Ziesel – neue Projektphase!

Die letzten Tage standen wieder einmal völlig im Zeichen der Ziesel – jetzt, im sommerlichen Intermezzo, sind dieso wunderbaren Tiere natürlich gänzlich in ihrem Element, ihre Lebenslust ist eine schier unfassbare – doch auf den Straßen welche ihre Verbreitungsgebiete durchqueren wartet der unbarmherzige Tod…
Tatsächlich finden sich auch in diesem Jahr fast täglich dutzende überrollte Tiere auf den Verkehrswegen um Krems. Eine so und so untragbare Situation, aber im Falle der Ziesel kommt dem noch zusätzlich eine furchtbare Komponente hinzu: stehen die Nager doch ganz nebenbei auf der berüchtigten ‚Roten Liste der aussterbenden Tiere‘ ganz oben.
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Fotos: Weingarten-Idylle, ein Paradies für Ziesel; rechts: der Tod lauert nebenan…

Alleine einen ganzen Tag haben wir dieses Mal aber auch damit verbracht, endlich einmal lebende Tierchen zu fotografieren; ein sehr schwieriges Unterfangen wie wir nach vielen Stunden in den Weingärten und Kellergassen zugestehen mussten! 🙂

 

Als ersten Schritt zu einer Besserung der Ist-Situation begannen wir schon im letzten Jahr mit der Durchführung spezifischer Aktionen an den Hauptangelpunkten in der Kremser Gegend, nämlich der beiden Bundesstraßen B218 zwischen Krems und Langenlois, (hier besteht das Problem auf eine Länge von ca. 5 Kilometern) und der B35 zwischen Krems und Hadersdorf (auf einer Länge von ca. 7 Kilometern), sowie auf der Landesstraße L7032 zwischen Stratzing und Lengenfeld (dann auf einer Länge von gut 2 Kilometern). Da sich daraufhin mehrere lokale Zeitungen der Thematik annahmen und über unsere Bestrebungen berichteten, rückte das Ziesel wieder ein bisschen mehr ins öffentliche Interesse – ein bewusst provozierter Umstand! 🙂 Auch ein Meeting mit dem Naturschutzbund, mit Frau Dr. Karin Enzinger, brachte gute Ausschlüsse und einen regen Austausch von Ideen.
Eine davon, eingebracht von einer eifrigen Leserin unserer Newsletter, Frau Mag. Andrea Hagn, harrt gerade der Umsetzung; in dessen Sinne fuhren wir einige Gemeinden entlang der Zieselpopulationen ab und fragten um die Genehmigung zum Aufstellen bezüglicher Straßenschilder (innerhalb von Ortschaften sind die jeweiligen Gemeinden zuständig). Allein, das Erkennen der dramatischen Situation dürfte den dabei angetroffenen Bediensteten schwer fallen, es schlug uns durchwegs gähnendes Desinteresse entgegen (wir werden die Gemeinde noch näher benennen); ja, die Nahelegung langwieriger und höchstwahrscheinlich sinnloser Anträge wurde uns empfohlen, doch sie kennen uns: wir werden die Ausgangslage anheizen, ohne eine fadenscheinige und letztendlich nicht zielführende Bürokratie zu bedienen!
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Der Besuch beim Verkehrsamt der BH Krems verlief dann allerdings wesentlich zufriedenstellender; die dortige Leiterin der Abteilung, Frau Mag. Tsolakidis, zeigte reges Interesse und versprach ihre größmögliche Bemühung. Nun läuft unser Antrag, der sich in Auszügen folgendermaßen liest: 
Wir, der Verein RespekTiere, ersuchen um dringende Aufstellung von Hinweiszeichen bezüglich der Querung von Ziesel an folgenden Straßen; B218 zwischen Krems und Langenlois, eine Länge von ca. 5 Kilometern, in beiden Richtungen; B35 zwischen Krems und Hadersdorf auf einer Länge von ca. 6,7 Kilometern in beiden Richtungen (wobei hier mehreren Teilstrecken zu beachten wären: ab Bahnhof Hadersdorf bis Ortstafel Gedersdorf 2,2 Kilometer- dann durch Gedersdorf hindurch, 3 Kilometer- von Gedersdorf bis Rohendorf, Kilometer 3 bis 4,2 – Kilometer 4,2 bis 5,5 durch Rohendorf hindurch – 5,5 bis 6,7,Ortstafel Krems; hier wäre es unserer Meinung nach sehr sinnvoll jeweils beim Verlassen der Ortschaft oder kurz davor ein Schild zu platzieren) ; auf der L7032 zwischen Stratzing und Lengenfeld, auf einer Länge von 1,8 Kilometern in beiden Richtungen.
Wir würden um die Genehmigung bitten, an diesen drei Hauptrouten in jede Richtung jeweils mindestens 3 Schilder aufstellen zu dürfen, bevorzugt solche, welche wir Ihnen in Kopien überlassen haben (am Beginn der Strecke ein Hinweisschild ‚Achtung Ziesel – BITTE LANGSAM FAHREN, mit traurigem Ziesel; in der Mitte eines wo eine fröhlichere Zieselkarikatur ein Schild hochhält mit ‚Vorsicht – noch 1 000 Meter, 500 Meter, 200 Meter, je nachdem; am Ende eine mit breitem Lächeln,ein Schild hochhaltend ‚Danke!‘.
Wenn das nicht möglich ist, würden wir uns über die Erlaubnis von rotgerandeten Warndreiecken mit einem Ausrufezeichen in der Mitte freuen, draunter ein weiteres kleines Zusatzschild mit Aufschrift ‚ACHTUNG ZIESEL‘.
Da das Ziesel einen Winterschlaf hält, wäre das Aufstellen in erster Linie in den Sommermonaten notwendig!

