Mauretanien – die Reise, Teil 2!

Liebe RespekTiere-FreundInnen! Mit viel Stolz und großer Freude möchten wir Ihnen heute die Fortsetzung des Einsatzberichtes des kürzlichen Mauretanien-Aufenthaltes präsentieren!
Beginnen mit der Erzählung möchten wir genau dort, wo der erste Teil endete:

Es gibt auch Gutes zu berichten, und der Ausdruck ‚Gut‘ allein tut der Bedeutung des Projektes ‚Esel in Mauretanien‘ für die Arbeitstiere in Nouakchott wohl bei weitem nicht genüge! 2 RespekTiere-Teams sind in der Mauretanien-Metropole unterwegs, an 7 Tagen die Woche, und unsere 4 Ärzte, Arzthelfer und Hufschmiede, behandeln dabei an diversen strategisch exakt gewählten Plätzen rund 1 000 Esel Monat für Monat; Tiere, welchen bisher nicht ein Deut an Hilfe zugestanden, welche ihrem Schicksal ohne Wenn und Aber ausgeliefert waren. Die Esel erhalten zudem erstmals regelmäßig Hufpflege, wir können es nicht oft genug wiederholen, wie wichtig dieser Aspekt ist!

 

Ein Beispiel: wir kommen zu einer Wasserstelle, Dr. Dieng und Zappa sind bereits bei der Arbeit. In einer Ecke steht ein Esel, festgebunden, auf den ersten Blick  einer unter vielen. Doch bei genauerer Betrachtung entblößt sich das ganze Unglück, entledigt sich der Teufel seiner elenden Fratze; die Hufe sind auf ein Äußerstes deformiert, alle vier, sie bereiten wohl bei jedem Schritt eine Höllenqual. Zappa hatte den Armen in aller Frühe auf dem Weg zur Arbeitsstelle am Straßenrand aufgelesen, von seinem Halter ganz offensichtlich verlassen, weil unfähig noch weitere Lasten zu schleppen. Ihn damit seinem Schicksal überlassen, buchstäblich in die Wüste geschickt. Hier kommt die fatale Einstellung so vieler Eselhalter doppelt zu tragen, ein wohl tief verwurzeltes psychologisches Problem – die allermeisten dieser Menschen gehören der ethischen Minderheit der Haratine an, ein hassania-sprachiges Volk, welches sich aus den Nachfahren ehemaliger Sklaven zusammensetzt. Vielleicht ist es genau jenes Faktum, ein in die Seele eingebranntes Vermächtnis, eine innere Wut über die eigene Vergangenheit, ein Unrecht an den Genen und wenn auch lange verjährt, welches sie die ihnen Untergebenen nun so behandeln lässt? Wie dem auch immer sei, wir dürfen hier nicht in dieselbe Falle geraten, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, wo läge dann der Unterschied? Wie und vor allem wem könnten wir helfen, wenn wir mit mahnendem Zeigefinger und kolonialübermächtiger Überlegenheitstheorie (die sich ohnehin ganz ohne Zutun selbst ihrer zum Himmel stinkenden Hirnlosigkeit überführt hat) hantieren würden? Und auch mit für Menschen, welche tagtäglich um ein Überleben kämpfen, die viel zu oft nicht wissen wie sie ihre Kinder satt kriegen sollen, zumindest im Moment unverständlichen Theorien werden sich keine Änderungen in der Mentalität herbeiführen lassen, so viel ist gewiss. Wenn man das Prinzip von Schuld und Schuldigkeit weiter verfolgen würden, wer dürfte dann wo und wem noch helfen auf diesem Planeten? Überall gibt es diese tief verwurzelten Verhältnisse, psychische Engpässe aus der Vergangenheit, gab es Schuldige und Rächer auf allen Seiten, Tyrannen und Leibeigene, Ausgebeutete und Ausbeuter, Verfolgte und Verfolger, Mörder und Gottesfürchtige, Verwerfliche und Herzensgute; will man aus der Vergangenheit nichts lernen, dann bietet die Zukunft nur einen erneuten Schauplatz für Gewalt, eine Arena beherrscht von Blut und Schrecken – die seelischen Sümpfe gilt es trockenzulegen, Vergebung und Sühne anzustreben, Umarmungen anzubieten, nur dann hat Mutter Erde eine reelle Chance, das Monster Mensch auf lange Sicht hinweg in sich zu verkraften; wahre Humanität kann erst passieren, und nur dann, wenn wir die Schatten der Nacht vertreiben und die Bestie in uns endlich besänftigen und zur Ruhe betten.

