2 große Kundgbungen: Jagd Aigen, Bespitzelung Linz; Lenny gesucht!

Am Freitag fand in Linz eine ganz großartige Kundgebung gegen das geplante Bespitzelungsgesetz der Regierung statt. Die ‚Plattform gegen das Staatsschutzgesetz‘ (AK Vorrat, DIDF, Solidaritätswerkstatt, RespekTiere, VGT OÖ und Veggies Linz) hatte dazu aufgerufen und die wunderbare Anna Hajaky vom Verein gegen Tierfabriken organisierte den auffälligen Demomarsch durch die Stadt, unterbrochen immer wieder von Standortkundgebungen, wo einzelne VertreterInnen der teilnehmenden Organisationen kurze Statements an die TeilnehmerInnen und PassantInnen richteten.
Der Abschluß der Kundgebung fand am ehrwürdigen Taubenmarkt statt, wo dann auch noch ein Infostand errichtet worden war – kurzum, eine ganz fantastische und wunderbare Veranstaltung, wo es uns eine große Ehre war dabei gewesen sein zu dürfen! Wir freuen uns schon auf das nächste Mal!
Fotos: Solidaritätswerkstatt, RespekTiere

Weiterführende Infos auch auf den Seiten der ‚Veggie Linz‘ (www.veggies-linz.at), zum Beispiel:
"Wer an legalen Demonstrationen teilnimmt, politisch bespielsweise für Menschen- oder Tierrechte aktiv ist oder seine Meinung offen äußert, könnte potentiell als „Terrorist“ gelten und mit Sicherheit bespitzelt werden. Bereits der Mafia-Paragraph (siehe Tierschützerprozess) und die (glücklicher Weise) verhinderte Vorratsdatenspeicherung haben gezeigt, dass ziviles Engagement von Politik und einflussreichen Industrien abgelehnt wird und aufs schärfste verfolgt werden soll. Das Staatsschutzgesetz sieht eine Überwachung von Menschen ohne konkreten Verdacht und ohne richterliche Kontrolle vor.

Die Innenministerin Mikl-Leitner will das Staatsschutzgesetz so schnell wie möglich beschließen. Der für 13.Oktober geplante Beschluss wurde zwar nun verschoben aufgrund des großen öffentlichen Drucks, doch das Ziel ist erst erreicht, wenn ein polizeilicher Überwachungsstaat erfolgreich verhindert werden konnte.

Deshalb versammelt sich die Plattform „gegen das Staatsschutzgesetz“ (AK Vorrat, DIDF, Solidarwerkstatt, RespekTiere, VGT Oberösterreich, Veggies Linz) am 9.Oktober um 16:00 im Volksgarten vor dem Musiktheater mit anschließendem Demozug, um zu zeigen, dass es eine Mehrheit für Meinungsfreiheit und Privatsphäre gibt. Auch die Innenministerin darf die Meinung der Mehrheit nicht länger ignorieren!

Statements der teilnehmenden Organisationen:

Thomas Putzgruber RespekTiere: „Neue Gesetze werden erlassen, um bestenfalls den Schutz und die Bedürfnisse jener, die diese Werte am meisten benötigen, aufrecht zu erhalten, oder, noch besser, zu verbessern. Dann gibt es aber auch noch andere Bestimmungen, nämlich solche, die Interessen von Lobbys oder speziellen Vereinigungen in den Vordergrund stellen, unter Vortäuschung anderer Zielführung, nur um deren eigennützigen Belangen Nahrung zu geben. Genau mit einer solchen Vorlage haben wir es hier zu tun, und deshalb soll es als Pflicht gelten, dagegen aufzutreten, mit allen Mitteln, die uns in einem Rechtsstaat zur Verfügung stehen!“

Thomas Lohninger von AK Vorrat: “Das Staatsschutzgesetz ist hat schon viel Widerspruch geerntet. Der massiven Kritik aus der Begutachtungsphase, die aus allen Teilen der Gesellschaft kam, haben sich auch Teile der Regierung angeschlossen. Vermutlich ist das Gesetz in der derzeit vorgeschlagenen Version nicht einmal verfassungskonform. Das Innenministerium hält dennoch an seinen Plänen fest. Es liegt jetzt an unseren gewählten Vertretern im Parlament, dieses Gesetz in dieser Form nicht zu beschließen, und es liegt an der Zivilbevölkerung, ihre Bedenken noch lauter vorzubringen!”

