nächster Schritt zum ‚Wachtelgesetz‘ – Besuch der ‚Wachtelei‘!

Die ‚Wachtelei‘ in Wilhelmsburg/St. Pölten!
Dieser Tage durften wir die ‚Wachtelei‘ des Herrrn Manfred Seeböck bei Wilhelmsburg/NÖ begutachten. Es sei vorweggenommen: wir haben einmal mehr nach einer ‚Vorbildhaltung‘ Ausschau gehalten, besonders darum, um dem Gesetzgeber zu zeigen, dass selbst kommerzielle Wachtelhaltung ‚anders‘ funktionieren kann.
Herr Seeböck ist ein äußerst netter junger Mann um die 50. Er hat bei unserem Anruf sofort zum Gespräch zugesagt, ohne einen Augenblick des Zögerns. Ein wahrlich gutes Zeichen! Der ‚Wachtelbauer‘ baute seinen ‚Erlebnishof‘ (www.diewachtelei.at) übrigens als Quereinsteiger vor ca. 10 Jahren auf und lässt seinen Ideen seither freien Lauf. Dabei versuchte er sich immer möglichst breit aufzustellen, behielt aber sein Motto ‚Es kommt nicht auf die Größe an‘ stetig im Auge; tatsächlich bekam der Umtriebige besonders bezüglich seiner Wachteln schon Abnehmer-Angebote von den großen Lebensmittelkonzernen, welche ihm durchaus eine finanzielle Sicherheit versprochen hätten. Aber dafür wäre natürlich auch ein Preis zu bezahlen gewesen: der Individualist hätte sich, nach seinen eigenen Worten, für diese ‚versklaven‘ müssen; er, der zuvor in verschiedenen Bereich immer hoch erfolgreich war, viel Geld verdiente, ist aber deswegen auf die Landwirtschaft umgestiegen, weil er – frei nach Bio-Pionier Werner Lampert – ‚zurück zum Ursprung‘ wollte. Sein eigener Herr sein, seine persönlichen – so vielfältigen – Vorstellungen umsetzen. Nicht, um viel Geld zu verdienen, und nicht um wegen der im Falle eines Ausbaues notwendigen zusätzlichen Investitionen im ständigen Stress schlaflose Nächte verbringen zu müssen. Sondern um zu leben, des Lebens willen.
So begann die Wachtelhaltung und –zucht. Der Verkauf der Wachteleier, vor Ort oder auf Grün- und Bauernmärkten, ist ein Standbein; dazu wird aber auch noch jede Menge anders hergestellt, Wachteleier-Likör, beispielsweise, oder Wachteleier-Nudeln in verschiedensten Sorten. Auch Wachtelfleich ist erhältlich, Schlachten erledigt der erdige Mann selbst. ‚Beim ersten Mal war dies unglaublich schwierig, meine Hände haben gezittert‘; aber wie bei allen Handlungen in seinem Leben, er wollte auch in diesem Bereich nicht von anderen abhängig sein; ‚Augen zu und durch, wenn man eine Landwirtschaft betreibt, dann gehört das einfach dazu‘, meint Herr Seeböck, nun doch ein klein bisschen nachdenklich. Einen eigenen kleinen Schlachtraum hat er hierfür, so fallen zumindest keine Tiertransportwege an.
Wenden wir uns aber lieber den Lebensbedingungen zu, als gleich über den Tod zu sprechen. Vor uns sehen wir nun seine halbwegs großzügig dimensionierten Volieren; die in ‚Spitzenzeiten‘ ca. 500 Tiere leben zu ungefähr 80 Hühnern auf 2 Quadratmeter (heute ist der Bestand ein wesentlich geringerer, ebenso bei seinen anderen Tieren; Schweine zum Beispiel sind im Moment gar keine am Hof, auch bei den Hühnern, Truthähnen und Gänsen ist die Anzahl eine heruntergesetzte, geschuldet der Corona-Problematik – wo zum Beispiel noch immer das gesamte ‚Grünmarkt‘-Geschäft darniederliegt). Eine solche Fläche wiederum teilt sich in einen jeweils gleichgroßen Außen- bzw. Innenbereich, wobei zwischen den beiden ein ständig offener, freier Durchgang herrscht. Während außen ein fester Untergrund mit einer Muschelkalkauflage gegeben ist, präsentiert sich das Innere mit Gitter ausgelegt – was uns dann doch sehr stört. Allerdings, der Fachmann, der die Drahtgeflechte viel lieber ‚Kunststoffmatten‘ nennt, meint, die kleinen Vögel würden sich meist sogar bevorzugt darauf aufhalten, die Basis der ‚draußen‘ mit Einstreu gar vorziehen; auf die Größe der einzelnen Gitterquadrate käme es dabei an, je kleiner diese sind, desto besser, und noch viel mehr auf die Ummantelung des Drahtes. ‚Solche bloß verzinkten sind eine Katastrophe für die Beine, es müssen welche mit Plastiküberzug sein‘. Herr Seeböck zeigt ein weiteres ‚Muss‘ dabei; die Matten hängen lose leicht durch, dürfen nicht gespannt sein; dann würden sich die Wachteln darauf wie auf einem gefederten Trampolin bewegen, erklärt er. Der Landwirt hat außerdem ein ausgeklügeltes Ess- und Trinkwassersystem entwickelt, genau wie eine Eigeninterpretation einer Entmistungsanlage. Technische Raffinesse ist also mehr als präsent! Laut Statistik legen Wachteln alle 18 Stunden ein Ei (!!!), erfahren wir nun. Auch, dass nach ca. eineinhalb Jahren die Legeleistung abnimmt; dass ist dann der Zeitpunkt, wo die Armen ‚entnommen‘ werden; die natürliche Lebenserwartung würde sich zwischen 3 und 5 Jahren bewegen.