   

Doch zurück zu unserer Geschichte; entwenden kann man selbst ausgesetzte Tiere nicht, denn trotz aller Ausdehnung ist Nouakchott ein Dorf geblieben, wo jeder jeden kennt, wo nichts ungesehen bleibt, ungesühnt – und wo das Verschwinden eines Esels, und sei dieser auch noch so oft verstoßen, einen Dominoeffekt in Gang zu setzen imstande ist. Es würde nicht lange dauern, würde der Eselhalter an die Tür des ‚Diebes‘ klopfen und entweder den Esel zurückverlangen oder eine, höchst wahrscheinlich unverschämt hohe, Entschädigung einfordern. Wir hatten dies schon, damals im Falle unserer Mitstreiterin aus der US-Botschaft, Frau Michelle Donnely. Ein sterbender Esel fand Aufnahme bei ihr zu Hause, das arme Tier war im Begriff gewesen sein Leben in den schmutzigen Straßen der Stadt auzuhauchen, inmitten von Müll und Kadavern, ohne jede Chance auf Hilfe. Bestmögliche medizinische Betreuung und viel Liebe waren nötig, um ihn ins Leben zurückzuführen. Kaum genesen aber stand der vermeintliche ‚Besitzer‘ vor ihrer Tür, er würde gerne seinen Esel abholen. Man einigte sich letztlich auf eine Kompensation…
Selbige Problematik ergibt sich auch auf dem Eselmarkt; sie erinnern sich, jener Ort des ultimativen Grauens, wo die Seelen der Verstorbenen mit dem heißen Wind in ein immerwährendes Klagelied einstimmen, unfähig den Weg aus dem Irrgarten des Schreckens hinein ins Paradies zu finden; für immer gefangen in einem Platz, von Blut und Tränen getränkt, von Angst und Gewalt beherrscht. Dort, wo jene die nicht mehr können, ihr ganzer Körper, ausgezerrt, eine einzig Qual, einfach zurückgelassen werden, sterbend, leidend; und wo wir noch keine wirklich erfolgsversprechenden Wege gefunden haben einzugreifen in den verhängnisvollen Kreislauf, weil man den Dingen die folgen würden nicht mehr Herr werden wird; verübt man Gnade, tötet man die armen Tiere mittels einer dann, verzeihen Sie bitte das Paradoxem der Wortwahl, gottgütigen Todesspritze, wird sich der ehemalige Halter melden und wird Kompensation fordern – solange sein nämlich Tiere nicht tatsächlich tot war, solange bestand zumindest theoretisch die Chance auf Erholung…

Mauretanien, Land der Kontraste; links vor Protz triefendes Regierungsgebäude, rechts Kinder durchsuchen den Müll nach Verwertbarem, im Hintergrund Hütten aus Wellblech und Kartons…

Jedenfalls, Zappa nahm den Esel mit zum Behandlungsplatz; sofort setzte sich ein Junge an seine Fersen, beschimpfte ihn wüst als Dieb; Zappa blieb gelassen, meinte, der Schimpfende solle ihm folgen, er würde später das Tier auch zurück führen können.

