wir sind zurück aus Mauretanien!

Es gibt so viel Neues vom Projekt, ein ausführlicher Report über die Geschehnisse, über die Fortschritte, aber auch die anstehenden Probleme wird in Kürze folgen! Wir können aber schon an dieser Stelle vorweg nehmen: unser Team vor Ort leistet wirklich sensationelle Arbeit und mit großer Begeisterung darf behauptet werden: die mobile Klinik hat unsere hochgesteckten Ziele bisher nicht nur erreicht, ihr Einsatz hat all unsere Erwartungen sogar bei Weitem übertroffen. Wer hätte vor 7 Jahren, als wir erstmals im Dezember 2005 mauretanischen Boden betraten, gedacht, dass wir einst über 1 000 Esel im Monat medizinisch betreuen können? Dass wir vollwertige Hufschmiedearbeiten anbieten können, welche unendliches Leid im schlechtesten Falle zumindest mindern, im besten Falle präventiv verhindern können? Dass wir landesweit ausgestrahlte Radiospots on-air bringen können, die allerersten Tierrechtsspot Mauretaniens, vielleicht sogar ganz Afrikas? Dass wir ein Projekt schaffen können, welches in aller Munde ist, von den Eselhaltern bis hin zu den Botschaftern diskutiert? Dass wir es tatsächlich bewerkstelligen auf unendlich sanften Wegen mithilfe von so prekären religiösen Thematiken einen Weg zu finden den Tieren des Landes zu helfen, indem wir Aussagen des Korans bemühen und so ein verändertes  Bewusstsein bilden? Dass wir eine höchst freundschaftliche Zusammenarbeit, getragen von gegenseitigem Respekt und dem Willen, hier Entscheidendes zu bewältigen, zwischen lokalen Tierärzten sowie Arzthelfern und europäischen Veterinären wie den so wunderbaren Dr. Matthias Facharani aus Bayerisch Gmain (www.tierarzt-facharani.de) einfädeln können, eine Kooperation, die beiden Seiten höchst angenehme neue Erkenntnisse bringt? Dass sogar das so angesehene deutsche Magazin ‚Stern‘ unsere Arbeit erwähnt?

Wir könnten diese Liste noch lange fortsetzen, aber Sie wissen ja ohnehin über all unsere Schritte in Mauretanien’s Hauptstadt Nouakchott Bescheid!

Heute möchten wir Ihnen einige Impressionen des vergangenen Einsatzes nahelegen, welche hoffentlich die Begeisterung mit welcher das RespekTiere-Team zugange ist, vergegenwärtigen können.

 

 

10 herzzerreißende, deprimierende, erschütternde, aber im selben Atemzuge auch unfassbar bewegende, wärmende, umarmende Tage liegen hinter uns, welche uns einmal mehr an die Grenzen des Erträglichen – körperlich sowie geistig – geführt haben, in einer so oft von Leid und Gewalt gegen jegliches Geschöpf geprägten Welt; nichtsdestotrotz sollten die Ereignisse unseren Horizont einmal mehr auf sagenhafte Art und Weise erweitern. Die allermeisten BewohnerInnen Mauretaniens nämlich, gefangen in einem tagtäglichen Überlebenskampf, in einer Umgebung wo die Tränen auf dem Weg über sonnenverbrannte Wangen bereits im Augenwinkel wieder verdampfen, ohne jede Chance, die Haut auch nur zu benetzen, sie sind herzensgute Menschen. Sie sind geprägt von in unseren Breiten nicht gekannter, ja viel zu oft unfassbarer Armut, ein Fakt von derart erschütternder Schwere, der uns dann auch kaum ein Urteil über so manche Verhaltensweisen erlaubt. Hier gibt es kein Zukunftsdenken, ja selbst nur der Zukunftsglaube ist ein Luxus, welcher den Allermeisten verschlossen bleibt. Vielmehr konzentriert sich der Lebensablauf auf das Ist und Jetzt, eine Tatsache, welche vielleicht auf den ersten Blick noch gar nicht ganz so enorme Auswirkungen vermuten lässt, sich jedoch zum Beispiel auf die Esel – DAS Arbeitstier der arabisch-afrikanischen Welt schlechthin – mit jeder Beschreibung spottender Heftigkeit niederschlägt. Denn je mehr sich auf den buchstäblichen Rücken der Tiere befördern lässt, je öfters der Weg zwischen Handel und Kundschaft vollzogen werden kann, desto mehr wird dem Eselhalter letztendlich am Abend an Bargeld zur Verfügung stehen. Und selbst wenn diese Summen dann in jedem Falle zumindest in unseren Augen fast lächerlich niedrig erscheinen, jeder einzelne Ouguiya bedeutet am Ende des Tages vielleicht den Unterschied zwischen Leben und Tod, bedeutet Überleben für die Familie. Was morgen ist, darüber nachzudenken bleibt keine Zeit. Heute nicht, morgen nicht, und übermorgen wohl erst recht nicht. Ein Kreislauf, so niederschmetternd wie er nur sein kann.

   
   
   

Esel in Mauretanien – die Leiden sind unfassbar vielfältig; Bild Reihe zwei, links: völlig deformierte Hufe – waren Hufschmiedarbeiten vor unserem Einsatz in Nouakchott nahezu unbekannt, machen sie heute einen enorm wichtigen Teil unserer Arbeit vor Ort aus!

