Mauretanien, der große Bericht – Teil 2!

Dienstag; die Nacht ist eine kurze gewesen, und so reiben wir uns auf der erneut engen Fahrt zur heutigen Arbeitsstädte müde die Augen. Wieder sitzen wir wie selbstverständlich zu sechst im Wagen eines Taxi-Lenkers, wo dann absolut gar nichts darauf hindeutet, dass dies wirklich ein Taxi ist (oder überhaupt ein funktionstüchtiges Fahrzeug). Aber Achmed hat den Fahrer angehalten, und der kennt sich wohl aus. Welche Autos aus der Masse er zu sich winkt, und warum er weiß, dass dies Taxiunternehmen sind, es ist und bleibt uns ein Rätsel.
Mohamed und Zappa sind schon fest bei der Arbeit. Der Hühnermarkt ist der heutige Dreh- und Angelpunkt der mobilen Klinik. Eigentlich hatten wir zu diesem frühen Zeitpunkt noch geplant, anschließend auch das andere Team zu treffen – aber da wussten wir noch nicht was an diesem Ort auf uns zukommen sollte – hunderte Esel nämlich! Allerdings sehen sie allesamt nicht so schlecht aus; ja, es gibt sogar keine einzige schlimme Verletzung, wer hätte sich sowas noch vor ein paar Jahren erträumen lassen? Natürlich, mehr oder weniger schwere Abszesse stehen an der Tagesordnung, und das berüchtigte Problem mit den Augen ist auch hier ein unübersehbares. Aufgrund des Windes in Kombination mit dem Sand sind diverse Erkrankungen des Sehapparates fast gegeben, und so kommen wir kaum mit dem Eintropfen diverser Gels nach.
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‚Chicken Market‘, ‚Marche de Poulet‘, ist ein gar verwunschener Ort. Es herrscht ein unfassbares Chaos, abertausenden Menschen sind in alle Richtungen unterwegs. Die Zufahrtsstraßen sind völligst verstopft, der Verkehr bricht tagtäglich in sich zusammen. Grundlegend überforderte Polizisten, sich ihrer absolut hoffnungslosen Situation durchaus bewusst, versuchen künstlich irgendeine Art von Ordnung in das System zu bringen – und scheitern daran rigoros. Vielleicht liegt aber gerade darin die Einsicht vergraben: Dinge ohne viel darüber nachzudenken geschehen lassen, und am Ende wird wieder alles gut. Ich habe es schon oft erwähnt, die Szenerie erinnert frappant an das frühere Computerspiel ‚Tetris‘, wo von oben fallende Formen verschiedenster Größe und Symetrie an einer Grundlinie geordnet werden müssen, sodass diese – sobald durchgehend vollständig – wieder wegbricht und so Platz für Neues entsteht. Ein Auto schiebt sich also in eine Lücke – und selbst wenn die auf der Gegenfahrbahn liegt – alle Regeln längst aufgehoben – dadurch rückt von irgendeiner Seite ein anders nach, usw.
Angeboten wird hier alles, vor allem aber lebende Geschöpfe. Die sind in einer bar jeder Vorstellungskraft völligen Triste und Agonie gefangen, bloße Waren, eingesperrt, geknechtet, ihre Rechte weit unter jenen der Materie angeordnet. Viel mehr Rücksicht nimmt man da schon auf leblose Dinge, Gebrauchsgegenstände, Transportgüter, Fahrzeuge. Es ist todtraurig, aber bitterste Tatsache.
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Foto oben: Streicheleinheiten…
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Fotos oben: der ‚Magier‘ Zappa entfernt ein eingetretenes Eisenstück
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Die Esel hingegen schauen zumindest an diesem Tag wie bereits erwähnt aber gar nicht so schlecht aus. Viele davon gibt es hier, selbstredend, aber zumindest sind sie nicht mit den hunderten Kilo schweren Wasserfässern beladen. Manche schleppen Eisenwaren, gebückt unter dem immensen Gewicht, die meisten aber müssen nicht so massive Produkte durch den Sand hinter sich her ziehen. Mit den Eselhaltern entwickelt sich schnell ein reger Austausch, inzwischen sind sie uns alle äußerst gut gesonnen – wissen sie doch, wir sind ihre einzige Chance auf medizinische Versorgung der zum eigenen Überleben unbedingt notwendigen Tiere.
Gut 150 Esel behandeln wir, eine stolze Anzahl! Leider sind einige darunter besonders mürrisch, wer mag es ihnen verdenken? Dr. Facharani setzt eine Spritze, und im nächsten Moment beißt das arme Tier zur Seite und erwischt den Veterinär am Unterarm! Wie gefährlich so ein Biss sein kann, in einer von Schmutz und Abfall beherrschten Umgebung, wird spätestens in einem solchen Moment wieder klar. Sofort versorgen wir die Wunde, und trotz des Schmerzes hat die Situation dann aber auch etwas Gutes mit sich gebracht: ab jetzt sind wir uns wieder der Gefährdung bewusster, keine Ablenkung, volle Konzentration auf das was wir hier tun, das muss das Schlagwort sein. Nicht zu vergessen, eine Stadträtin sagte uns einmal, alleine in der Hauptstadt Nouakchott sterben rund 40 Menschen im Jahr an der Tollwut!
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Fotos: Dr. Facharani wird gebissen – sofort versorgen wir die tiefe Wunde!
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Hier am Marktplatz, am riesigen ‚El Capitol‘, ist der Fortschritt, der die Stadt ansonsten doch schon langsam erreicht, noch immer nicht angekommen. In Fakt, die meisten Bezirke der Metropole sind nur mit einer Formulierung zu benennen: pure 3. Welt! Hingegen im Stadtzentrum und den angrenzenden Bereichen, da formt sich langsam ein Bild, welches ein Versprechen abzugeben scheint: es geht aufwärts für die Menschen, in ganz kleinen Schritten zwar, aber seit nunmehr einigen Jahren doch stetig. Und genau hierin liegt die größte und wohl auch einzige Erfolgsaussicht, das Leben der Esel in Nouakchott nachhaltig zu verändern. Werden erst Wasserleitungen gebaut, auf Motorenkraft anstelle der tierlichen gesetzt, dann ist die Tortur eine endende. Daran müssen wir glauben, uns an dem Halm festhalten – nichts anders bleibt übrig!