Und so geschah es; der Junge stand noch immer an der Wasserstelle als wir unsere Arbeit begannen; alle vier Hufe mussten gemacht werden, so dringend wie es nur sein konnte. Der arme Esel wurde also in der Hitze des Gefechtes möglichst sanft zu Boden gelegt, an allen Gliedmaßen festgehalten, und Zappa bewies die Präzision seines Handwerkes. Immer wieder wehrte sich der Erschrockene heftig, natürlich im Unwissen, dass hier sein Leben gerettet wurde, doch letztendlich war es vollbracht – bitte betrachten Sie die untenstehenden Bilder! Kaum eine halbe Stunde später übergab Zappa dem Wartenden die Zügel, und dieser machte sich auf den Weg den Esel zurück zu bringen, an jenen Platz wo er ihn aufgefunden hatte. Der Esel stolperte zuerst, unsicher und noch etwas holprig auf den ‚neuen Hufen’, doch schon nach wenigen Schritten schien eine schwere Last von seinen Schulter zu fallen und er entschwand in den Staub und den Schwaden es fortschreitenden Tages irgendwo ins Nirgendwo der Metropole, eingeholt von der Anonymität des Daseins in der Millionenstadt. Wir stehen wohl noch einige Minuten am Straßenrand  und blicken dem enteilenden Eselhengst nach, erfasst von der gleichzeitigen Traurigkeit sowie Ergriffenheit des Momentes – was wird wohl die Zukunft für ihn bereit halten? Wir erbitten stumm, in Gedanken gefangen, allen Schutz für dieses so wunderbare Wesen…

   
   


Wir hatten zuvor kurz den Eselmarkt angesprochen; so viel haben wir über diesen Ort bereits geschrieben, Sie finden die entsprechenden Artikel im Archiv, sodass wir im Augenblick der Emotion heute nicht näher auf die ‚Manage Luzifers‘ eingehen möchten; allerdings, ich komme auch nicht darum herum, wenigstens einen Esel aus der Menge der Leidenden zu erwähnen, ein Nachruf an eine wunderschöne Seele. Besagter lag bereits am Boden, sterbend, als wir ankamen; ein Junge, offensichtlich sein ‚Besitzer‘, versuchte ihn zum Aufstehen zu bewegen, zuerst einigermaßen sanft, dann mit Tritten; nur, der Arme konnte nicht mehr, die Kraft seinen Gliedern entglitten wie dem Pechbehafteten die letzte Chance; der Ausdruck seiner Augen verriet bereits sein nahes Ende, das Heben und Senken des völlig erschöpften Brustkorbes einem unregelmäßigem Rhythmus ausgesetzt. Herzzerreißend, ein gebrochenes Individuum, beseelt von einem einzigen Wunsch: endlich die Augen für immer zu schließen; ein Abschied ohne Rückfahrkarte, den letzten Weg anzutreten im Bewusstsein, egal was auch immer kommen möge, es kann nur besser werden als das irdische Dasein. 
Dr. Facharani, der, der medizinische Wunder zu vollbringen imstande ist, der BeobachterInnen seines Handwerkes mit einem Staunen im Gesicht zurücklässt, versuchte eine Behandlung, gab aber bald eine Diagnostik hin zur Genesung auf und ersetzte sein Bestreben vielmehr mit Schmerzstillendem, Entkrampfendem; sein leidender Blick, seine sonst so zuversichtliche doch nun in sich verschlossene Gestik verriet die Hoffnungslosigkeit der Situation nur zu deutlich. So bauten wir alsbald einen Unterstand, um seinen letzten Stunden wenigstens den Schatten der Erleichterung zu gewähren, den Eindruck behütet einschlafen zu können – und das tat er dann auch, zur Mittagsstunde des nächsten Tages. Möge eine Macht über uns seiner Seele gnädig sein – und deren jener, welche sein Schicksal zu verantworten haben…



 
   
   

