wie eine 84 Jahre alte Frau eine Herberge für 100 Hunde schafft, von furchtbaren und schönen Orten und diversen anderen respekTIERE IN NOT-Einsätzen!

Hier ist nun der große Bericht zu unserer Einsatz-Reise nach Rumänien und Serbien! Wir entschuldigen uns für die Verspätung, die dann den vielen Ereignisse der letzten Tage geschuldet ist!
Endlich hat uns der Highway wieder! Das orange RespekTiere-Mobil ist am Weg nach Rumänien, durchquert soeben die weiten Ebenen des Ostens. Vorbei an den riesenhaften Stahlmonstern, die selbst dem Wind längst die Freiheit genommen haben, ihn nun gefangen halten und zur ständigen Arbeit zwingen; wie eine Roboter-Armee stehen die eisernen Soldaten in Reih und Glied, eine unbesiegbare Macht, ihre gigantischen Arme greifen unermüdlich in einen natürlichen Kreislauf ein, verschrecken alles Wild um sich, töten die Vögel des Himmels, und verwandeln ganz nebenbei das weite Land unter sich in einen uferlosen Industriepark. Nichtsdestotrotz, die erzeugte Energie ist ein ‚grüne‘, und – ich habe es schon einmal erwähnt – ohne Alternativen aufzeigen zu können, ist Kritik leider immer bloß entbehrlich.

Lange, viel zu lange hatten wir den Weg nicht mehr angetreten, zu unserer Schande! Doch das zweite Halbjahr 2019 ließ uns kaum Luft zu atmen, so viel war zu tun, und deshalb kam das Karpatenland zu kurz in unseren Bemühungen. Wir hatten im Zuge der letzten Reise aber wenigstens enorm viel an Hundenahrung gebracht – und auch im Nachhinein ständig sichergestellt, dass es zu keinen Engpässen kommt – sodass Frau Oprea’s Schar, unserer Hauptziel, in der Zwischenzeit keinesfalls hungern musste; wäre dieser Fall eigetreten, wir wären natürlich trotz aller Problematiken sofort losgefahren.
Doch nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo sämtliche Vorräte kurz vor dem Aufbrauchen sind – der Van ist deshalb vollbeladen, gut eine Tonne an Gütern hat in seinem Inneren Platz gefunden!!!
Foto: es ist immer wieder auf ein Neues eine besondere Aufgabe den Van zu beladen – und eine, die sehr viel Zeit benötigt!
Fotos, links: der obligatorische LKW-Stau bei Budapest; rechts: Georg, bei der verdienten Pause kurz vor der Grenze zu Rumänien!
Foto: die Götter meinen es gut mit uns – auch an der Grenze ist nicht besonders viel los!
Foto: ‚Straßenbenützungsgebühr‘ ist gleich nach Eintritt in das Karpatenland zu entrichten – wer je nach Rumänien fährt, Achtung! Dies ist keine Autobahnmaut, sondern muss generell für die asphaltierten Wege entrichtet werden! Die Kosten sind aber moderart: für den großen Van werden 6 Euro verlangt.
Nachdem er schon die letzte Reise nach Bulgarien, zum Kastrationsprojekt im vergangenen Herbst, mitgemacht hat, sitzt Georg erneut neben mir; wieder tut er sich einen immer anstrengenden Einsatz an, um dringend benötigte Hilfe dorthin zu bringen wo sie gerade händeringend gebraucht wird. Einfach nur sehr cool!
Wir treffen uns an einer Tankstelle bei Wien, und nach der freudigen Begrüßung hat uns die Straße auch schon fest im Griff. Entgegen den Befürchtungen – in Ostösterreich haben ausgerechnet heute die Semesterferien begonnen, ein Datum, welches die Autobahnen schnell in eine Stauhölle zu verwandeln imstande ist – kommen wir gut voran. So passieren wir im Handumdrehen die ungarische Grenze, auch das Wetter präsentiert sich neben dem Verkehrsaufkommen im Prinzip ideal zur Reise. Zwar viel zu warm für die Jahreszeit, die Temperaturanzeige verrät zwischenzeitlich 14 Grad über Null, dazu bei bewölktem Himmel trocken, setzt erst im Magyarenland immer wieder Regen ein. Wirklich behindern tut uns aber auch der nicht, und so werden wir nur an der Umfahrung der Ungarn-Metropole etwas ausgebremst; eine permanente Baustelle verursacht dort den nahezu obligatorischen Verkehrskollaps, welchen wir aber mit bloß kurzen Verzögerungen mithilfe von Mr. GoogleMaps gut umkurven können. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erkennen wir dann bereits den blau-gelb-roten Banner Rumäniens und selbst die Zollstation ringt uns an diesem Tag kaum Zeit ab. Ja, sogar die Beamten meinen es gut mit der Hilfsfahrt, sie kontrollieren nur die Pässe, die Fracht im auf Biegen und Brechen bis unters Dach vollbeladenen Van scheint sie nicht wirklich zu interessieren!
Inzwischen hat kurzfristig wieder die Sonne die Oberhand über das Firmament gewonnen, und ihre im fernen Wolkenmeer versinkenden Strahlen überziehen den Horizont nun mit dem vorstellbar malerischsten Rot. Imposant, gewaltig, ein Inferno aus Feuer über den westlichen Gefilden. So dramatisch, dass der Anblick in seiner ganzen Herrlichkeit an theatralische alte Kirchengemälde erinnert, Golgota im Hintergrund, das Leiden Jesus nahezu spürbar.
Die Autobahnen in Rumänien, Teilstrecken sind fertig, präsentieren sich natürlich im Bestzustand; fast jungfräulich, kaum befahren, ganz so, als ob die Menschen das Neue schonen möchten und deshalb lieber die Nebenstraßen benutzen. Jedenfalls, kaum ein Fahrzeug vor und hinter uns, eine solche Perspektive ist auf einem gut ausgebauten Highway dann doch recht ungewohnt.
Kurz vor unserem heutigen Ziel, wieder werden wir bei der so wunderbaren Frau Doina in San Andrei bei Temeswar übernachten können, verlassen wir die Autobahn. Die letzten gut 20 Kilometer geht es nun über Landstraßen, und im selben Moment des Abfahrens werden wir dann auch schon wieder auf den Boden der Realität zurückgeworfen – ein Schlagloch reiht sich an das nächste, manche davon tief wie kleine Krater. Über die halbe noch zurückzulegende Strecke läuft dennoch alles perfekt, solange, bis wir letztndlich doch noch eine dieser gemeinen Gruben übersehen. Eine, unter abertausenden, aber die genügt. Mit einem lauten Rumps ächzt das orange Monster, und sofort ist klar: jetzt haben wir ein Problem! Tatsächlich betont der Van ab nun bei jeder kleinen Unebenheit sein Gebrechen, sodass uns stellenweise angst und bange wird. Bestenfalls hat es ein Radlager erwischt, mutmaßen wir, natürlich könnte der Schaden auch ein gravierenderer sein, ein solcher, der die Weiterfahrt ab morgen schwer in Frage zu stellen imstande wäre. Was tun? Das Schwierige: was auch immer es ist, im Moment müssen wir einfach nur weiter! Es hilft nichts, Ablenkung lautet die Devis, und so versuchen wir im Augenblick nur an den folgenden Termin zu denken; denn ein Anruf genügte, und tatsächlich dürfen wir noch heute die mitgebrachten Güter für die Behindertenbetreuungsstätte unweit von Frau Doina’s Heim abladen. Marius, der Leiter der so unfassbar wichtigen Einrichtung, öffnet uns bald darauf auch schon die Pforten, trotz der inzwischen sehr fortgeschrittenen Stunde – ein Umstand, der uns mit zusätzlicher Dankbarkeit erfüllt; denn der gute Mann musste hierfür extra aus Temeswar anreisen, ist die Tagesstätte doch eigentlich zu dieser Abendszeit längst geschlossen! Sein Einsatz kommt uns sehr entgegen – sollten wir doch morgen noch vor Einbruch der Dunkelheit bereits Novi Sad in Serbien erreichen… Und alleine der vorhergehende Besuch bei Frau Oprea und ihren über 100 Hunden wird uns bestimmt zumindest den Vormittag abringen. Jeder zusätzliche Termin ist also eine umso stärkere Belastung, denn selbst wenn beim Hundeasyl alle sperfekt läuft, die Tatsache bleibt, dann sind wir immer noch in Temeswar. Gut 200 Kilometer von Novi Sad entfernt. Über Landstraßen, eine Autobahnverbindung in diese Richtung gibt es noch nicht. Alles knapp bemessen dieses Mal, wie gesagt, geschuldet den vielen, vielen Terminen in der Heimat…
Foto: Abenrot – Schönwetterbot, lautet eine (umstrittene) Bauernregel; in unserem Falle traf sie zu, auch die nächste Tage sollten durchwegs gutes Wetter bringen!
Marius erwartet und in all der den RumänInnen so eigenen Herzlichkeit; nachdem wir uns kurz begrüßt haben, beginnen wir auch schon den Van zu entladen. Angefangen von den Dingen des täglichen Bedarfs, über Kleidung karton- und säckeweise bis hin zum Kinderspielzeug, einfach alles durften wir Dank Ihrer Sammelhilfe mitbringen! So schön zu wissen, die Sachen werden hier gebraucht, alleine für die 28 PatientInnen, manche davon so schwer behindert, dass sie weder hören noch sprechen können; ganz nebenbei unterstützt Marius aber zudem auch noch viele notleidende Familien; da sind die Mäntel, Hosen, Schuhe und Kinderkleider immer äußerst gefragt…