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Am Nachmittag setzen wir ein Meeting mit dem Chef-Tierarzt Dr. Dieng an. Dieses verläuft unfassbar erfreulich! Denn der Veterinär zeigt sich begeistert vom Fortschritt des Projektes, meint tatsächlich, RespekTiere wäre inzwischen zu einer wirklichen lokalen Größe aufgestiegen. Fast sämtliche Eselhalter kennen die Organisation, und viele würden nun selbst von weit her kommen, nur um unser ‚Service‘ in Anspruch zu nehmen. Langjährige Newsletter-LeserInnen erinnern sich bestimmt, wir hatten in den letzten Jahren bemerkt, dass die Anzahl der Esel langsam aber sicher abnehmen würde; dies vor allem deshalb, weil die Regierung in einer groß angelegten Zusammenarbeit mit China die Tiere aus dem Stadtbild soweit es geht streichen möchte (China’s 2 Absicht, Eselfleisch in Massen ins eigene Land zu verschiffen, ist inzwischen gescheitert: es gibt ein totales Ausfuhrverbot!). Abertausende sogenannte ‚Tuk-Tuks‘, dreirädrige Mopedfahrzeuge wie sie in weiten Teilen Asiens den Verkehr beherrschen, wurden hierfür angekauft und unter bestimmten Auflagen auf die Eselhalter verteilt. Aber durchgesetzt haben sich die Fahrzeuge (noch) nicht, denn – dasselbe Problem gibt es zum Beispiel in Serbien, im Versuch, die oft so elendiglichen Pferdekutschen der Roma zu minimieren – letztendlich benötigen Fahrzeuge Registrierungen, bürokratischen Aufwand, sie müssen repariert und vor allem betankt werden. Für Menschen, die am absoluten untersten Ende der Hierarchie stehen, sind das durchaus nachvollziehbare Gründe, um doch lieber weiterhin auf die Kraft der Tiere zu setzen, noch dazu, wenn es sich dabei um derart zähe und sanfte Lebewesen handelt wie es die Esel nun mal sind. Traurig aber wahr, genau die eigentlich so großartigen Eigenschaften werden den Tieren zum Verhängnis; nicht nur in Afrika, in weiten Teilen der Welt gehört der Esel nicht zuletzt deswegen zu den am grausamsten behandelten Mitgeschöpfen überhaupt…
Dr. Dieng erklärt: ‚Die Anzahl jener, welche wirklich ‚umgestiegen‘ sind, wird mehr als kompensiert durch jene Tierhalter, die nun zusätzlich aus allen Richtungen nach Nouakchott anreisen, um ihre Schützlinge in der RespekTiere-Klinik versorgen zu lassen.‘
Außerdem, und das ist ein Durchbruch auf welchen wir so lange warteten, habe sich die Mentalität der Eselhalter stark verändert. Nicht zuletzt durch unsere Radiospots, allesamt mit religiösem Hintergrund behaftet (ein Imam erzählt, was der Prophet über Tiere gesagt hat; zum Beispiel jener Spruch, der längst zum RespekTiere-Motto geworden ist: Wer Gnade am Tier übt, an dem wird Allah Gnade üben)! Oder durch unsere gleichlautenden Aufkleber, die wir bereits zu abertausenden verklebt haben. Oder durch die andauernde Berieselung durch das Team während deren Arbeit.
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Foto: zweimal eher neu: der Esel ist an den Karren festgekettet, damit er nicht gestohlen wird. Früher passierte ein Diebstahl kaum, in Zeiten aber, wo selbst Eselfleisch zur wertvollen Ressource geworden ist, kann man wohl nicht vorsichtig genug sein! Und Neuigkeit Nummer zwei: immer wieder werden Esel nun auch zwischendurch gefüttert!
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Foto: typische Seitenstraße in Nouakchott
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Foto: Arbeitsort ‚RespekTiere-Wasserstelle! Das Team macht sich bereit!
Ja, ich habe es bereits erwähnt und Dr. Dieng bestätigt es eindrucksvoll – die wirklich blutigen Verletzungen, die schweren durch Schläge verursachten Blessuren, all das hat stark abgenommen und der Prozess ist noch lange nicht vorbei. Immer mehr Halter – wir haben es die letzten Tage über mit eigenen Augen oft genug gesehen – bringen den Eseln in den Pausen Wasser, füttern sie (wenn auch oft nur mit Speiseresten) zwischen den Arbeitsvorgängen; manche streicheln sie, andere sind sehr besorgt wegen diversen Erkrankungen. Schonen Patienten dann auch. Alles Dinge, die nicht nur nicht selbstverständlich waren, sondern zu Beginn unserer Engagements in der Sahara sogar undenkbar.
Wie schön, all das nun von einem Mann zu hören, der tagtäglich auf der Straße unterwegs ist um Esel zu behandeln. Und der es deshalb wissen muss. Nicht mehr und nicht weniger, auch wenn es pathetisch klingen mag – ein Traum beginnt wahr zu werden!!!
Am Abend kommt noch Houda vorbei. Die junge Frau, zusammen mit Achmed, ihrem Bruder, ist eine Art ‚rechte Hand‘ im Wüstenstaat; sie erledigt unsere Bankgeschäfte, zahlt die Gehälter aus, besorgt die Medikamente, verteilt sie an das Team. Und steht immer mit Rat und Tat zur Seite. So viele Fehler kann ein Außenstehender machen, vor allem die Mentalität betreffend. Da braucht es jemanden aus der Gesellschaft, nur dann kann ein ehrgeiziges Projekt wie dieses letztendlich funktionieren!
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Foto oben: so schön zu sehen – immer öfters wird den Eseln Wasser oder gar Essen gereicht!
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Wir besprechen verschiedenste zentrale Angelegenheiten, aber was am wichtigsten ist, auch sie unterstreicht Dr. Dieng’s Worte! Sogar eine Verwandte, die einige hundert Kilometer außerhalb der Stadt wohnt, habe ihr gesagt, dass sie es ganz und gar wunderbar fände, dass in Nouakchott eine mobile Klinik für die Esel betrieben wird. Und dass das ganze Dorf über diese Initiative spricht – unglaublich!
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Foto: Tiere finden sich in Nouakchott überall…
Mittwoch; auch heute entscheiden wir – im Gegensatz zu den früheren Einsätzen – die ganze Arbeitszeit über an einer Stelle zu bleiben; nachdem Zappa und Mohamed am Strand den Tieren beistehen, dort traditionell etwas weniger Esel zu behandeln sind, fällt die Wahl nicht wirklich schwer: Dr. Dieng und Moussa, sie sind nämlich am Eselmarkt! Schon beim Betreten dieses Ortes, in Fakt schon weit vor dem eigentlichen Ziel, wird man sich der Endlichkeit des eigenen Seins so richtig bewusst. Zuerst geht es nämlich vorbei am Tiermarkt, wo vor allem Hühner und Schafe sowie Ziegen verkauft werden und dann auch gleich hinter unglaublich versifften, mit Blut vollgesogenen Mauern ihr Leben ohne jede Betäubung durch einen Kehlschnitt aushauchen. Früher haben wir die so grausame Prozedur oft für Dokumentationszwecke beobachtet, aber heute sehe ich keinen Sinn mehr darin, den Geist mit derart schrecklichen Bildern zusätzlich zu belasten. Für Aufklärungszwecke nützt das so erlangte Material ohnehin wenig, weil Menschen, die nicht überzeugt werden wollen, auch durch derartige Bilder nicht zu überzeugen sind; weil sie für alles und jedes eine Ausrede finden, warum das eigene Handeln eben anders ist als das gezeigte.