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Wichtige Detail-Information:
‚Das Ziesel steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere, als ‚Stark gefährdet‘ eingestuft
. Was im Beamtenwortlaut dann folgendermaßen klingt: es ist mit einer zumindest 20 %igen Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Art bei gleichbleibenden Bedingungen in den nächsten 20 Jahren ausstirbt’… Ausstirbt, die Gene erloschen, für immer verschwunden von diesem Planeten!!! So wurde das Ziesel in die EU Fauna-Flora Habitatrichtlinie aufgenommen, was dann nicht mehr und nicht weniger  bedeutet, als dass die Mitgliedstaaten mit Vorkommen des Ziesels eigene Schutzgebiete ausweisen und für einen günstigen Erhaltungszustand der Art Sorge tragen müssen. Zusammengefaßt spricht die Agenda mit aller Deutlichkeit: Nach europäischem Naturschutzrecht gehört das Ziesel zu den streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse, für dessen Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Dem Ziesel ist ‚akuter Schutzbedarf‘ bescheinigt.

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Unsere Begründung für die Forderung des Aufstellens solcher Tafeln liest sich daher folgendermaßen:
Es handelt sich beim Ziesel um eine ‚Stark gefährdete Tierart‘ auf der ‚Roten Liste aussterbender Tierarten‘ ganz oben angeführt. Das Ziesel steht unter strengstem Schutz, auch in einer eigenen EU-Agenda niedergeschrieben; jedes Mitgliedsland mit Zieselbeständen steht unter der VERPFLICHTUNG größmögliche Sorge für das Wohlergehen der Bestände zu tragen! Das passiert in Niederösterreich aber zur Zeit (unserer Meinung nach)  nur unzureichend, so zum Beispiel wurden nur 24 (!!!) Tafeln zum Aufstellen für das ganze Bundesland genehmigt, wo das Verkehrszeichen noch dazu nur mit grünem anstatt rotem Rand gestaltet ist (ein Dreieck, wo mittig ein Ziesel abgebildet ist) – ein Verkehrszeichen, welchem allein wegen der farblichen Zuordnung nur wenig Beachtung zugestanden wird!
Täglich finden sich so tote Tiere auf der Straße, als öffentliche Anprangerung einer grobe Verletzung der vertraglichen Verpflichtungen! Weil das Ziesel aber unter derart strengem Schutz steht, würde wohl eine Anzeige bei der EU hohe Strafzahlungen mit sich bringen; ganz sicher würden wesentlich höhere Kosten in Rechnung gestellt, als jetzt notwendig wären um die Nagetiere mit engagierten Initiativen bestmöglich zu schützen. Wie wir aus vielen Zusendungen von Menschen aus dem Raum Krems wissen, könnte eine solche Anzeige jedoch jederzeit passieren, sämtliche PassantInnen besagter Straßenstücke als ZeugeInnen der Unterlassung.

Wir sind uns völlig sicher, mit gutem Willen und unter der Zusammenarbeit möglichst vieler relevanten Stellen könnte ganz viel erreicht werden. Das Ziesel genießt in der Bevölkerung (abgesehen bei Teilen der Bauernschaft, welche die Nager völlig unbelegt als Schädlinge anprangert) hohe Beliebtheit. Zum Beispiel Gemeinden entlang der Strecke als ‚Zieselfreundliche Gemeinden‘ auszuzeichen könnte einen hohen Werbewert für diese haben, Möglichkeiten der Nutzung der Ausgangslage zu einer Win-Win-Situation gäbe es zur genüge. Wir müssen uns zuallererst einmal im Klaren darüber sein – es gibt Ziesel nur mehr an wenigen Plätzen weltweit, in Österreich kommen sie nur mehr in vier Regionen vermehrt vor – wobei die Kremser Region noch dazu eine äußerst priviligierte ist, denn alleine hier ist der Bestand nicht nur stabil, sondern tatsächlich steigend. Überall anders sind teils drastische Einbußeninden Populationen zu verzeichnen, und die Gefahr des endgültigen Verschwindens ist eine enorme… Krems und Umgebung sitzt auf einem Naturschatz, der nicht als solcher anerkannt scheint; wie unfassbar schade!

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Wir werden Ihnen natürlich in Kürze vom Weiterverlauf des Projektes berichten!

Achtung, Achtung! Wir sind dieser Tage auf der PetExpo, der tierfreundlichen Messe (keine Tiere werden ‚ausgestellt‘) in der Wiener Stadthalle mit einem großen Stand vertreten! Dabei zeigen wir imposante Fotoausstellungen über ‚Esel in Mauretanien‘ sowie unsere Kastrationsprojekte ‚respekTIERE IN NOT‘!Freitag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr!
Kommen Sie vorbei, wir würden uns über Ihren Besuch sehr freuen!

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