Nachdem wir einen ganzen Raum mit dem Mitgebrachten vollgepackt haben, zeigt uns der Liebe voller Stolz das Haus. Es gibt eine Raum fürs Kochen, wo gerade die uralte gegen eine gebrauchte Großküche – welche ihrerseits vor kurzem mittels Hilfstransport aus Deutschland gekommen ist – ausgetauscht wird; ein Gemeinschaftsraum, ein Therapieraum, ein Lese-und Lernzimmer, eine durchdachte, behindertengerechte Sanitäranlage – die allerdings zwecks Mangels an Möglichkeiten immer nur geschlechterspezifisch betreten werden darf. Platz und Finanzen für ein zweites Bad oder eine zweite Toilette gibt es leider nicht.

Alles im Zentrum ist noch immer hochweihnachtlich geschmückt, sogar ein riesiger Christbaum lächelt uns in voller Pracht entgegen. Einfach schön! Ganz nach altem Brauch wird das Glitzermeer erst zu Maria Lichtmess entfernt.
Marius erzählt von den Tücken des rumänischen Gesetzes, beispielsweise, dass es behördlich verboten ist, im Kühlschrank Produkte mit nicht-rumänischer Aufschrift zu lagern. Oder offene Packungen. Oder Suppe, die gestern übriggeblieben, also noch völlig in Ordnung ist. All das darf man aus oft unerfindlichen Gründen nicht, und würde die Aufsichtsbehörde, die natürlich unangemeldet kommt, solche Dinge vorfinden, wären empfindliche Strafen die Folge; Strafen, die bis zur Schließung der Einrichtung führen könnten.
Fotos, links, das RespekTiere-Mobil bis unters Dach befüllt! rechts: alle Tagesstätten-BewohnerInnen haben ihren eigenen ‚Stern‘ an der Wand!
Foto: Georg im noch immer weihnachtlich geschmückten Gemeinschaftsraum!
Foto oben: Marius und Tom vor den mitgebrachten Waren!
Foto unten: die Lichter von Temeswar erhellen den Nachthimmel
Die Zeit der Verabschiedung naht; eine feste Umarmung später sind wir dann endlich am Weg zu Frau Doina. Der Engel in Menschengestalt erwartet uns wie immer mit herrlichem veganen Essen, und die Momente mit ihr, gefangen in Plaudereien, vergeht einfach nur viel zu schnell. Frau Doinas gesundheitliche Probleme sind jedoch offensichtlich schlimmer geworden, sie bräuchte dringend neue Hüften, ein neues Knie, und seit einer Augenoperation kann sie kaum mehr sehen. Aber trotz all dieser Einschränkungen ist sie stets derselbe hoch-hilfsbereite, wunderbare Mensch geblieben. Sagte ich es schon? Reisen hierher, sie sind immer so etwas wie Heimkommen zur Familie…
Es soll wieder nach Mitternacht werden, bis wir endlich das Licht ausschalten und dem malträtierten Körper ein paar Stunden Schlaf gönnen.