Die Zufahrt zum Eselmarkt ist fast merkwürdig aufgeräumt. Kein Abfall wäre jetzt eine bloße Übertreibung, aber doch wesentlich weniger als in den letzten Jahren. Überhaupt, das gesamte Straßenbild präsentiert sich angepasster, ganz so, als ob das Aufräumen zur nationalen Angelegenheit erhoben worden ist. Und vielleicht mag es auch so sein, morgen ist doch der große Tag, wo sich zum 59. Male die Unabhängigkeit von Frankreich jährt. Ist dem so, dann – nehmen Sie mich beim Wort – wird aber ab übermorgen, dann, wenn der Präsident mit dem Anblick zufrieden gestellt wurde, der Kreislauf erneut von vorne beginnen.
Es gibt in der mauretanischen Gesellschaft ein Murren; etwas neidisch blickt man auf seine Nachbarn, vor allem nach Tunesien, wo der arabische Frühling eingeläutet wurde, die Demokratie seither eindeutig am Vormarsch ist. Um das Rumoren etwas zu ersticken, hat der Präsident nun versprochen, als erstes – warum nur – den Fleischpreis deutlich zu senken, um rund 33 %. Dann sollen anderen Gütern und Waren nachziehen, Reis etwa, aber auch Benzin, welches hier im international Vergleich gesehen extrem teuer ist. 1 Liter kostet rund 1,50, also deutlich mehr als in allen umliegenden Staaten, aber auch als in Österreich; und dass bei einem Durchschnittsverdienst von wohl nicht viel mehr als 100 Euro…
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Am Eselmarkt herrscht dieselbe Triste und Grundtraurigkeit vor wie sonst immer auch; alleine die Präsenz dort ist ein Schlag in die Magengrube, zartbesaiteten Menschen nicht zu empfehlen. Man muss vorbereitet sein auf Anblicke, die man kaum ertragen kann, geschweige denn je wieder vergessen wird können; etwa den jenes Esels, den wir später behandeln werden, und der dem Anschein nach von jemanden im Gesicht verbrannt worden war; oder dem, dessen Hufe sich derart verformt hatten, dass sie unkenntlich wurden und der Arme kaum mehr einen Schritt gehen konnte. Was bleibt, ist jede Menge Arbeit; wir geben Spritzen, verabreichen Entwurmung, Antibiotika, verbinden blutende Wunden, stülpen einen Darm zurück an seinen Platz und vernähen die Wunde. Unermessliche Hilfe für die Geplagten. Mit dem Chef des Platzes, wir kennen ihn nun schon seit über 10 Jahren, verbindet uns übrigens eine echte Freundschaft; wir fallen uns auch sofort in die Arme, plaudern über das Gestern und das Heute und setzen dann den Einsatz fort. Haidera, so heißt der Gute, ist ständig bemüht unsere Doktrinen den Eselhaltern weiterzugeben, und er ist sehr erfolgreich damit. Ja, auf den Eselmarkt wird zwar noch immer geschlagen, und jeder Schlag davon ist einer zu viel, aber, obwohl natürlich jeder einzelne völlig unentschuldbar, passiert es nun hie und da, nicht wie noch vor wenigen Jahren als Gegebenheit. So sicher wie das Amen im Gebet wurde damals auf die Tiere gehaut. Oft und oft aus völligst unersichtlichen Gründen. Der Langeweile wegen. Da ist der heutige Zustand fast schon Labsal für die Seele.
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Fotos oben: wieder ein Darmvorfall, der absolute Behandlungspriorität hat!
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Fotos oben und unten: wie können Hufe derart verwachsen sein? Ohne Hufschmied ein Todesurteil für einen ansonst gesunden Esel – denn sobald er nicht mehr arbeiten kann wird er seinem Schicksal überlassen!
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Hinter dem Markt, Sie erinnern sich bestimmt, ist jenes weite Feld, wo die Leichen von wohl abertausenden, vielleicht hunderttausenden Opfern begraben sind; hier wurden tote Esel abgelegt, um in der Sonne zu verrotten. Aber auch solche, die zu schwach waren zu arbeiten, wurden einfach zurückgelassen. Zum Sterben verurteilt. Ohne Wasser, ohne Nahrung. Lebende Tote gleich standen sie da, bis Gevatter Tod sie erlöste. Sie mit sicherer Hand über die Regenbogenbrücke führte, nur eine leere Hülle zurücklassend.
Niemand braucht heute den Platz, kann in nutzen, wohl auch, weil nur 100 Meter weiter am selben Gelände eine offene Gerberei ihren Geschäften nachgeht. Wenn man weiß wie viele Giftstoffe bei dem Prozess ausgeschieden werden, dann wundert es nicht mehr, dass bis auf Leichen und Abfall sich kaum je eine Menschenseele an jenem selbst von den Elementen verdammten Ort länger aufhält…

Aber auch der, zur großen Überraschung, wirkt weniger brutal an diesem Tag, vermitteln nicht mehr so penetrant wie noch zuletzt den Eindruck der endgültigen Apokalypse. Jenen Platz, älter als Gott, den der Allmächtige während seiner Genesis offensichtlich einfach bestehen ließ wie er immer war, als Warnung dafür, was ohne sein Eingreifen mit diesem Planeten passieren könnte.
Es finden sich erneut viele Leichen, doch die allermeisten davon sind in der heißen Sonne längst verdorrt. Kürzlich gestorbene können wir kaum entdecken – es passiert also selbst hier etwas, was es auch immer ist, dafür gibt es nur ein Sprichwort: ‚Ich kann freilich nicht sagen, dass es besser werden wird, wenn es anders wird. Aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll (Georg Christoph Lichtenberg)!‘
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Fix und fertig mit der Welt ziehen wir uns am frühen Nachmittag zurück. Für den Tag haben wir genug Leid gesehen, mehr geht nicht. Beim besten Willen nicht. Zudem sind nun auch wieder einige Treffen angesagt; Saleck, unser langjähriger Vertrauter, Houda und ein Gespräch mit Behörden bezüglich des noch immer ausstehenden NGO-Status warten auf uns. Außerdem müssen ganz dringende Schreibarbeiten durchgeführt werden, die mich ohnehin den Rest des Tages beschäftigen sollen.
Auch einen kurzen Abstecher zu ‚Royal Air Maroc‘ schieben wir ins volle Programm ein; gerne würde ich zwei, drei Tage früher nach Hause fliegen, um dort zu sein, wo ich gebraucht werde, aber es stellt sich heraus – so einfach ist das leider nicht.
