonne hatte uns dann doch noch den ganzen Tag über begleitet; langsam nun wird sie doch müde, zieht sich in die Geborgenheit westlicher Gefilde zurück. Wir verabschieden uns nun von Viliam und seinem Team, im Versprechen bald wieder zu kommen – vielleicht findet sich bis dahin das eine oder andere wundervolle neue zu Hause für den einen oder anderen seiner wundervollen Schützlinge? Bitte betrachten Sie die Bilder…

 

Doch immer noch nicht ist unsere Mission für heute beendet; auf dem nach Hause-Weg liegt Nitra nicht weit abseits, nur 40 Kilometer von der Autobahn entfernt. So beschließen wir auch dort wieder einmal vorbeizuschauen, besorgen noch weitere Hilfsgüter.

Georgia, eine Lehrerin, betreut das bekannte Asyl seit mehr als 15 Jahren, und sie ist dabei längst zur Ikone geworden – eine Frau, welche wie selbstverständlich ihr gesamtes Dasein dem einen Zwecke unterordnet: nämlich jenem, Tiere zu retten! 200 Hunde und mehr versorgt sie stets, dann noch ein paar Dutzend Katzen, 50, 60, 70, so genau weiß das niemand; Vögel, angefangen von der Amsel bis zum Zeisig, darunter bunte Papageien, Reptilien – kurzum alle Geschöpfe, welche verstoßen, abgegeben, verlassen worden sind. Ihres ist ein Ort des Friedens, der Ruhe, diesem Eindruck kann selbst das Gebelle aus hunderten Kehlen nicht wirklich stören. Georgia ist eine jener Frauen, eine jener so wenigen ErdenbewohnerInnen, deren Bekanntschaft das eigene Ich erhellt, den eigenen Horizont erweitert, deren Berührungen die Kraft in sich tragen, die Wunden an eigener Seele zu heilen – was wäre diese Welt ohne Menschen wie sie???!!!
 

Die Nacht hat den Tag längst besiegt als wir die Grenze nach Österreich wieder überschreiten. Rund 1100 Kilometer werden wir heute zurück gelegt haben, wenn wir schließlich in unsere Betten fallen. 1100 Kilometer, welche für die von uns Besuchten hoffentlich eine große Erleichterung brachten; für tierliche und menschliche FreundInnen – denn sie wissen nun einmal mehr, dass sie ihren Kampf nicht alleine fechten, dass da draußen tatsächlich jemand ist, der Notiz davon nimmt was sie tun; und dieses Wissen, das ist oft vielmehr wert als Sie nun vielleicht vermuten. Es ist zur Materie gewordener Reichtum, universelle Labung der Seele, nicht aufzuwiegen mit allen Schätzen der Welt….

respekTIERE IN NOT bringt auf diesem Wege direkte Hilfe, aber auch Hoffnung, vermittelt ein Gefühl der Gemeinschaftlichkeit. Werte, welche in einer sich stetig veränderten Welt nahezu unbezahlbare Wichtigkeit besitzen…

Achtung: der nächste Einsatz von respekTIERE IN NOT ist bereits geplant – wir werden Mitte Juni in Serbien sein, dort die so unglaubliche Frau Brukner mit ihren hunderten Hunden besuchen! Wir bitten Sie vom Herzen um Ihre Unterstützung!

Scroll to Top