Die Nacht war eine unruhige gewesen; so finden wir uns augenreibend früh morgens wieder. Eine Tasse duftender Kaffee vertreibt allerdings recht schnell die Müdigkeit. Im Handumdrehen in Gespräche vertieft, kann der Tag kommen! Peter, Frau Doinars Sohn, sitzt bei uns und es gibt einen interessanten Gedankenaustausch. Familiäre Normalität! 🙂 Allerdings, viel Zeit bleibt nicht, denn wir haben es leider doch sehr eilig – gestern fand sich via google sogar noch eine Werkstatt, welche dem Anschein nach selbst am Samstag offenhält und wo wir den Schaden am Sprinter begutachten lassen können. Allerdings, besagtes Auto-Krankenhaus empfängt uns zwar, aber am Wochenende gibt es keinen Mechanik-Dienst, sondern bloß Kundengespräche für potentielle AutokäuferInnen… vorgeschlagen wird uns nun eine andere Garage, aber als wir die nach etwas Umherirren endlich finden, hören wir bloss selbige Auskunft: Verkauf geöffnet, Service leider nicht. Langsam wird uns nun klar, wir werden den ehrgeizigen Plan für heute so nicht mehr umsetzen können; der sah doch vor, noch vor Einbruch des Dunkeln Novi Sad zu erreichen. Die Entscheidung ist deshalb eine beschlossene: wir werden wohl bis morgen früh in Temeswar bleiben, um dann aber zeitig in der Früh, so gegen halb 7, nach Serbien aufzubrechen.
Im selben Moment der Diskussion darüber läutet das Telefon; Raluka, Frau Doinas immer unfassbar hilfsbereite Tochter, hatte von unserer Misere erfahren – und bietet sogleich eine Lösung: der Familienmechaniker wohnt nur zwei Dörfer vom heimatlichen San Andrei entfernt, und der würde sich das Auto noch am Nachmittag ansehen! Dieses Angebot, obwohl es uns mindestens eine zusätzliche Stunde kosten wird, können wir beim besten Willen nicht ablehnen!
Foto oben: ein alltäglicher Anblick in Rumänien: Pferdekutschen
Fotos: Frau Doina und ihre Lieblinge; unten Struppi, welche wir von unserem großem Kastrationsprojekt zu der so herzensguten Mitstreiterin mitgebracht hatten!
Fotos oben und unten: hunderte große Firmen, neben den landwirtschaftlichen meist solche aus dem Westen, wechseln sich mit ebensovielen, dem Verfall preisgegebenen Dörfern ab…
Zuvor allerdings führt uns der Weg erst einmal zum wahrscheinlich wichtigsten Punkt der Reise – zu Frau Opreas Asyl! Und der, wie kann es anders sein, soll ein aufregender werden; eifrige Newsletter-LeserInnen wissen es, die einzig mögliche Zufahrt ins Nirgendwo geht über Stock und Stein, bei Regen und anhaltender Nässe ein fast unpassierbarer guter Kilometer mitten durch völlig ausgewaschene Spurrinnen, hindurch überhängender Bäume und Sträucher, ungeachtet der Enge und des angehäuften Schutts ringsum. Das Hauptproblem: leider hat es gestern Nacht geregnet…
Gespannt harren wir der Situation; ab von der Straße, unter der Brücke durch und dann hinein ins Abenteuer! Bevor wir die Piste allerdings erreichen, überholt uns plötzlich wie aus dem Nichts Walli, Frau Opreas ‚Erbe‘ – jener junge Mann, der die Herberge übernehmen wird! Er winkt uns zu, deutet zu folgen und mit einem Durchatmen kommen wir der Aufforderung nach. Ja, es ist um einiges leichter zu wissen, strandet man in dem Meer aus Matsch, ist da jemand, der helfen wird! Denn Häuser oder dergleichen gibt es den ganzen Weg zurück zum Asyl nicht, kein Mensch würde ein Steckenbleiben überhaupt nur bemerken, ein Abschleppen wäre nebenbei nur sehr bedingt möglich. Ab jetzt heißt die Devise ‚wer bremst verliert‘, denn anhalten darf man auf der rallytauglichen Strecke nicht. Selbst langsamer werden beinhaltet bereits ein großes Risiko.
Aber es geht alles gut. Die letzte Kurve hat es noch einmal wirklich in sich; durch eine Pfütze, die – wächst sie noch ein bisschen – durchaus auch bald als Tümpel durchgehen könnte, eine plötzliche, scharfe 90-Grad-Linkskurve, dann ein schlammiger Hügel. Inzwischen laufen auch schon einige Hunde neben uns her, jene Straßenhunde wohl, welches sich rund um das Heim angesiedelt haben, weil sie von dort tagtäglich mitgefüttert werden.
Foto oben: Zufahrt zu Frau Opreas Herberge!
Fotos: der Weg ist in halbwegs befahrbarem Zustand – bei längerem Regen wird er ganz schnell unpassierbar…
Ja, und dann haben wir es endlich geschafft! Eine Autoleiche inmitten von Bergen von Abfall verrät, wir sind am Ziel! Das Gatter ist geöffnet, und zwei Dutzend Hunde begrüßen uns sogleich, noch bevor wir überhaupt die Chance haben Walli ‚Guten Tag‘ zu sagen! Der freut sich natürlich riesig über den Besuch, viel zu viel Zeit ist vergangen seit der letzten Hilfsfahrt. Nach dem freundschaftlichen Umarmen beginnt auch schon die Arbeit. Gut 600 kg an Hundefutter haben wir gebracht, eine Menge, gemischt mit Brühe und den Fleischabfällen einer Fabrik, welche für die nächsten Monate reichen wird.
Soooo schön, all die liebgewonnen vierbeinigen FreundInnen wieder zu sehen! Und die präsentieren sich nach wie vor in gutem Zustand, haben schönes Fell, sind eher sogar zu dick denn andersrum. Immer noch sind die Bilder von unserem ersten Einsatz in Erinnerung, damals, als sämtliche BewohnerInnen nahezu nackt waren, die Haut blutig gekratzt, von Räude geplagt. Und wie erfolgreich die nachfolgenden Aktionen gewesen sind – eine, wo wir jedem Hund einer entsprechenden Behandlung gegen die Parasiten unterzogen haben, eine zweite dann, um sämtliche der HeimbewohnerInnen zu kastrieren!
Foto oben: einige Welpen sind wieder ‚zugewandert’…
Foto oben: Wallis kaputtes Auto ist umfunktioniert!