Heute ist es übrigens nicht ganz so heiß in Nouakchott. Am frühen Abend ziehen sogar Wolken ins Land, und ein wirklich frischer Wind verlangt fast schon nach langärmeliger Kleidung. Es sieht nach Regen aus, aber der ist hier so selten wie Schnee bei uns im Spätsommer.
Dr. Facharani und ich sitzen später noch lange auf der Terrasse, in Gespräche, Analysen und Zukunftsaussichten vertieft. So wird es wieder Mitternacht bis wir endlich die Lichter ausschalten.

Donnerstag, Unabhängigkeitstag. Die Nation feiert ihr 59-Jähriges Bestehen, 1959 hatte man sich endlich aus der Umklammerung Frankreichs befreien können. Viel Wirbel gibt es darum nicht, vielleicht ein bisschen gehäufter als normal üblich hängen die Fahnen von den Amtsgebäuden, und Straßenverkäufer bieten Trompeten, Kappen  und sonst noch allerlei in den Nationalfarben Gün-Gelb-Rot an jeder Straßenecke feil. Hupkonzerte im Verkehr gelten ebenfalls der Feierlichkeit, aber für Außenstehende ist dieses Faktum nicht weiter auffällig, weil ja doch ohnehin ständig auf die Tröte gedrückt wird.
Trotz des Feiertages haben sich Zappa und Mohamed sofort bereit erklärt, auch heute mit uns zusammen eine Arbeitsstätte zu betreuen. ‚Sonimax‘ ist an der Reihe, jener Ort, der zwischen den beiden Hauptmärkten der Stadt liegt und deshalb hoch frequentiert von Eselgespannen ist. Allerdings, geschuldet wohl dem Ruhetag, sind bei unserer Ankunft gerade mal ein oder zwei davon auf der Wasserstelle. Das soll sich aber nun schnell ändern – kaum haben wir die benötigten Werkzeuge und Medikamente ausgepackt, herrscht auch schon ein reger Ansturm. Wir kommen gar nicht nach mit den Injektionen, der Versorgung von Wunden und der Entwurmung. Derart viele Eselhalter tauchen plötzlich aus allen Richtungen auf, dass der Platz rund um die Wasserstelle eng wird. Dabei ist dieselbe, geschuldet dem Feiertag, ja gar nicht in Betrieb! Es stimmt wohl, Nouakchott ist trotz seiner Größe ein Dorf geblieben, und Neuigkeiten sprechen sich schnell herum – so auch diese aktuelle, nämlich, dass das RespekTiere-Team am Arbeiten ist!
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Fotos: wahre Helden: Moussa und Dr. Dieng, die völlig engegen der hiesigen Mentalität neben der Eselhilfe auch keine Sekunde davor zurückschrecken, Hunden in Not beizustehen!
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Einige Hufe gilt es zu schneiden, Antibiotika wird verabreicht, Augen werden eingetropft, gegen Parasiten wird behandelt – alles hundertfach. Auffällig ist, an dieser Wasserstelle tauchen leider wieder vermehrt Schlagwunden auf; warum, ist schnell geklärt: viele der Eselhalter am Platz kommen aus Mali, und auf die damit verbundene Problematik haben wir schon des Öfteren hingewiesen. Menschen aus Mali dürfen nämlich immer nur einige Monate im Land bleiben, und viele kommen, weil es zu Hause überhaupt keine Möglichkeiten für sie gibt. Was tun sie aber dann in Mauretanien? Sie mieten sich Esel, weil das vielleicht die einfachste und schnellste Art ist ein wenig Geld zu verdienen. Anders als bei den Mauretaniern nun, denen die Tiere meist gehören, wissen sie, sie werden nach Ablauf des Visums wieder zurückkehren in ihre Heimat; bis dahin aber, da werden sie aus den Eseln alles herausholen, was es herauszuholen gibt. Eine unfassbare traurige, hochgradig grausame Spirale beginnt…
Es ist ein schönes Arbeiten; wir vier ergänzen uns wirklich prima, und ich hoffe inständig, das sehen auch unsere mauretanischen Kollegen so! Jedenfalls vermitteln sie uns wenigstens diesen Eindruck. Gegen 12, wir haben nun einen Termin mit Diego, jenem Anwalt, der seit geraumer Zeit versucht, vereinseigene NGO-Papiere zu ergattern, brechen wir den Einsatz ab. Hoch zufrieden. So vielen Eseln haben wir geholfen, bestimmt wieder 150 an der Zahl. Einfach nur wunderbar!
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Foto: Warnwesten sind besonders beliebte Geschenke an Eselhalter, welche ihre Tiere offensichtlich besser behandeln!
Das folgende Meeting mit Diego, dem Anwalt, verläuft in gewohnt freundschaftlicher Atmosphäre; auch ihn kennen wir nun schon seit über 10 Jahren, und eine solch lange Zeitspanne verbindet. So erhalten wir dann neue Anweisung, welche dazu beitragen sollen, dass die für unser Anliegen noch benötigten Unterschriften für die gesetzliche Anerkennung des NGO-Status schneller gesetzt werden. Das Ministerium muss Druck verspüren, aber auch nicht zu festen. Behördengänge, sie sind ein Balanceakt, ohne die taktische Einweisung von Kennern bezüglich der hiesigen Mentalität hätte man wohl überhaupt keine Chance, mit welchem Begehren auch immer in Mauretanien bloss einen Schritt nach vorne zu schaffen! Jedenfalls, so Diego’s Rat, morgen sollten wir die deutsche Botschaft sowie die GIZ, die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, besuchen, und dort um Unterstützung für unsere Belange bitten. Genauso werden wir vorgehen!
Auch interessant: wir fragen ihn, zwar Spanier, aber schon seit Jahrzehnten im Land, wie er denn die Sache sieht. Ob der Fortschritt das Land endlich wirklich und umfassend erreicht hat. ‚Welchen Fortschritt meinst Du‘, antwortet er, ‚wenn Du die vielen neuen Straßenlaternen als Fortschritt siehst, dann vielleicht.‘ ‚Einen sozialen hat es aber ganz sicher nicht gegeben, ganz im Gegenteil‘, fügt er traurig hinzu. Und, dass die Firma, welche die Leuchtkörper installierte, eine des Präsidenten sei, und so das ausgegebene Geld geradewegs wieder zu ihm zurückkehrte, geht in jeglicher Berichterstattung sowieso unter…
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Freitag, neuer Tag, neues Glück! Auf Anraten des Anwaltes statten wir heute der deutschen Botschaft einen Besuch ab; wir wollen herausfinden, ob wir nicht von dort Unterstützung zur endgültigen Zertifizierung des NGO-Status erhalten könnten! Das Dossier liegt nun seit vielen Monaten in einer Schublade, versehen mit der Nummer 3782, und es fehlt nur noch eine klitzekleine Unterschrift für den nächsten Schritt. Aber genau hier spießt es sich irgendwie. Und natürlich würde es Eindruck machen, könnte eine offizielle Anfrage der deutschen Botschaft an das zuständige Ministerium folgen!