Fotoserie: grosses Bild, ein Unterstand soll dem armen Esel grösstmöglichen Schutz vor der Sonne gewähren. Bild links oben: Dr. Facharani versucht alles um dem Esel zu helfen; Mohammed bringt Wasser. links unten: der Junge versucht den Armen zum Aufstehen zu bewegen – leider vergebliche Mühe. rechts: wenigstens vor der Sonne können wir ihn in seinen letzten Stunden schützen…

Dank Ihrer immer so großartigen Unterstützung für ‚Esel in Mauretanien‘ konnten wir wieder viele dringend benötigte Sachen mit nach Nouakchott bringen. So zum Beispiel dort nicht erhältliche Medikamente zu einem Wert von gut 500 Euro, neue Huffeilen und –zangen, Hufauskratzer und allerlei anderes Werkzeug, dazu eine Sicherheitsausstattung für das Team – Stahlkappen-Arbeitsschuhe, feste Hosen, neue Behandlungsbekleidung. Ganz besonderen Dank möchten wir dann auch vom Herzen gerne wieder dem Herrn Stefan Urlhart, Inhaber der Autowerkstatt Urlhart in der Passauerstraße in Pocking, ausrichten, der uns schon mehrere hundert Rückstrahler mit auf den Weg nach Mauretanien gab. Wie wichtig diese sind, ist einfach zu erklären: die Eselkarren sind völlig unbeleuchtet, genau wie die allermeisten Straßen in der Stadt – ungesehen kommt es viel zu oft zu verheerenden Unfällen, die Esel dabei rettungslos den motorisierten Fahrzeugen unterlegen. So aber konnten wir bereits unzählige Gefährte mit den Warnrückstrahlern ausstatten, was deren Sichtbarkeit entscheidend erhöht!

Fotoserie: Dr. Facharani in seinem Element; böse Verletzung am Knie eines Esels – hier ist der Einsatz von Antibiotika unumgänglich; unten: Anbringen der so wichtigen Rückstrahler – mit herzlichsten Dank an den wunderbaren Herrn Stefan Urlhart! rechts: Dr. Dieng und Tom bei Hufarbeiten

Auch die neu gestalteten Aufkleber, in tausendfacher Auflage, finden sich auf immer mehr der Karren; sie schreien den BetrachterInnen entgegen ‚wer Gnade am Tier übt, an dem wird Allah Gnade üben!‘, eine fast epochale Wortfolge aus dem Koran. Mauretanien ist ein 100 % islamisches Land; dennoch, die Befolgung der Vorgaben des Heiligen Buches setzt das Verstehen des Geschriebenen voraus, und dieses Faktum ist viel zu oft nicht gegeben; denn zum Verstehen muss man selbstredend zuallererst einmal wissen was in den geheimnisvollen Zeilen festgehalten ist, und dazu muss man entweder selbst lesen können oder jemanden um sich haben, der das Niedergeschriebene lehren kann – beide Komponenten bleiben aber einem Volk, welches sich zur Hälfte aus Schreib- und Leseunkundiger zusammen setzt und auf Grund katastrophaler Lebensumstände über keinerlei Ressourcen verfügt um diesen Umstand zu ändern, um in Bildung zu investierent, leider viel zu oft versagt…

   
   
   

Fotoserie: der Tod ist in Nouakchott allgegenwärtig; er geschieht nicht im Verborgenen, im Stillen. Im Angesicht derartiger Wunden wie im Bild rechts unten, eine Konstillation, gepaart mit brütender Hitze, Fliegen und Schmutz, ist eine solche Einsicht wenig verwunderlich…

Eine Schulklasse kommt am Behandlungsort vorbei; die Kinder bleiben stehen, beobachten gebannt die Szenerie, bis ein kleines Mädchen die Sticker entdeckt. Im Nu scharen sich die Kinder darum, murmeln den so aussagekräftigen Vers, zeigen sich ergriffen. Wir haben noch viele der Aufkleber übrig, und so verteilen wir sie, bei der künftigen Generation sind sie wohl am allerbesten aufgehoben! Es ist fantastisch, wenige Wörter, immer und immer wieder von denen die sie lesen können, vorgetragen und weiter vermittelt, sie versprechen auf einfachstem Wege viel Hoffnung – ein derart gläubiges Volk nämlich, verinnerlicht es sich erst diesen einen Spruch, wir könnten morgen  schon unseren Einsatz ganz erheblich reduzieren, unser Augenmerk anderen leidenden Tieren zuwenden…