Anna Geisler vom Verein gegen Tierfabriken (VGT): „Schon der berühmte Tierschützerprozess und dessen Fortsetzung haben gezeigt, dass ziviles Engagement der Regierung und großen Industrien mit starken Lobbys ein Dorn im Auge ist. Jetzt ist das geplante Staatsschutzgesetz zusätzlich ein gefährlich großer Schritt in einen Polizeistaat, in dem Bespitzelung üblich wird und jede_n betreffen wird, besonders wenn mensch sich selbst für Mensch, Tier oder Umwelt engagieren oder seine Meinung äußern will. “

Eveline Steinbacher von der Solidarwerkstatt: „Wir fordern die Sicherung der Grund-und Freiheitsrechte, Schutz vor Bespitzelung unserer Lebensgewohnheiten, Schutz unserer Privatsphäre wie in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung beschlossen! Deshalb sagen wir sagen Nein zum geplanten Staatsschutzgesetz, da es unser aller Grund- und Freiheitsrechte einschränkt, Bespitzelung und Vernaderung Tür und Tor geöffnet. Durch die geplante Erleichterung der Datenweitergabe auch an ausländische Geheimdienste leistet dieses Bespitzelungsgesetz außerdem Vorleistungen zur Errichtung eines ‚EU-Geheimdienst bis 2020 nach dem Vorbild der NSA‘ (EU-Kommissarin Reding, 6.11.2013).“

Coskun Kesici von DIDF – Föderation der Demokratischen Arbeitervereine: „Wir unterstützen die Proteste gegen das geplante Staatsschutzgesetz, weil wir den Weg in Richtung eines Überwachungsstaat entschieden ablehnen. Schutz der Privatsphäre und der freien Meinungsäußerung ist die Grundlage der Demokratie.“

Gestern fand die traditionelle Hubertusmesse der Salzburger Jägerschaft im Schloss Aigen/Salzburg statt. Die Hubertusmesse wird zu Ehren der während des Jahres verstorbenen JägerInnen abgehalten, bzw. als ‚Erntedankfest‘ gesehen. In (schein-)heiliger Demut versammeln sich die Despoten des Waldes, um zu Gott zu beten – einer Gottheit, der/die ‚Du sollst nicht Töten‘ zu seinem/ihren obersten Dogma ausgerufen hatte – welch ein Widerspruch…
Aus jener Sichtweise scheint es dann schon sehr zynisch, wenn dabei von der Ehrfurcht vor dem Leben gefaselt wird – aber wahrscheinlich tun wir der versammelten Menge sehr Unrecht, denn vielleicht handelt es sich bei der Jagd doch vielmehr um eine Krankheit des Geistes, einer Form von Persönlichkeitsspaltung, der Schizophrenie, und sollten wir den Kranken nicht eher Zuwendung, eventuell Mitleid, entgegenbringen? Wie dem auch sei, das Wetter gab an jenem kalten Oktobermorgen den würdigen Rahmen zur skurrilen Veranstaltung, der Himmel weinte; dunkle Wolken zogen über das Firmament und die Tränen einer leidenden Gottheit befleckten die hochglanzpolierte JägerInnen-Ausstattung; gelecktes Schuhwerk, waldgrüne Kleidung, welche den auf die Wälder losgelassenen Irrsinn dort möglichst unsichtbar machen soll, und Hutwerk, welches der Gedankenwelt eines munteren Geistes viel Spielraum zur Spekulation lässt; warum stecken sich erwachsene Menschen Tannenzweige auf ihre Kopfbedeckungen, Gamsbärte und dergleichen? Wandelnden Klobürsten gleich, setzte sich der Zug der sich selbst so gerne als Naturheger bezeichnenden Masse in Bewegung, den engen Weg des Schlossparkes hin zur kleinen Kapelle, bestimmt nur heidnischen Ansichten nach einer Entweihung des heiligen Ortes entgegen; vorbei an schon zu Beginn des Weges aufgespannten Transparentenfluten, die da ‚Die Größe einer Nation erkennt man daran wie sie ihre Tiere behandelt‘, oder ‚Schande, Schande, Mörderbande!‘ verkündeten; neben einer bombastischen Musikkappelle und dem Fußvolk wurde dann auch der Star des Tages mitgetragen, ein einst kraftstrotzender Hirsch, getötet von kleinen giftigen Kugeln, Metallsplitter, welches mit unsagbarer Geschwindigkeit aus polierten Gewehrläufen gefeuert werden, Finger am Abzug, von Gehirnen gelenkt, Schaltzentralen des menschlichen Körpers, die die von ihnen so gerne propagierte Heiligkeit des Lebens im Augenblick eines Atemzuges mit Gift und Galle bespucken, mit Wahnsinn beflecken, in den Schmutz der Gedankenwelt Luzifers treten.
 