Vorher aber erscheint Dr. Dieng, mit Moussa im Schlepptau, beide bereit für den Arbeitseinsatz. Hatten wir doch tatsächlich vergessen abzusagen – aber die Beiden nehmen uns den Fauxpas natürlich nicht übel, sie bringen uns sogar noch zum Amtsgebäude, bevor sie ihren Weg zur Wasserstelle alleine fortsetzen.

Die deutsche Botschaft in Nouakchott ist eine große; Natodrahtbewehrt, massive Boller bilden einen undurchdringlichen Wall, machen es unmöglich für Fahrzeuge in die Mauern zu preschen (derartige Selbstmordattentate hat es in der Weltgeschichte zu oft gegeben). Hinter Panzerglasscheiben werden unsere Pässe entgegengenommen, dann heißt es erstmals warten. Die Frische, fast schon Kühle, der Nacht ist inzwischen längst wieder verflogen, heiß brennt die Sonne von tiefblauen Himmel.
Nach einigen Minuten erscheint auch schon der Sicherheitschef. Er fragt nach unseren Anliegen, verspricht daraufhin, er wird sich darum kümmern. Vielleicht könne er uns tatsächlich sofort einen entsprechenden Termin im Inneren verschaffen. Wieder warten. Weitere Minuten vergehen, aber nun öffnen sich tatsächlich die Tore für uns, und nach peinlich genauer Untersuchung – inklusive der Abgabe von Fotoapparat und Handy – folgen wir dem sehr freundlichen Sicherheitsbeamten Namens Peter auch schon ins entsprechende Büro. Das Gelände ist ein weitläufiges, mit der typisch deutschen Gründlichkeit gepflegt, einer Oase gleich inmitten des Tohuwabohus. Ich glaube mich zu erinnern, hier gibt es auch eine große Schildkrötenpopulation, eine für eine bestimmte Art überlebenswichtige.
Dann treffen wir Annette Coly, ihres Zeichens ‚Chargee d’affaires‘; die überaus nette Frau bittet uns Platz zu nehmen und unser Anliegen vorzutragen. Was wir natürlich gerne tun! Schnell wird ersichtlich, Frau Coly hegt großes persönliches Interesse am Tierschutz – wir sind hier also genau an der richtigen Stelle gelandet! Sie versteht unsere Beweggründe, stellt tatsächlich Hilfe in Aussicht.
Und sie wird nächste Woche sogar einen Team-Einsatz begleiten – wie wunderbar, denn sieht man erst mit eigenen Augen diese wundervolle Arbeit, man ist sofort gefesselt davon; da mache ich mir überhaupt keine Sorgen!
Fotos: Nouakchott-Impressionen
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Wir besprechen viele Dinge, überschreiten dabei die vorgegebene Zeit bei weitem; letztendlich aber möchte Frau Coly sogar noch mehr über das Projekt erfahren und so machen wir einen neuerlichen Termin aus, dann in ihrer Freizeit. Und besagtes Meeting wird sogar noch heute Nachmittag stattfinden! Super!
So geht es kurz zurück in die Herberge, wo wir anstehende Arbeiten erledigen. Gegen halb 1 müssen wir aber schon wieder aufbrechen, wir werden zu Fuß den ausgewählten Treffpunkt anvisieren, denn der ist nur wenig mehr als 1 Kilometer entfernt.
So sitzen wir später in einem netten, kleinen Restaurant, wo es übrigens auch vegane Gerichte gibt. Dort entwickeln sich wirklich interessante Gespräche, Möglichkeiten werden abwogen. Und ganz neue Perspektiven tun sich auf, auch hinsichtlich eines seit längerem von uns geplanten Gnadenortes für Tiere. Zu viel möchte ich jetzt aber nicht darüber schreiben, besser, wir lassen die Dinge auf uns zukommen und sehen was passiert. Jedenfalls, es ist ein wahrer Glücksfall, welcher uns hier mit Frau Coly zusammengebracht hat. Sie hat selbst vier Hunde, allesamt von der Straße aufgelesen, kümmert sich um Welpen, macht sich Gedanken über die Schafe, Ziegen und Pferde – selbstredend aber vor allem um die Esel! So viele Punkte gibt es, wo sie uns eine große Hilfe sein kann, ein breites Spektrum tut sich auf. Ja, wir können erwartungsvoll in die Zukunft blicken!
Gegen 15 Uhr verabschieden wir uns, im festen Versprechen, so Manches gemeinsam ins Laufen zu bringen. Schön!
Ein späterer Besuch im Reisebüro, wo wir unsere Rückflüge bestätigen sollten, nach all dem Chaos beim Herflug, ist allerdings wieder ernüchternd – die Agentur hat bereits zu, jetzt geht wieder ein bisschen das Bangen los, ob denn nächste Woche am Heimweg alles klappen wird können…
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Fotos: Kinder im Umgang mit den Eseln – leider nicht immer ist deren ein feiner…
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Samstag, es ist ein brütend heißer Tag. Wir finden uns wieder an einer Wasserstelle, die das Team im Normalen nicht regelmäßig betreut. Sie liegt weit außerhalb, aber dennoch nah genug, um die Tiere der hiesigen Eselhalter mit einer planmäßigen mitzuversorgen. Bei der Hinfahrt wird uns die ganze Misere dieses Landes wieder einmal bitter bewusst. Es geht durch Stadtteile, die weder mit Kanalisation noch mit Wasserleitungen gesegnet sind, das ganze Gebiet ruft unwillkürlich jene Bilder hervor, welche das Fernsehen aus Syrien oder anderen kriegsführenden Staaten sendet. Das Mauerwerk zerbrochen, die winzigen Blechhütten – zwar fast skurril, nämlich sehr oft mit Sat-Schüssel ausgestattet – sprechen eine deutliche Sprache. 3. Welt pur. Schrecklichste Armut. Hunderte Ziegen auf der Straße, einsame, verirrte Esel, Bettler an jeder Ecke. Straßenhunde überall. Behinderte, die zwischen den Autos mit gelähmten Beinen ein Auskommen mit aufgehaltenen Händen suchen. Zutiefst erschütternd!
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Auch auf der Wasserstelle herrscht dasselbe Bild vor. Menschen in zerfetzter Kleidung, verletzte Tiere, hoffnungslos überladene Eselkarren. Dutzende Kinder, die jeden unserer Schritte verfolgen.