Der Aufkleber, inzwischen auch als Plakat auf verschiedenen Wasserstellen ausgehängt, in Büros ausgestellt – zum Beispiel im Amtszimmer für Menschenrechte oder bei der großartigen Kommunikationszentrale von Nedwa – hat einen wahren Siegeszug gefeiert, erregt noch immer eine immense Aufmerksamkeit. Besonders das – nicht veränderte – Bild eines Esels, welcher Blut zu weinen scheint (eine schwere Augenverletzung hatte den Blutstrom verursacht), trifft die Menschen ins Herz  und trägt die Kraft in sich für Veränderungen in einer bisher in Stein gehauen geglaubten Mentalität.

Erneut ging auch unser Radiospot auf Sendung. Sie erinnern sich, es handelt sich hierbei vielleicht um den ersten Tierrechtsspot welcher je in Afrika, ganz sicher aber in Mauretanien, on-air gegangen ist; im Spot spricht ein Imam von den Vorgaben des Korans bezüglich des Umganges mit Tieren, am Beispiel des Esels, und er verdammt das Schlagen der Hilflosen. Ausgestrahlt wird das Ganze dann 8-mal täglich, zu jeder Stunde in jeweils einer der vier Landessprachen, über nunmehr drei Monate hinweg.

   
   
   

Saleck, unser unverzichtbarer Mitstreiter vor Ort, Dr. Facharani und ich sollten uns auch auf eine zweitägige Reise in den Senegal begeben. Dort gibt es die Organisation ASDEN, von welcher uns vor 6 Monaten eine Delegation in Nouakchott besucht hatte, um von unseren Erfahrungen mit der RespekTiere-Eselklinik zu lernen. Es entwickelte sich ein reger Austausch, und so beschlossen wir die Situation vor Ort anzusehen. Der Senegal ist ein wunderschönes Land, zumindest jene Teile, welche wir bereisen durften. Es gibt dort mehr Wasser als in Mauretanien, demnach eine entsprechend höhere Population von allerlei Pflanzen, und das  Land wirkt wesentlich sanfter, viel mehr steppen- als wüstenhaft. Dennoch, die Sonne steht flirrend heiß am Firmament, wie ein unverrückbarer Feuerball, und die Temperatur scheint gegenüber Mauretanien sogar nochmals zuzulegen. Gut 40 Grad dürfte sie wohl betragen haben, wir, die wir noch vor wenigen Tagen mit Winterstiefeln im Schnee gestapft sind, inmitten eines Infernos aus Glut und Schweiß.

Wir besuchen eine Stadt wo die Eselsituation eine besonders prekäre ist, es gibt deren hunderte; besonders eines der Tiere ist in einem furchtbaren Zustand, befallen von einer schweren Hautkrankheit weist der Körper viele, viele offene Wunden auf. Dennoch, hauptsächlich wohl auf Grund der besseren Versorgungslage gefördert durch viel mehr Pflanzenwachstum, sehen die Tiere im Gesamten wesentlich besser aus als jene in Mauretaniens Metropole, und die die Überlegung, die Kräfte zu splitten und ein neues Projekt im Senegal zu beginnen, dürfte somit zumindest verschoben sein.

   

Fahrt in den Senegal; die Grenze zwischen den beiden Staaten bildet der mächtige Senegal River – die Überquerung erfolgt mittels kleiner von den Elementen zernagter Holzboote. Das Wasser hat keine Balken – Saleck und Dr. Facharani dürften sich dessen Wahrheit entsinnen, so zumindest verrät es ihr fragender Blick auf dem Bild. rechts: mächtige, wunderschöne Savannenlandschaften, bevölkert von Tierherden, hier Zebu-Rinder.