Fotos: die unglaubliche Frau Oprea – 84 Jahre und kein bisschen leise…
Fotos: die Wohnverhältnisse haben sich zwar gebessert, für verwöhnte ‚WestlerInnen‘ sind sie aber noch immer, vorsichtig ausgedrückt, ‚gewöhnungsbedürftig’… Frau Oprea hat ihr gesamtes Leben den Hunden untergeordnet, für höheren Lebensstandard fehlte schnell Zeit und Geld, und nun wohl auch die Kraft.
Einzig das Umfeld macht uns ein bisschen Sorgen; gut, die Hunde wird es nicht stören, aber es sieht einfach herzzerreißend aus, wieviel Müll und Schrott, aus welchen Grunde auch immer, sich über das Gelände ergießt. Da müsste Walli mehr unternehmen, aber leider wirkt es eher gegenteilig, ganz so, als ob er vor allem metallenen Abfall wie alte Einkaufswagen, Regalteile und dergleichen sogar extra anhäufen würde.
Im hinteren Bereich des Asyls, dort wo die Hundehütten stehen, muss zudem jetzt alsbald und dringenst eine Sanierungswelle gestartet werden; die Überdachung ist an vielen Stellen undicht, von Wind und Wetter zerrissen, zerfetzt, von den Elementen längst besiegt. Für Mai denken wir deshalb eine solche an, geben Walli auch gleich den Auftrag eine diesbezügliche Kostenausstellung zu machen. Ein respekTIERE IN NOT-Team wird dann vor Ort sein, um mit ihm zusammen das erworbene Material zu verarbeiten. Ja, hier steht eine umfassende Projektarbeit an!
Walli hat das verfallende Haus am Gelände zu sanieren begonnen; Frau Oprea, die wir jetzt darin besuchen, wohnt nun wieder fix zwischen den alten Mauern, ebenso Wallis betagte Mutter. Die, beinahe blind, lächelt uns mit goldenen Zähnen an, eine äußerst liebeswerte Frau entpuppt sich schließlich aus der anfänglichen Schüchternheit. Und endlich begrüßen wir nun auch Frau Oprea selbst. Mit ihren nunmehr 84 Jahren ist noch immer noch eine Erscheinung, eine Schönheit, daran können auch die Umstände und ihr wettergegerbtes Gesicht nicht rütteln. Wie die beiden betagten Frauen wohl den Alltag hier draußen schaffen, das ist aber dennoch ein Rätsel; mindestens 160 oder vielleicht viel mehr Jahre sind sie zusammen alt, doch wohnt eine unbändige Kraft und die Hoffnung in den beiden. Genau das wird ihr Geheimnis sein, ein nicht zu besiegender Elan, gepaart mit dem Willen, möglichst lange noch für die vierbeinigen Schützlinge sorgen zu können.
Foto unten: die Überdachungen müssen dringenst neu gemacht werden – ein wartendes respekTIERE IN NOT-Projekt!
Zum einen, ja, es sieht drinnen besser aus als zu Herrn Opreas Zeiten – aber wirklich wohnlich, geschweige denn gemütlich, wirken die Räumlichkeiten dennoch selbstredend nur bedingt. Mehr möchten wir an dieser Stelle auch gar nicht auf die Gegebenheiten eingehen; und spannend ist es allemal, Frau Oprea und Mama Walli zusammen auf dem zerschlissenen Sofa zu sehen, in einem winzigen Raum, wo nebenbei sonst nur ein alter verrußter Ofen und ein Sessel steht, ein Laptop darauf – Sonnenenergie durch eine kleine Paneele am Dach ist der Lebenssaft des Computers – wo am verstaubten Bildschirm ein arabisches Programm abläuft! 🙂
Alle zusammen machen wir schließlich noch einen Rundgang, immer wieder stehenbleibend, nur um die begleitenden Hunde zu streicheln. Frau Oprea stützen wir dabei, obwohl sie das vielleicht gar nicht so gerne mag, aber andererseits – in ihrem Alter über eine Müllhalde, über von den Hunden umgegrabene Erde, über zerbröseltes Mauerwerk, durch Matschpfützen. Man mag gar nicht hinsehen, so schnell ist ein Bein gebrochen. Wahrscheinlich aber, so denke ich innerlich, meines schneller als ihres, so gut wie sie im Zustand scheint!
Ja, aber dann müssen wir uns wirklich verabschieden; der Tag ist schon ein fortgeschrittener, und es gilt noch so viel zu tun! Die Lieben winken uns lange nach, im Spiegel werden die Silhouetten langsam kleiner und kleiner, bis sie sich schließlich gänzlich in der Landschaft verlieren.
Alles gut, im Mai sind wir wieder hier. Spätestens!
Foto oben: auch Wallis Mama liebt die Hunde
Fotos: bei aller Schönheit, der typische ‚Ostblock-Charme‘ ist der Metropole noch nicht verloren gegangen!
Ein kurzer Abstecher noch in einen Supermarkt – bestimmte vegane Produkte sind hier sehr günstig – dann schon geht es zurück zu Frau Doina. Die ruft inzwischen, denn der Mechaniker wartet bereits! Und Tiberius, der Schwiegersohn – Ralukas Gemahl – wird uns wie so oft begleiten; als Wegzeiger, als Dolmetscher, noch mehr als Freund!
Die Werkstatt ist in einem kleinen Dorf, ganz am Rande einer einsamen Ortschaft. Hinter ihr breitet sich ein Meer von grasbewachsenen Feldern aus, fast schon idyllisch anzusehen. Zumindest vermittelt die Umgebung Ruhe pur, bis auf das gelegentliche Bellen eines Hundes ist nur das Rauschen des Windes zu vernehmen. Apropos Hund: im Garten, hinter einer Umzäunung, stehen zwei Hütten, davor sind in die Erde gerammte Pflöcke sichtbar. Kettenumschlungen, die eiserne Fessel geht zurück bis zum Halsband. Welches dann einem großen deutschen Schäferhund bzw. einem Rottweiler umgebunden ist, beide damit auf jeweils höchstens zwei Meter im Umkreis an ihre Umgebung festkettet. Trotz des großen Gartens. Trotz dessen, dass dieser ohnehin von einem hohen Zaun begrenzt wird. Warum man die Armen dennoch derat hält? Wohl, weil es immer so war. Weil ‚Mensch‘ viel zu oft nicht aus der Vergangenheit, aus den Fehlern der Väter und Mütter lernt, der Tyrann und der Despot in ihm seine Seele in Geiselhaft hält.
 