Zappa und Mohamed sind längst vor Ort, als Achmed, Matthias und ich den Platz erreichen. Und sofort beginnen wir mit der Arbeit. So kräftezehrend ist diese, man glaubt es nicht. Eine Injektion nach der anderen, dazu ständiges Eintropfen der Augen, die bei fast jedem Esel tränen. Hundertfach, ohne jede Übertreibung. Ich glaube ich habe es bereits erwähnt, die Augenprobleme sind geschuldet dem Sand, der in der Luft flirrt. Asphalt gibt es weit und breit keinen. Die Eselhalter sind, ohne jede Frage wegen der unwirtlichen Bedingungen – wir hatten dies schon im letzten Jahr bemerkt – sehr nervös, gestresst, in der eigenen Tragödie gefangen. Und es wird, anders als sonst wo, noch immer viel geschlagen – was wir natürlich nicht kommentarlos hinnehmen, im Falle ständig dazwischen gehen. Noch dazu, viele Kinder, manche davon keine 8 Jahre alt, kommen mit Eseln an. Allesamt ahmen sie die Älteren nach; ein Junge beispielsweise, wir beobachten ihn über Minuten hinweg, sitzt alleine am Karren, zwei Esel vor sich. Immer wieder übt er, wie denn der Schlagstock auf die armen Tiere niedersausen soll. Zappa klärt ihn schließlich auf, versucht ihm zu bewusst zu machen, das Gerät brauchst du gar nicht. Versuch es mit Sanftheit. Ob er Erfolg haben wird? Da kommen leichte Zweifel auf…
Es gibt hier auch jede Menge Hunde; wie gefährlich sie sich zwischen den Eselkarren tummeln. Sie suchen den Schatten der Gefährte, versuchen irgendwie der sengenden Sonne zu entkommen. Oh ja, es werden dadurch bestimmt jede Menge von ihnen verletzt, dann, wenn ich die Esel plötzlich bewegen und der Karren ins Rollen kommt; nur lernen tun sie aus der Problematik offensichtlich nichts. Nicht ohne Grund wohl sind diese Ausgestoßenen der Gesellschaft auch allesamt sehr scheu, was bestimmt an der Anwesenheit der vielen Kinder liegt. Denn die, aus purer Tristesse, jagen sie immer wieder in großen Gruppen. Schrecklich anzusehen.
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Foto oben: immer finden sich viele Hunde unter den Eselkarren; Verletzungsgefahr immens!
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Foto: Dr. Facharani zeigt den Kindern was Esel gerne haben – hier eine Massage mit der Bürste!
Manche der Männer sind hoch dankbar für die Unterstützung durch unser Team (nicht alle, es muss auch erwähnt werden dürfen. Viele nehmen das ‚Service‘ einfach kommentarlos hin, verlangen sogar dies und jenes wütend extra). Welche Arbeit Zappa leistet, es muss immer wieder hervorgehoben werden. Eselhufe zu bearbeiten funktioniert nur unter äußerster Anstrengung. Es ist Schwerarbeit wie sie im Buche steht. Und gefährlich noch dazu!
Aber auch Mohamed hat so viel dazugelernt. Er, der immer sanft ist, ist inzwischen ein perfekter Tierarzt. Mit unnachahmlicher Leichtigkeit setzt er seine Arbeitsschritte, kann mit den Eseln super umgehen und auch mit den Menschen. Nur wenn jemand schlägt, dann merkt man, er kann auch ganz anders. Und das ist gut so!
Knapp vor Arbeitsende kommt ein hoffnungslos überladener Eselkarren zum Behandlungsort. Das arme einspannte Tier zeigt sich völlig gestresst, und als die Kinder rundherum auch noch für zusätzliche Unruhe sorgen, versucht der Esel plötzlich sein Heil in der Flucht zu suchen. Tatsächlich setzt er einige Schritte eine Anhöhe hinauf, wo aber nun das gesamte Gewicht ruckartig nach hinten drückt – und der kippende Wagen ihn schließlich zweieinhalb Meter in die Luft hievt! Da hängt der Arme fest, von gut 500 Kilogramm den physikalischen Grundgesetzten entrissen!
Mit vereinter Kraft schaffen wir es letztendlich den massiven Karren wieder in Position zu bringen, nicht aber ohne davor das gesamte Wasser, 400 Liter, in den Wüstensand abzulassen. Ein immenser Schaden für den Eselhalter, er verdient ohnehin nur um die 5 Euro am Tag, und ein furchtbares Zeugnis dafür, mit welchen eigentlich unbewältigbaren Mühen diese Tiere hoffnungslos überfordert sind…
 
Zu Ende des Einsatzes, es sind viele Sonnenbrillen und andere Geschenkartikel übriggeblieben, versuche ich diese unter den Kindern zu verteilen. Uff, so etwas sollte man besser nicht machen, zumindest nicht in jener Form. Nur mit Müh und Not kann ich mich aus der Umklammerung befreien und noch lange laufen ganze Heerscharen auf dem Weg aus der Öde hinter uns her.
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Was wir auch so oft als möglich tun – wir verteilen Warnwesten an behinderte Menschen, solche, die sich im Rollstuhl oder kriechend mitten im Verkehr bewegen. So dankbar sind die Armen dafür, es ist einfach nur herzzerreißend. Warum auf derart einfache, aber sicher hoch effektive Hilfestellung die ganzen großen Hilfsorganisationen – sie sind in Mauretanien alle vor Ort – nicht auch kommen, es verwundert uns ein bisschen.
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Foto oben: der arabischsprechende Dr. Facharani erklärt den Kindern den richtigen Umgang mit den Eseln!
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Fotos oben: Esel, schwer verletzt im Gesicht, Maden sind auf der Wunde; rechts: aus Müll basteln sich die Kinder Spielzeug…sooo traurig anzusehen.
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Am späteren Nachmittag haben wir die Teamsitzung angesetzt. So nehmen wir dann alle Platz am runden Tisch im Garten bei unserer Herberge, wo – so gegensätzlich zu allen anderen Höfen in Mauretanien – großer Wert auf Bewuchs gelegt wird. Einige wunderschöne, grüne Bäume, Hecken, es gibt sogar ein paar Quadratmeter echtes Gras!  
Houda, Achmed, Moussa, Dr. Dieng, Zappa, Mohamed, Matthias und ich beginnen alsbald diverse Vorgänge zu bereden. Neue Medikamente müssen in unsere Listen aufgenommen werden, moderne Behandlungsmethoden harren der Erörterung, über alltägliche Probleme während der Arbeit wird gesprochen, aber auch das Zwischenmenschliche soll dabei nie außer Acht gelassen werden – in einem Land, wo die Mentalität verlangt, dass ernste Gespräche dazwischen auch Auflockerung brauchen, mehr als selbstverständlich. So wechseln sich ernste Mine mit Händeklatschen und gegenseitigem Augenzwinkern ab. Natürlich zahlen wir dem Team dann auch Prämien aus, es war ein tolles Jahr, wo wirklich viel geleistet wurde. Und welches als vom Fortschritt gekennzeichnet in Erinnerung bleiben wird!