Der so liebenswürdige Fahrer, ein kleiner Mann voller Energie, der kaum über das Lenkrad des riesigen Pickups hinauszusehen scheint, überrascht uns vollends; er steuert den 4×4 mit nicht gedachter Leichtigkeit, und selbst nach hunderten Kilometern Fahrt auf teils fast unpassierbar anmutenden Abschnitten, der Asphalt von der Kraft der Sonne gebrochen, von der Hitze des Tages gekocht, gespalten und mit Schlaglöchern gespickt, mit einer an Perfektion grenzenden Sicherheit. Ein Abstecher mitten in die Steppe, gut 35 Kilometer entfernt des nächsten sichtbaren Weges (sei es nun Piste oder Asphalt) lässt uns mit offenem Mund zurück; die Geschwindigkeit kaum jemals unter 80 km/h, manövriert er den vor Lebensfreude heulenden Mitsubishi durch kleine Wäldchen und über weite Ebenen hinweg, mit einer unnachahmlichen Selbstsicherheit. Dort angekommen offenbart sich die Schönheit des Planeten Erde; ein Wüstenvolk hat hier eine Wasseroase angelegt, und tausende Tiere bevölkern den Landstrich trotz dessen Kargheit; Pferde; Esel, Schafe, Ziegen und Kühe im Gleichschritt. Die Menschen sind unfassbar freundlich, mit schüchternem Lächeln beobachten sie unsere Schritte; es ist ein schönes Volk, hochgewachsen, gezeichnet von ebenen Gesichtszügen und gesegnet mit einer leuchtend braunen Hautfarbe. Sie scheinen zufrieden mit dem was das Land ihnen bietet, zufrieden mit sich selbst und im Einklang mit der umgebenden Natur.

 
   
   


Wir treffen einen Journalisten der deutschen NRZ. Der Reporter zeigt sich ganz angetan von unserer Arbeit und wird über das Projekt berichten!

Es gilt einen Blick in die Zukunft zu wagen; wir sind nun an einem Punkt angelangt, der uns langsam aber unweigerlich vor die Frage stelle – wie können wir noch sinnvoller helfen, noch mehr für die Esel in Mauretanien erreichen? So vieles haben wir probiert, so viele Wege sind wir gegangen – um jetzt endlich so weit zu sein um einen letzten, dann enormen Schritt anzupeilen – nur zu gerne würden wir einen lang gehegten Traum zur Erfüllung bringen und eine fixe Klinik inmitten der Stadt schaffen! Ja, wir könnten mit dem bisher Erreichten zufrieden sein, uns zumindest für einige Zeit zurücklehnen – aber so eine Überlegung liegt nicht in unserer Natur. Stillstand, eine Errungenschaft, die wohl hie und da ihre Berechtigung hat, als Verschnaufpause, zur Sammlung der Kräfte, bedeutet für uns dennoch nicht mehr als bloß Rückschritt – und so haben wir uns auf die Suche begeben nach einem Gelände für eine solches Eselspital. Wir sind auch fündig geworden, jetzt wägen wir die Alternativen ab und überlegen. Doch was gibt es zu überlegen? Wäre die Schaffung eines solchen Ortes nicht das ultimative Bekenntnis zur uneingeschränkten Verbundenheit mit den am meisten leidenden Wesen Mauretaniens? Sind wir zumindest den Versuch, behaftet mit all seinen Risiken, jenen so bedauernswerten Mitgeschöpfen nicht von vornherein schuldig? Können wir die Augen des Nachts in Ruhe schließen, jetzt in der Folge der künftigen Jahre, ohne diesen Versuch getätigt zu haben? 