Der Mechaniker ist ein netter Mann, er hebt den Wagen, prüft, schraubt, überlegt, testet. Schließlich kommt er zum Schluss, der Stoßdämpfer ist wohl kaputt, vielmehr das Gelenk darüber, eine Reparatur ist unabkömmlich. Die könnte er durchführen, aber erst am Montag. So lange ist es uns aber nicht möglich zu warten, letztendlich meint der gute Mann, wenn wir vorsichtig und langsam fahren, dann wird das Rad bis nach Österreich halten.
Ok, wir fassen diese Ansage als Zustimmung auf, und gleich ist die Laune eine bessere. Super, alles ok, dem weiteren Fortschritt der Reise steht nix mehr im Wege…

Essen bei Frau Doina. Raluka ist hier, Tiberus beehrt den Mittagstisch ebenfalls. Sagte ich bereits, oder? Familie!
Wieder bleibt nicht viel Zeit; und schon sitzen wir erneut im Wagen – wir wollen jetzt noch in den Zoo, nur um zu sehen, ob die Zustände dort verbessert worden sind. Seit der letzten Recherche an jenem Ort sind gut 5 Jahre vergangen. Allerdings erreichen wir die Anlage nur knapp vor dem Zusperren. 10 Minuten blieben uns, bezahlen müssen wir wie immer bei Besuchen zoologischer Einrichtungen nichts. Man möchte ja die so grausame Institution nicht auch noch fördern. Tricks hierfür ergeben sich meist aus dem Gespräch heraus, man muss nur kreativ sein!
Das Bärengehege, es sei vorweggenommen, ist furchtbar. Nicht so furchtbar wie jene, welche man nur zu oft in Albanien oder in vielen anderen Oststaaten sieht, aber furchtbar genug allemal. Die Bilder legen ohnehin Zeugnis darüber ab. Viele andere Tiere sehen wir dann auch nicht, dazu ist es leider schon zu spät. Denn im selben Augenblick kommt eine Aufseherin, gebietet sehr unfreundlich ein Verlassen der Anlage. Noch schnell zum Tapir, dessen ‚Gehege‘ dann völlig unzumutbar erscheint. Noch schlimmer als das der Bären. Einzelhaltung im Kerker. Hier werden wir uns eine Protestform überlegen müssen.

Eigentlich sind wir nun gar nicht so unfroh, dass man nicht länger bleiben hätte können. Zu deprimierend ist der Anblick eingepferchter, weggesperrter Tiere. Es wird ein Feiertag sein, für uns, für die Menschlichkeit, wenn die letzten derartigen ‚Gärten‘ endlich für immer ihre Pforten schließen.
Fotos: die Lebensumstände der Bären sind prekär; haben Rattenfallen – offen herumliegend stellen sie wohl auch eine Gefahr für andere Kleintiere und sogar Kinder dar – einen Platz in einem Zoo?
Für den Tapir muss etwas getan werden – seine Lebensverhältnisse sind nicht tragbar!!!
 
Fotos: Kaninchen im Zoo – und dann unter derartigen Verhältnissen; eine echte Schande!!! Zoologische Einrichtungen beanspruchen für sich gerne einen Bildungseffekt – was lernt ‚Mensch‘ aus dieser Haltung? Da wird der Wahnsinn als ’normal‘ dargestellt, pure Tierquälerei legitimiert, nicht mehr und nicht weniger!
Foto: das Rotwild versinkt im Matsch…
Foto oben: der Van hat gelitten…
Fotos oben: das Auto ist in besten Händen – die Hunde leider nicht…
Es wird nun bereits dunkel, aber unsere heutige Mission ist noch nicht beendet. Wie immer würden wir ein Land nur ungern verlassen, ohne einen entsprechenden Protest gegen die Behandlung von Tieren gesetzt zu haben. Welcher Ort eignet sich hierfür dann besser als die wunderschöne, immer sehr belebte Innenstadt von Temeswar??? Und so sehen die erstaunten PassantInnen alsbald einen Aktivisten mit Schweinemaske und einem Transparent – welches ihnen ‚Eating Meat Kills‘ in dicken Buchstaben entgegenschreit – vor der Downtown-Filiale von McDonalds stehen!
Später gibt sich auch noch Gevatter Tod die Ehre. Mit zerschlissener EU-Fahne um den Arm, im Hintergrund die Kathedrale am Stadtplatz, verbreitet das im Wind flatternde Banner die Botschaft ‚Alegro Viato – choose life! Stop Killing Dogs‘.
Foto: Feuer am Horizont!
Es ist fast 9 Uhr abends, als wir endlich wieder bei Frau Doina zu Hause sind. Maya, ihre herzallerliebste Dackeldame, erwartet uns hoch erfreut, und bald genießen wir eine Tasse heißen Tee und herrliches Brot. Es ist schön am Leben zu sein. Es ist schön, mit solchen MitstreiterInnen gesegnet zu sein. Es ist schön, sich für Tiere einsetzen zu dürfen!