Die Konversation dauert bis zum fortgeschrittener Abend; dann endlich, von Müdigkeit gezeichnet, wünschen wir uns eine gute Nacht. Zufrieden ziehen nun alle ihre Wege, die sich dann nicht lange trennen werden – für morgen haben wir nämlich noch einen intensiven Arbeitstag angesetzt.
Matthias und ich gehen jetzt schnell zum Einkauf; hungrig wie wir sind! Und sparsam, so viel steht fest! Denn es sind immer dieselben Geschäfte, kleinste Läden, wie wir aufsuchen. In einem kaufen wir Wasser, weil es dort zum selben Preis gekühlt ist. Im anderen ein bisschen Obst und Gemüse, und in der Bäckerei das einheimische Baguette-Brot. Dessen Preis ist übrigens staatlich gestützt und kostet seit wir in Mauretanien sind immer das gleiche, nämlich 10 Ougyuia, umgerechnet rund 25 Cent. Butter haben wir von zu Hause mitgebracht (es findet sich in Mauretanien nur sehr schwer eine vegane). Überhaupt, Essen ist für uns keine finanzielle Belastung. Marmelade noch, aber sonst müssen wir nichts einkaufen, unsere Ernährung beschränkt sich auf Erwähntes plus jeden Tag eine jener chinesischen Fertigsuppen, wo die Nudeln nur mehr mit heißem Wasser übergossen werden müssen. Und mehr als ok ist’s! 🙂
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Foto: v.l.n.r. Achmed, Zappa, Houda, Tom, Moussa, Mohamed, Dr. Dieng, Dr. Facharani
Sonntag, heute ist der letzte Arbeitseinsatztag; am frühen Morgen warten wir auf Dr. Dieng, mit ihm und Moussa werden wir noch an der einen oder anderen Wasserstelle unser Bestes geben. Achmed kommt uns abholen, etwas aufgeregt; er hat eine kleine, verletzte Katze entdeckt, deren Pfote schrecklich verstümmelt ist. Minuten später versuchen er und ich sie zu erwischen, aber obwohl so stark behindert, entkommt sie uns immer wieder. Schließlich helfen mehrere Menschen zusammen; einer der Mitstreiter, er spricht gutes Englisch, ist höchst dankbar für den unerwarteten Einsatz; er meint, er hätte den kleinen Kater schon seit Tagen zu fangen getrachtet, bisher allerdings erfolglos. Das arme Katzenkind ist völlig verloren, sucht auch offensichtlich Kontakt, allerdings will und will es sich nicht anfassen lassen. Immer wieder entwischt es hinter Autos, schließlich sogar in eine Mauerspalte. Schon wollen wir aufgeben, als das Kätzchen aber wieder daraus erscheint. Schließlich gelingt es uns tatsächlich, es in einen Hauseingang zu treiben, wo ich das Kätzchen hinter einem Stapel Müll zu fassen bekomme. Nicht gut durchdacht, denn jetzt fehlt natürlich eine Box, wo wir den Süßen reingeben könnten. Und schon im nächsten Augenblick beißt er mich, verständlich aus seiner Situation betrachtet, sodass dicke Blutstropfen rinnen. Grrr… dennoch kann ich ihn aber weiter festhalten; und da kommt auch schon ein junger Mann mit einer Schachtel, worüber wir ein im Abfall gefundenes Stück Stoff spannen! Natürlich kommt der Kleine nun mit uns mit; Dr. Dieng erklärt sich schließlich sogar bereit, ihn zu Haus zu behandeln, und dann auch gleich bei sich aufzunehmen. Wir werden also nochmals auf die Geschichte zurückkommen, vielleicht findet sich ja sogar irgendjemand, der/die eine Patenschaft für den Süßen übernehmen möchte?
Wie fein, welch ein Tagesbeginn – ein todgeweihtes Leben scheint gerettet! Und eine Einsicht folgt, die wirklich wunderbar ist: wo immer wir versucht haben Tieren beizustehen, waren Leute bereit zu helfen. Haben sich mit uns und den Verletzten gefreut, wenn solche Versuche erfolgreich waren. Und das ist ein gutes Zeichen: Tierliebe steckt vielleicht doch in (fast) jedem von uns (ich schreibe, sie werden es bemerkt haben, ziemlich ausschließlich in der Männlichkeitsform; dies deshalb, weil in einem islamischen Land – zumindest für Außenstehende ersichtlich – praktisch nur Männer in den uns betreffenden Bereichen involviert sind)!!!
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Fotos oben: Rettung des kleinen Katers; jetzt heißt’s Daumen halten!!!
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Fotos: Arbeitseinsatz Wasserstelle!
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Fotos oben und unten: gar nicht so leicht, einem wilden Pferd eine Spritze zu setzen – Moussa zeigt wie’s geht!
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Dann zur ersten Wasserstelle; dort gibt es neben den vielen Eseln zusätzlich drei Pferde, eines davon ein Fohlen. Das Kleine hat sich soeben losgerissen und irrt im Verkehr herum. Wie gefährlich! Doch auch das Pferdchen wird schließlich eingefangen und zu den Eltern zurückgebracht. Allesamt wird die Familie von uns letztendlich mit Ivermectin behandelt. So dann natürlich auch eine Menge an Eseln, deren Halter sich äußerst dankbar zeigen. Gröbere Verletzungen gibt es hier nicht, dafür aber am nächsten Ort – eine kleine unscheinbare Wasserstelle, wo sich aber dennoch eine Menge Menschen und Tiere tummeln. Dabei findet sich ein Esel, sein Halter fragt um Hilfe; ‚sein‘ Tier hatte eine Wunde am Rücken, welche er selbstständig behandeln, steril machen wollte: durch Übergießen mit Batteriesäure!!! Unfassbar! Moussa reinigt die Verletzung, dann werden Antibiotika und andere Mittel verabreicht.
Ein weiterer Esel hat einen schlimmen Abszess. Blut tropft aus einer offenen Wunde. Hier muss eine Drainage gelegt werden, damit das Blut in der dicken Schwellung abrinnen kann – was uns unter vereintem Kraftaufwand gut gelingt.
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Foto oben; eine riesige Wunde, zwecks Keimabtötung einfach mit Batteriesäure übergossen – es ist manchmal unfassbar…
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Fotos unten: ein schlimmer Abszess muss behandelt werden!
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Wieder werden in Folge ganze Flacons von Medikamenten gespritzt, im Vierer-Team geht das rasend schnell. Kleine Blessuren müssen wir verarzten, und die immer präsenten Kinder erhalten schließlich auch ‚Unterricht‘ in Form unserer Bildbroschüre über die richtige Behandlung von Eseln !

Es ist heute wieder brütend heiß. Kein Wölkchen hindert die Sonneneinstrahlung, die Temperaturen klettern schnell auf die 35 Grad-Marke. So sind wir dann doch etwas froh, als wir am frühen Nachmittag den Einsatz abbrechen – geschuldet auch dem Kätzchen im Auto, welchem sich Dr. Dieng in Folge annehmen muss!