   
   
   

Schauen wir was die Zukunft bringt, aber egal was sie auch immer bereit hält, wir versprechen Ihnen, es wird ein weiterer, ein enormer, Fortschritt sein für die Esel in Nouakchott! Die Esel brauchen unsere Hilfe, uneingeschränkt, und wir werden diesen Hilferuf immer und immer wieder erwidern, vor Gott sei es geschworen selbst bis zur Erschöpfung. Wir sind da, weil wir da sein müssen. Und – wir schreien es in Welt hinaus, wir werden nicht vorsichtig sein wie etwa der mächtigste Mann der Welt, der seine Nation zu neuen Höhenflügen zu motivieren versucht und frech, aber dennoch vorsichtig, in ienem Anflug von Euphorie, behauptet. ‚Yes, we can!‘. Ja, wir können, das ist schön, ist kraftvoll, aber: nur zu können allein, das wäre uns zu wenig. Denn, nur zu können, das würde unseren Maßstäben nicht genügen; Yes, we do – ja, wir machen, das ist es, was wir versprechen, das ist unsere Devise! 

Helfen Sei uns helfen, wir bitten Sie vom ganzen Herzen! Nur mit Ihrer Unterstützung können wir den Eseln in Mauretanien wirklich beistehen. Ohne Sie sind unsere Hände gebunden.  Die Esel, sie brauchen uns – und wir brauchen Sie! Gemeinsam sind wir ein unschlagbares Team, welches selbst unmöglich Scheinendem letztendlich Leben einzuhauchen imstande ist! Lassen Sie uns eine Klinik bauen, und jeder Cent hierfür wird ein Baustein sein für eine bessere Welt! Ein Baustein für eine Oase inmitten einer Wüste aus Leid, einen Platz, der all jene mit offenen Armen empfängt, welche unsere Unterstützung so dringend benötigen. Angefangen von der medizinischen Hilfe bis hin zur Sensibilisierung, eins sein mit der Materie so wie ein Erstickender mit dem Verlangen nach Luft, dies sind die Attribute, nach welchen die RespekTiere-Klinik leben und gedeihen wird. Lassen Sie uns den ersten Stein setzen, lassen Sie uns neue Wege beschreiten – zum Wohle von Mensch und Tier!  

   
   
   

Fotoserie: die Armut in Nouakchott ist allgegenwärtig; Menschen besitzen viel zu oft nur das was sie am Körper tragen – und selbst jene Kleidung besteht dann nur aus zerriessenem Stoff. Mitte: hier gibt es sogar einen Fernseher – dennoch bleibt kaum Platz zur Entfaltung persönlicher Interessen; Kinder sehen begeistert Dr. Dieng’s Arbeit. Unten: ein Eselhalter erkennt sich am Aufkleber wieder – voller Stolz weist er uns auf die Tatsache hin, dass wir ihn in das Bildnis integriert hatten! rechts: Markt am frühen Morgen – noch schläft die Stadt, sie wird in wenigen Minuten förmlich explodieren…

Liebe RespekTiere-Gemeinde, es gäbe noch so viel zu erzählen, zu schreiben, so viel was es wert wäre in Worten festgehalten, aber wir möchten Sie und Ihre Zeit nicht überstrapazieren. Wir würden Sie deshalb gerne einladen, falls Sie noch Fragen zum Projekt haben, zu unserer Arbeit vor Ort, bitte schreiben Sie uns, wir werden jedes Ihrer Mails ganz gewissenhaft beantworten!

Mit herzlichsten Dank aus tiefster Seele für all Ihre Unterstützung über die Jahre hinweg! Sie sind es, die tagtäglich die Hände unserer Ärzte führen, jene, welche den Eseln Hoffnung versprechen, bitte vergessen Sie das niemals!

Das Team RespekTiere vor Ort: Moussa, Dr. Facharani, Mag. Barbara Bitschnau, Dr. Dieng, Zappa, Tom, Mohammed; hier fehlt nur Saleck, der das Bild geschossen hatte!

 

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