Eine erneut kurze Nacht steht an. Kaum fünf Stunden nach dem Schlafenlegen läutet auch schon wieder der Wecker, wie gesagt, wir müssen früh los. Wollen wir doch den Tiermarkt in Novi Sad, Serbien, fotografieren, und der wird Mittags schließen!
Ein wunderbarer Kaffee mit Frau Doina geht sich aber noch aus. Auch Peter kommt nochmals zum Frühstück vorbei und so wird es dann doch wieder 7 bis wir endgültig starten können. Aber auch das Zwischenmenschliche muss sein, und so bereuen wir keine Sekunde des Zusammensitzens. Außerdem, aber das wird uns erst beim Losfahren klar, holen wir eine Stunde ein, wegen der Zeitverschiebung, die ab der serbischen Grenze wieder rück-vergütet wird! 🙂
Viel Kapital können wir aus der Tatsache allerdings nicht schlagen, denn dann verfahren wir uns leider noch, allerdings merken wir den Fehler frühzeitig – das Navi hätte uns an einen Grenzübergang geschickt, der – wir wissen es aus leidvoller Erfahrung – nicht für den normalen Straßenverkehr zulässig ist, sondern nur als Verbindung zwischen zwei grenznahen Dörfern dient. Mit großen Lieferfahrzeugen dürfen wir dort nicht durch. So verlieren wir zwar erneut gut eine halbe Stunde, aber der Zeitverlust, wären wir weitergefahren, hätte wesentlich schlimmer sein können…
Vor uns taucht plötzlich ein Schweinetransporter auf, dann noch einer – Minuten später wissen wir warum. Ein riesiger Schlachthof der US-Firma Smithfield baut sich wie ein Gigant unmittelbar neben der Straße auf. Und ein Gigant ist er tatsächlich, ein Koloss des Bösen. Einfach nur furchtbar. Der kleine Ort, wo der Konzern bestimmt den Großteil der Ansiedlung einnimmt, ist zudem bevölkert von tausenden und abertausenden Raben, vielleicht, weil irgendwo Schlachtabfälle entsorgt werden, oder aber auch nur durch Zufall, etwa, weil die schlauen Vögel ob des Klimawandels – es hat heute knapp 20 Grad!!! – sich bereits wieder für den Rückflug in den Norden versammeln; wir wissen es nicht. Jedenfalls, gepaart mit den dunklen Wolken und dem weinenden Himmel verleihen sie der Umgebung eine zusätzlich gar düstere Atmosphäre, und man erwischt sich unwillkürlich dabei Ausschau zu halten nach den apokalyptischen Reitern, die ja der Legende nach eines Tages aus dem Horizont kommend über die Erde hinwegfegen werden. Wo, wenn nicht hier, sollten sie ihren letzten Feldzug beginnen?!
Foto: früh morgens in Temeswar – die Stadt erwacht, der Himmel zeigt sich dramatisch!
Fotos oben und unten: auf den verkleinerten Bildern leider nicht so gut erkennbar – aber der Himmel präsentierte sich als riesiger lebender Mechanismus, abertausende Raben in der Luft!
Die Fahrt verläuft ansonsten ruhig, Sonntagmorgen eben, es herrscht kaum Verkehr. Auch die Straßen zeigen sich in gutem Zustand, ein wichtiger Aspekt, bedenkt man das angeschlagene Fahrwerk des Sprinters. Allerdings, mindestens ein halbes Dutzend toter Hunde finden sich neben und auf dem Verkehrsweg, eine Tatsache, welche unsere Stimmung doch sehr trübt.
Am Grenzübergang haben wir entgegen allen Erwartungen dem Himmel sei Dank keinerlei Probleme. Die Zöllner belassen es bei bloßen Fragen, nicht einmal öffnen müssen wir den Frachtraum. Was gut ist, denn noch immer haben wir viele Sachen für Frau Brukner’s Wunderwelt mit uns – eines der nächsten Ziele ist ja morgen früh der vielleicht schönste Gnadenhof der Welt . geführt von der Organisation der Lichtgestalt – seines Zeichens der ‚Tierschutz Djurdjevo‘ (www.tierschutz-djurdjevo.ch)!