   
   
   

Es mutet dann doch etwas krankhaft an, betrachtet man den Getöteten genauer; aufgebahrt wie ein Ehrengast, des Lebens beraubt, wurde sein Gebiss geöffnet und ein Tannenzweig zwischen seinen Zähne geschoben, einer Verhöhnung des Opfers gleichkommend (auch wenn Stimmen jetzt behaupten, dies sei eine Ehrerbietung; wenn Ihr einst zu Grabe getragen werdet, wie würde es Euch gefallen, aufgebahrt vor Euren Mördern, als Zeichen deren Triumphes auch noch von des Schießwütigen sonderbaren Werten geehrt, indem Euch jene Wesen Zweige in die Körperöffnungen stecken?!); einst blühendes Sein, nun betrachten tote Augen eine grausame Welt, eine Welt des stärkeren, des Mächtigeren, eine Welt, wo Töten Hobby sein darf, wo die Schänder unserer Zeit unangetastet von gerichtlicher Verfolgung in ihren geistlichen Verirrungen waten dürfen…
 

Gevatter Tod mit wallendem Umhang begleitet den Zug, wandelt mit sicherem Schritt vor den VeranstaltungsteilnehmerInnen. Er trägt ein Kreuz, ‚Mensch erbarme Dich unser‘, ist darauf in dicken Lettern gemalt. Die letzten Meter zur Kapelle werden für die Jägerschaft fast zum Spießrutenlauf, ist der doch nun gesäumt von BefürworterInnen des Lebens, von TierschützerInnen, vorbei an in dicken Lettern festgehaltenen Wortmeldungen wie ‚Ehrfurcht vor dem Leben ist die Abscheu vor dem Töten‘, begleitet vom Knochenmann in vielfältiger Erscheinungsform, der mal ein Schild ‚Hier stinkt es nach Tierquälerei‘, mal eines mit der Aufschrift ‚Tradition ist keine Rechtfertigung für Tierquälerei‘ trägt; da ist plötzlich auch eine Kultstätte des Tierschutzes erkennbar, eine Veranstaltung in der Veranstaltung, ‚die Nacht des Jägers‘, wo – zugegeben kopiert von der unseligen ‚Nacht des Fuchses‘ – Jäger in ihrem Blut liegen, Schilder in ihren verkrampften Händen, welche bezeugen, warum sie aus dem Leben geschieden sind: ‚Ich konnte die Schande nicht mehr ertragen ein Tierschänder zu sein!‘…
 

Wir möchten hier keine Worte über die Messe selbst verlieren, Religion ist unantastbar (außer sie richtet sich in Aspekten gegen das Leben, oder deren VertreterInnen wie z. B. ‚Dompfarrer‘ Toni Faber beflecken ihre Finger selbst mit Blut); aber ein Vermerk scheint dennoch angebracht; glaubt irgendjemand wirklich, eine Gottheit billigt das Niederschiessen seiner/ihrer Schöpfung, auch wenn dies dann aus bestimmten (fadenscheinigen) Gründen passiert? Wie kann ein Vertreter derselben Gottheit jene segnen, welche Tod und Verderben über Mitgeschöpfe bringen, oft in einem Anflug von Macht- oder Alkoholrausch? Die sich an Gatterjagten beteiligen, zum Töten in fremde Erteile fliegen, sich mit den blutigen Körpern kaltblütig Ermordeter fotografieren lassen, mit einem Lächeln auf stolzen Lippen, trotz einer Verkümmerung des Geistes? Die sich stark und männlich glauben (selbst wenn sie gegenteiligen Geschlechtes sind…), dabei aber zu gerne vergessen, dass sie mit solchen Attributen wohl nur von Ihresgleichen bedacht werden, von der Mitwelt (also von 99 % der Menschheit) aber sehr oft als bemitleidenswerte Kreaturen betrachtet werden?!
   
   

Ach ja, nur der Statistik wegen: auch heuer war die Liste der Verstorbenen eine furchtbar lange, tragische, mit ein Umstand, warum jedes Jahr weniger JägerInnen ihren Kreuzweg zur Kapelle nach Aigen finden? Wenn das so weiter geht, dann werden die TierschützerInnen dort bald in der Überzahl sein – so Gott es will!
Oder sind die wind- und wetterfesten grünbejackten HeldInnen dann gar nicht so wind- und wetterfest? Während sie sonst in beheizten Hochständen, wo sie immer öfters  direkt mit ihren Luxus-Geländewagen vorfahren können, wind- und wettergeschützt auf ihre Opfer lauern können, ist ein ca. einstündiger Aufenthalt im Freien vielleicht zu gar anstrengend, ausgesetzt den Elementen? Mag sein, denn ein Jäger zollte dann auch genau diesen Anstrengungen Tribut, als er zu Mitte der Messe zusammensackte und von seinen KameradInnen gestützt in Sicherheit vor der grausamen Wirklichkeit gebracht werden musste…
 
   
   
Nachsatz: wir bedanken uns vom ganzen Herzen bei den so wind- und wetterfesten wunderbaren AktivistInnen, welchen von Ost (Linz) bis West (München) angereist kamen, um diese Kundgebung zu dem zu machen was sie letztendlich war: ein Mahnmal gegen das Töten!!!!
Der Dank gilt dann auch einmal mehr der Salzburger Polizei, die ihrer Arbeit mit aller Nettigkeit und mit vorbildlichem Entgegenkommen einen großen Dienst erwies!


 

 

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