Dennoch, und Sie werden uns in diesem Punkte wohl recht geben, Armut, und sei sie auch noch so furchtbar, kann und darf niemals als Rechtfertigung für Tierquälerei dienen. Deshalb ist es unsere wohl bedeutenste Aufgabe, eine jener, welche in ihrer Wichtigkeit allem anderen übergeordnet ist, die Einstellung der Menschen selbst zu ändern, die Gewaltspirale zu durchbrechen. Sie an ihre wunderbare Religiosität zu erinnern, wo ihnen der höchste der Propheten, Mohammed, wieder und wieder vorlebte gut zu den Tieren zu sein, wo sich dessen Worte aber viel zu oft verirren in einem Labyrinth des Analphabetismus; denn nur jene/r kann Bescheid wissen, der/die Mohammeds Lehren entweder selbst lesen oder aber durch andere gelehrt bekommen kann, was wiederum den Aufenthalt in einer Schule erfordert – ein so selbstverständlich anmutendes Gut, für welches in einem der ärmsten Ländern dieses Planeten aber  für die –  noch dazu – allerärmste Bevölkerungsschicht, aus der sich die Eselhalter als Nachfahren ehemaliger Sklaven nun mal zusammensetzen, kaum Möglichkeiten zum Besuch deren bieten.

   
   
   

Bildserie: erste Reihe – das Team begutachtet völlig deformierte Hufe; Bild rechts – Zusammenarbeit ist gefragt; Reihe Mitte: am Fischmarkt; hier sind nicht Wunden das Hauptproblem, sondern – wegen des zu geringen Abriebes im Sand – die Hufe der Tiere; Reihe drei: Dr. Matthias Facharani im Fachgespräch mit Dr. Dieng (links) und mit Moussa und Mohammed (rechts)!

Der Koran, wie die allermeisten heiligen Bücher der verschiedensten Weltreligionen, ist eine gar wunderbare Aneinanderreihung von Worten, welche – würde man nach diesen leben – die Kraft hätten unser gesamtes Dasein zu verändern; selbstredend ist gleiches natürlich auch von der Bibel zu behaupten. Es wäre viel zu einfach fremde Bekenntnisse zu verdammen, nur weil ‚Mensch‘ diese verändert, ihre ursprünglichen Aussagen aus persönlichen oder politischen Überlegungen zurechtschneidet. Koran und Bibel gleichermaßen sind in ursprünglicher Form ohne jede Frage Lebenshelfer zu einem harmonischen Dasein, eine Quelle unendlicher Freuden, Wegweiser für ein perfektes Nebeneinander aller BewohnerInnen dieses Planeten. Was wir daraus machen, das liegt allein in unseren Händen, nicht in Gottes, Allahs, Schuldigkeit – verwässern wir das Niedergeschriebene, so könne wir uns auch nicht mehr auf des Schöpfers/der Schöpferin unendliche Güte und Schutz berufen, wir alles Handeln vom göttlichen zum bloss menschlichen…

 


Vergleicht man die Situation der Esel in Nouakchott mit jener vor Beginn der RespekTiere-Mobil-Klink, dann wird uns erst bewusst, an welchem Prozess wir hier teilhaben durften. Es erfüllt uns mit tiefem Stolz und großer Freude sagen zu können, wir haben tatsächlich verändert. Das mag im ersten Moment wenn solche Worte über unsere Zungen rollen noch nicht so spektakulär klingen, denkt man jedoch darüber nach mit welchem Ausmaß an Schrecklichkeit und mit welchen eigentlich unüberwindbaren Schwierigkeiten allein durch einen Einsatz in einer derart fremden Welt, voller klassischer Fallen welche zum Beispiel etwa Mentalitätsunterschiede oder Glaubensbekenntnisse in jeder Sekunde bereithalten, wir in unserer Arbeit konfrontiert sind, dann ist diese Einsicht fast ein Gottesgeschenk, nicht hoch genug einzuschätzen. Wir als RespekTiere-Team, TierschützerInnen, Ärzte, HelferInnen, SpenderInnen, jene, die über Mails und Briefe Aufmunterung oder Lob aussprechen und selbstverständlich auch jene, welche konstruktive Kritik üben, jene, die beratend zur Seite stehen (was in einem Land wie Mauretanien von unermesslichem Wert ist), jene, die mitfiebern und sich mitfreuen an etwaigen Erfolgen, wir können mit Gewissheit behaupten: wir haben Spuren hinterlassen!

   
   
   

Bildfolge, Reihe 1: eine Wunde wird versorgt; rechts: Dr. Dieng und Zappa mit seinen magischen Händen bei Hufarbeiten; Reihe 2: Verabreichung von Entwurmungsmitteln; eine stark entzündete Bisswunde (Foto rechts); Reihe 3: ein toter Esel am Straßenrand – nach einem Leben in unfassbarer Entbehrung ist der Tod oft eine Erlösung; rechts: Zappa bei der Arbeit

Und unsere Aufgabe ist noch lange nicht vollbracht; die Zukunft wird weisen ob wir alle Vorhaben umsetzen können, doch wenn uns auch nur ein Teil deren gelingt, dann wird ‚Esel in Mauretanien‘ auch in Zukunft eine nicht wegzudenkende Geschichte schreiben – Inschallah – so Gott will!

 

Mit herzlichster Umarmung

Ihr RespekTiere-Team

die Mannschaft vor Ort, v.l.n.r., Moussa, Dr. Facharani, Mag. Barbara Bitschnau, Dr. Dieng, Zappa, Saleck, Mohammed

   

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