Wir erreichen Novi Sad, übrigens die Europäische Kulturhauptstadt 2021, schließlich gegen halb 11 Uhr. Sofort, noch bevor wir uns eine Bleibe für die Nacht suchen, steuern wir den riesigen wöchentlichen Flohmarkt im Zentrum an, ein Platz, der dann auch einen Tiermarkt beinhaltet. Öfters haben wir davon schon berichtet. Es ist ein furchtbarer Ort. Er wird auch heute dieser Formulierung gerecht werden (eine detaillierte Darstellung findet man in unserem Sonderbericht auf www.respektiere.at).
Foto oben: leider gibt es wieder viele tote Hunde am Straßenrand…
Foto: Müllberge neben der Straße…
Ungeniert fotografieren wir; zum Zwecke der Dokumentation ist dies selbstredend unerlässlich, und natürlich ernten wir deswegen erzürnte Blicke und Gesten. Aber wenn man etwas gegen diese Veranstaltung unternehmen kann – mittelalterlich anmutende Tierveräußerungen haben im 3. Jahrtausend keinen Halt mehr zu finden – dann jetzt, wo die Stadt alsbald im öffentlichen Interesse des Kontinents steht!
Wir werden also sehr schnell eine Kampagne starten, deshalb möchten wir an dieser Stelle noch nicht detailliert auf die Thematik eingehen – aber ich meine, die Bilder sagen ohnehin mehr als tausend Worte.
Ein weiterer Aspekt zur Kultur ist dann wohl auch der Umgang mit Minderheiten, hier am Beispiel der Roma. Deren Siedlungen sind wohl ein Schandfleck auf einer ohnehin nicht sauberen Weste. Kein Asphalt, Wohnverhältnisse bar jedes Standards, die Straßen durch die verfallene-Häuser- und-Hüttenschluchten pure Schlammwüsten, es gibt kaum asphaltierte Wege. Natürlich aber, auch das muss gesagt werden, ist die ‚Schuldfrage‘ an der Misere keine so einfach zu klärende, die Verantwortung liegt zum Teil auch beiderseits. Denn warum an solchen Orten alles in Schmutz und Abfall versinken muss, ist eine Frage, die gestellt werden darf. Ein Beispiel: entlang der Hauptstraße, der Einfahrtsstraße ins Zentrum, türmen sich seit jeher die Müllberge aus besagten Siedlungen. Nun, als Tribut an die Festlichkeiten, wurden diese offenbar von der Stadtverwaltung weggeräumt, tatsächlich erkennt man sogar noch die Spuren der Schwerfahrzeuge, aber nichtsdestotrotz ist dort bereits wieder der Boden gesäumt mit Plastikramsch, Glasscherben, Möbelteilen und überquellenden Müllsäcken. Hier braucht es wohl ein ehrgeiziges Konzept, und dieses zu erstellen, das muss doch für eine moderne Stadtverwaltung – welche es immerhin geschafft hat, die Metropole für ein Jahr in den Mittelpunkt Europas zu stellen – möglich sein, zudem in einem besonders aufstrebenden Teil des Staates. Die Region ist nämlich eine zutiefst autonome, die Vojvodina, Kornkammer Serbiens, ein Aushängeschild der Balkannation. Ein Aushängeschild, behaftet mit offensichtlichen schweren inneren Problemen.
Foto: autofreie Grenze zu Serbien – eine Wohltat!
Fotos: schlimme Situation in den sogenannten ‚Roma-Vierteln‘ – hier muss endlich etwas unternommen werden!
Jetzt gilt unser Interesse vorerst aber dem Auffinden eines günstigen Hotels. Die Suche ist eine erfolgreiche und sofort beginnen wir in der Herberge mit dem Nachholen dringend notwendiger Computerarbeit. Die Uhr zeigt dann auch schon wieder späteren Nachmittag, als wir uns noch zu einer Aktion entschließen; wir wollen in Novi Sad – ebenfalls mit einer wunderschönen Altstadt ähnlich der Temeswars gesegnet – einen Protest für die Tiere abhalten!
So bricht die Nacht bereits über das Land, als wir erneut unsere Transparente auspacken; Novi Sad’s Fußgängerzone, noch immer geschmückt mit weihnachtlichen Lichterketten (nicht zu vergessen, hier ist die Staatsreligion eine Orthodoxe, rund 85 % der Bevölkerung gehören ihr an, wo das Fest dann erst im Jänner stattgefunden hat) präsentiert sich weitläufig, wenn auch nicht so ausufernd wie jene des rumänischen Pendants. Wir finden schnell eine passende Stelle; direkt am Zugang zur autoverkehrsfreien Zone prangt über den Köpfen der Menschen die leuchtende Friedenstaube! Wo besser würde eine Kundgebung nach dem Motto ‚Eating Meat Kills‘ wohl passen? Mit aufgesetzter Schweinemaske und dem Banner lassen wir dann die Szenerie auf die PassantInnen wirken.
Später findet sich praktischerweise auch noch ein McDonald’s. Hier hisst Gevatter Tod dasselbe Spruchband!

Müde und fertig mit der Welt erreichen wir am späteren Abend wieder das Hotel. Jetzt gilt es noch Essen machen – Georg erledigt diese Herausforderung einmal mehr bravourös – ein bisschen zusammenzusitzen und dann die tägliche Arbeit abzuschließen. Früher ins Bett, so muss die Devise heute lauten!
Foto oben: Protest unter der Friedenstaube – wie passend!
Foto unten: noch immer finden sich in Serbien an allen Ecken und Enden offene Müllgruben- Eine Tatsache, die im Europa des 3. Jahrtausends so nicht mehr sein dürfte…
Fotos oben, links: Meisterkoch Georg! rechts: tote Tiere finden sich an den Verkehrwegen überall…
Foto oben: waffenstarre Kriegsschiffe an der Serbischen Donau rufen schreckliche Erinnerungen wach…
Es ist spürbar kälter geworden über Nacht. Noch dazu bläst ein steifer Wind, der zum einen zwar die alten Knochen zum Ächzen bringt, andererseits aber auch die letzte Müdigkeit vertreibt. Es regnet ein bisschen, ein Umstand, der die tieferen Temperaturen noch tiefer erfühlen lässt. Nach 25 Kilometern Fahrt öffnen sich die Tore zu Frau Bruckner’s Eden. Selbst nun im (angezählten) Winter, der alte Riese aus dem Norden scheint vom Klimawandel stark gebeutelt, erstrahlt das Gelände des so wunderschönen Gnadenortes, trotz des Fehlens der Blätter an den knorrigen Bäumen, in schier unfassbarer Unantastbarkeit. Schon kommen uns auch die ersten Hunde entgegen, allesamt längst liebgewonnen Bekannte, und sie freuen sich offensichtlich über unseren erneuten Besuch. Wie wunderschön, das Gefühl im Inneren ist mit den Worten nicht zu beschreiben. Dankbarkeit, das ist das einzige, was mir dazu einfällt.
Frau Brukner, wie aus einer anderen Welt ist sie eine pure Erscheinung, eine Gestalterin, Umsetzerin; eine lebende Legende, diese Wortwahl wird ihr wohl am ehesten gerecht. Was sie geschaffen hat, ihr Werk, ist etwas derart großes, dass die Tragweite wahrscheinlich im Augenblick gar nicht umfassend genug erkannt werden kann; erst mit Abstand, aber dann unweigerlich, wird ihr Tun eigereiht werden in die Geschichtsbücher, und dass, obwohl ihr Wirken so weit entfernt vom Strom der Zeit stattfindet. Ein Umstand, der ihr unerreichtes Lebenswerk sogar noch beeindruckender macht.
Zuerst übergeben wir all die mitgebrachten Güter; herzlichsten Dank geht an dieser Stelle an Sie alle, die wieder so viel mit auf den Weg gegeben haben – sämtliche Beiträge zu nennen, es würde den Rahmen hoffnungslos sprengen, deshalb möchten wir im Namen aller anderen dieses Mal drei großartige Frauen besonders erwähnen: da ist zum einen die Michaela aus München, sie hat in mühevollster Kleinarbeit (ganze 5 Wochen hat sie dazu gebraucht, verrät uns ihr Gatte Martin) hunderte kleine Geschenkpackungen für Jung und Alt kreiert, jeglichen Inhalt noch dazu extra auf vielen, vielen Über-Schachteln genauestens vermerkt. Wie große Freude sie damit bereiten wird, sie kann es gar nicht abschätzen! Ebenso die Gaben der Jasmin aus dem Salzburger Land, ihre Geschenke, vor allem für Kinder, stecken in bunten Weihnachtssäcken – einfach nur schön! Und die liebe Moni aus Gaglham bei Salzburg hat ebenfalls besonders an die armen Kinder gedacht, und noch knapp vor der Abreise extra wunderhübsche Stofftiere gekauft, mehrere große Säcke voll!