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Fotos: die Mädchen lesen begeistert unsere ’so behandle ich meinen Esel-Broschüre‘
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Fotos oben und unten: Anbringung eines Reflektors – soooo wichtig!!!
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Jetzt geht es nochmals schnell zum Hühnermarkt; Achmed und ich spazieren durch die Reihen, es ist wirklich ein schrecklicher Ort. Fische liegen in der prallen Sonne, Hühner in den Käfigen, dazwischen Kaninchen, Enten, Tauben und Schildkröten. Alle sind sie hier in der Hölle gelandet, für sie gibt es kaum einen schlimmeren Platz zum sein. Kauft jemand ein Huhn, wird das Tier unsanftest an den Beinen gepackt und mit dem Kopf nach unten transportiert. Die Händler übernehmen selbstverständlich auch direkt vor Ort das Schlachten, wenn gewünscht…
Ja, man ist zutiefst froh, setzt man seinen Schritt wieder in die ‚Außenwelt‘, weg von dem Getümmel und den oft schrecklichen Gerüchen. Da, wo menschliches Leben kaum zählt, ist das tierliche Leid ein umso mehr übersehenes…
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Es ist bereits später Nachmittag, als wir nochmals Zappa zum Gespräch treffen. Der Gute baut gerade an einem kleinen Häuschen, weil ihm die Mieten zu teuer geworden sind. Dafür bräuchte er aber Unterstützung, verständlicherweise. In der Debatte erfahren wir schließlich – Zappa is(s)t als einer der ganz, ganz wenigen MauretanierInnen kein Fleischesser. Der gute Mann überrascht uns immer und immer wieder auf ein Neues!
Ja, und ein unumgänglicher Protest stehe noch an: so sehen sehr überraschte PassantInnen dann einen Aktivisten im Hundekostüm, der ein Transparant mit der Aufschrift ‚Stop the Killing!‘ von sich streckt, an der Straße stehen!

Langsam geht nun die Sonne unter im Wüstenland. Etwas nachdenklich sitzen wir auf unserer kleinen Terrasse, lassen die vergangenen Ereignisse Revue passieren. Aber morgen ist Abreisetag, wir müssen früh raus. Schon um vier wird uns Dr. Dieng von der Herberge abholen, deshalb gilt es einmal früher schlafen zu gehen. So ganz wird aber nichts aus dem Wunsch, noch ist so einiges zu erledigen, aber gegen halb 12, 12 matere ich mich dann doch in den Schlaf. Es wird, wie zu Beginn der Reise, ein traumloser werden.
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Foto oben: Protestkundgebung – einzigartig wohl in Nouakchott!!!
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Foto rechts: verheilte Bisswunde an Dr. Facharani’s Arm – Glück gehabt!
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Foto oben: ein nachdenklicher Mohamed…
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Foto rechts: auch unsere Aufkleber ‚Wer Gnade am Tier übt…‘ werden wieder zahlreich geklebt!
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Schon schrillt der Wecker; schnell ein kleines Brot gegessen, dann tragen wir bereits das Gepäck runter in den Garten. Pünktlichst ist Dr. Dieng da – und auf geht es in Richtung Flughafen! Dort wird nochmals die Spannung steigen, denn unsere Rückfahrkarten hatten sich bis zuletzt nicht bestätigen lassen…

Es liegt ein weiter Weg vor uns; gut 40 Kilometer außerhalb des Zentrums gelegen geht es durch leere Wüstenlandschaften. Ein warmer Wind bläst, die gesamte Strecke schnurgerade und mit erwähnt riesigen Laternen versehen. Da stehen sie, in Reih und Glied, alle paar dutzend Meter eine nach der anderen. Ja, da hat jemand eine Menge Geld verdient an einem Service, welches für die arme Bevölkerung keinerlei Nutzen verspricht.
Dr. Dieng erzählt vom kleinen Kätzchen; wie wild es ist – kein Wunder, hat es doch bisher vom Menschen nur Schlechtes erfahren – aber das wesentlich größere Problem: der kleine Kater isst auch nicht, rührt selbst seine Milch nicht an. Es heißt also weiterhin zittern und Daumen drücken für das winzige Leben…
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Fotos: Geschenke werden zahlreich vergeben!
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Ja, am Flughafen geht dann doch alles gut, ob der Erfahrungen der letzten 10 Tage fast schon wider Erwartens. Keine Probleme treten auf, und dass, obwohl die spätestens 2 Tage vor dem Nach-Hause-Weg zu erledigende Bestätigung für das Rückreise-Ticket einfach nicht klappen wollte. So sind wir dann ohne Papiere am Schalter, was in einem Land wie Mauretanien schon ein leichtes Kribbeln auslöst. Nichtsdestotrotz, um 6 Uhr morgens sitzen wir bereits am richtigen Gate im Flughafen von Nouakchott.
Bis nach Casablanca soll dann auch alles ruhig verlaufen; ein perfektes Flugerlebnis, kein Rütteln, kein Lärm, nur angenehm. Am marokkanischen Flughafen allerdings beginnen die Probleme erneut; weil wir die meisten Menschen, die sich doch schon bei der Landung im Gang zu drängen beginnen, erst mal aus der Maschine lassen, füllt sich der für den Transport zum Gate abgestellte Bus rasch – und braust davon! Ok, dann halt der nächste, er wartet ja eh schon. Nur, vor uns werden nun plötzlich mehrere uralte Männer den Flugzeuggang entlang und dann die Treppe hinuntergeführt. Überholen geht nicht, und jetzt wird es richtig knapp!  Die Sicherheitskontrolle, sie zieht sich, und das Boarding für die Maschine nach Wien hat längst begonnen! Was wiederum den Faktor der Nervosität in die Höhe treibt! So ziemlich im letzten Moment aber werden dann doch noch die Boardingpässe gescannt, grünes Licht für den Zutritt leuchtet auf – und wir sitzen im letzten Flieger der Saison, in der Hoffnung, die Royal Air Maroc wird uns sicher nach Hause bringen.
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Foto: Kontrast zur Wüste – schneebedeckte Alpen von oben!
Fotos unten: Arbeitsimpressionen
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Foto unten: typisches Nouakchott-Auto; bereit für den TÜV?
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So endet ein höchst abenteuerlicher Einsatz, ein wundervoller, letztendlich doch noch bestmöglich effektiver! Esel in Mauretanien ist ein Projekt, welches, erst einmal darin gefangen, nie mehr loslässt. So viel gibt es zu tun, so viele Möglichkeiten zum Helfen, und so unfassbar wichtig ist jede Initiative. Es ist ein Versprechen, solange wir fähig sind zu arbeiten, solange werden wir jede einzelne davon sowas von nützen. Denn, ohne jede Frage, diese Tiere, sie brauchen uns. Und zwar ganz, ganz dringend! Bitte helfen Sie uns helfen!
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