Neben den von uns jetzt gebrachten Waren sind auch noch andere angekommen; gestern nämlich war Frau Brukner’s Fahrer zufällig in Österreich, und er als Serbe tut sich an der Grenze natürlich leichter – ein Umstand, den wir zu nutzen wussten; so lud er in St. Pölten, übergeben von meinem Bruder Charly, bereits 120 kg Hundenahrung zu, plus 5 Bananenschachteln gefüllt mit Allerlei, und auch 2 dringend benötigte Rollatoren fanden Platz!

Ja, und dann geht sich noch ein herzliches Gespräch mit Frau Brukner aus, wo wir natürlich nicht auf all die tierlichen ZuhörerInnen vergessen, die aber auch immer wieder mittels vorsichtigem Bellen, dem-Pfoten-auf-unseren-Schoß legen oder einfach nur durch deren treuesten Blick auf sich aufmerksam machen. Ehrlicher, menschlicher, empathischer als Mensch je sein kann…
Foto oben: endlich im Paradies!!!
Foto oben: so vieles konnten wir mitbringen – den Rest schafften wir über Logistik: Frau Brukner’s Fahrer war am Wochenende zufällig in Österreich!
Die Verabschiedung fällt schwer, so wie jedes Mal. Monika’s Salas, so nennt man hier den Hof, ist ein persönliches Mekka des Tierschutzes, ein Platz, welchen jede/rTierfreundIn zumindest einmal im Leben gesehen haben sollte, müsste; denn die daraus zu schöpfende Energie, die reicht, um dem eigenen Lebensweg eine neue Ideale hinzuzufügen. Andererseits aber, dies ist kein Ort zum Pilgern, wird es nie sein, denn vielmehr ist es ein solcher, wo die Ruhe und Stille ein zu Hause gefunden hat. Der von seiner Entlegenheit lebt, verwelken und sterben würde, wenn man ein Disneyland wie Gut Aiderbichl daraus zu formen versucht. Ein Ort, geboren aus den Träumen des Menschen; der zeigt, wie es sein könnte, wenn die Einsicht uns zur Umkehr zwingen würde…

Der Regen hat aufgehört, und als wir wieder die Landstraße und später den Highway reiten, präsentieren sich die Fahrbedingungen einmal mehr als optimal. Die Götter sind mit uns, sind es die ganze Reise gewesen.

An der EU-Außengrenze müssen wir zur Abfertigung warten, aber dann auch nicht allzu lange; Ungarn ist nicht zuletzt ob der so fantastischen Gesellschaft (Georg präsentiert sich einmal mehr als unersetzlicher Begleiter und Freund) dann schnell durchquert. Als Abschluss des Einsatzes, und gleichzeitig eines der Highlights, steht dann noch – es ist nun bereits wieder stockdunkle Nacht – ein Treffen mit Doris und ihrer Tochter Anna im Burgenland an, jene zwei TierschützerInnen, welche wohl schon Tonnen an Hilfsgüter für unsere Arbeit gesammelt haben. So auch heute, der Bus füllt sich wieder, bevor wir überhaupt noch zu Hause sind!
Feste Umarmungen an die herzensguten Mitstreiterinnen folgen, dann, nun schon sehr müde, beginnt der letzte Abschnitt der Reise.
Foto oben: zur Abwechslung nur ein halbwegs kurzer Stau an der serbisch-ungarischen Grenze!
Foto oben: beim Autodoktor in Österreich…
Es sollte ein fast schon perfekter Hilfseinsatz gewesen sein. In realtiv kurzer Zeit ist es uns gelungen, ganz viele Höhepunkte in den engen Rahmen zu pressen. Das RespekTiere-Mobil hat unter den Strapazen allerdings mehr gelitten als wir: 800 Euro sind für die Reparatur der Stoßdämpfer plus Domlager zu berappen, plus 90 Euro für das Kleben der Windschutzscheibe, wo ein Steinschlag einen Riss verursacht hatte. Andererseits, 120 000 Kilometer hat uns der Sprinter bereits geführt, und das unter den ihm zugedachten ‚erschwerten Bedingungen‘ einmal ein derartiger Schaden entstehen würde, wem verwundert’s? Nicht zu vergessen, ein großer Teil der 120 000 Kilometer waren keine auf der Autobahn, sondern über Bulgariens Schotterpisten, über die Berghänge Albaniens, durch den zerfurchtenen Kosova, über Pässe in Montenegro und Bosnien, hinein in die Karpaten Rumäniens. Eine echte orange Erfolgsgeschichte…

Kaum zurück in Österreich stehen bereits die neuen Projekte an. Die Arbeit ist eine nie endende. Jedenfalls, wir sind bereit, für alles, was auch immer kommen mag!!! 🙂
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