Natürlich, so der Tenor, wird eine derart hohe Legeleistung aber nur mit bester Ernährung erreicht. Eine ganz spezielle Mischung erhalten die Seeböck-Wachteln, was sich auch auf deren allgemeinen psychischen und physischen Gesundheitszustand auswirkt; tatsächlich sind die sonst eigentlich sehr scheuen Vögel kaum, besser gar nicht, nervös. Sogar bei weit geöffneten Volierentüren bleiben sie völlig ruhig, lassen sich tatsächlich anfassen. Handzahm, nennt der Züchter dies. Das sonst so prägnante ‚in die Höhe fliegen‘, so typisch für die Wachtel, sehen wir hier kein einziges Mal. Sollte es doch passieren, so sind die Gehege extra hoch dafür angelegt; ca. 1,5 Meter reichen gut aus, dass sich niemand den Kopf anstößt! Mittlerweile gibt es auch Hühner verschiedenster Rassen, Gänse, Puten, Schweine, Ziegen, Hasen und andere Tiere auf dem Hof, jeweils aber immer nur in kleinerer Anzahl (wie gesagt, im Moment überhaupt nur ganz wenige; im normalen, also außerhalb der Pandemie-Zeiten, sollen es jeweils rund ein Dutzend pro Tierart sein). Ganz nach der Lebenseinstellung.
Sich ständig neu erfinden, ist eine Prämisse des Tierhalters; da gehört ein großes ‚Wachtelfest‘ inklusive Hubschrauberflüge dazu, genau wie ‚Urlaub am Bauernhof‘ oder das stetige Einbinden ganzer Schulklassen in die Thematik. Vorträge finden statt, Kurse, es gibt Kräutergärten, Obstwiesen, Schnapsbrennen. Bis morgen könnte die Liste mit ‚Zusatzangeboten‘ fortgeführt werden; und ständig neue Pläne beschäftigen den Umtriebigen, der nebenbei immer den Zusammenhalt der Kräfte sucht; eine Hand wäscht die andere, ein Gewerbe ergänzt das nächste. Ganz in diesem Sinne übernimmt der Wirt beispielsweise das Catering bei seinen Veranstaltungen, dafür sind die hauseigenen Schnäpse in der Gaststätte erhältlich.
Wohnen tun Herr Seeböck und seine Lebensgefährtin übrigens in zwei umfunktionierten ehemaligen Silos – Innovativität ist ein beherrschendes Fragment der Lebensplanung!
Unser Fazit: gerne hätten wir die Wachtelhaltung ohne Gitterböden und mit mehr zusätzlicher Ausstattung wie Versteck- oder Beschäftigungsmöglichkeiten gesehen; ansonsten geht es den Vögeln aber augenscheinlich gut und gäbe es eine gesetzlich geregelte Bio-Haltung von Wachteln, dies hätte wohl als ein Maßstab in die Bedingungen miteinfließen können. Allerdings sollte man mit dem Begriff ‚Bio‘ dann doch vorsichtiger umgehen. Denn ‚Bio‘ bedeutet ja ‚Leben‘, und was für ein Leben ist es, dass man leider selbst hier ständig nur im Käfig verbringt? Auch das ist eine Tatsache, und zwar eine solche, welche es für wahre TierschützerInnen letztendlich immer wieder so unmöglich macht, nicht vegetarisch (oder noch viel besser) vegan zu leben…

Weil wir hier vom ‚Nischenprodukt‘ Wachtel-Ei sprechen, sollten auch ‚Nischen-Träume‘ vorstellbar sein: so zum Beispiel, dass der Gesetzgeber ins bestimmt bald kommende Wachtelgesetz zusätzliche ‚Highlights‘ für die letztendlich vorgeschriebene Behandlung der Tiere mit einarbeitet, etwa, dass eine Freifläche mit Gras und Versteckmöglichkeiten gegeben sein sollte. Nur nebenbei: wir als veganer Verein, einem unumstößlichen ethischen Gesichtspunkt verhaftet, müssen selbstredend auch das vorzeitige Ende der kleinen Hühner anders bewerten als es der Landwirt tut; letztendlich führt jede Form der Tiernutzung in die Ausbeutung. Aber bis sich Homo Sapiens – und nehmen Sie mich beim Wort, das wird er tun – vom Fleischessen abwendet, ist die gezeigte Haltung noch die vertretbarere Form. Und Herr Seeböck, der Mann der 1000 Ideen, ist auch ein solcher, der sich ohne jede Frage Gedanken über die möglichst barmherzigste Ausrichtung der Tierhaltung Gedanken macht! Alleine dafür gebührt ihm schon eine Menge Achtung! Und wie wir ihn kennenlernten, werden unsere Worte zum ‚zusätzlich Wünschenswerten‘ Ansporn für ihn sein, auch hier mit neuen Einfällen zu überraschen!
Wir möchten uns heute erneut von ganzem Herzen bedanken, und zwar wieder einmal bei Natascha und Wolfgang Hörl; die Beiden führen nun schon seit gut zwei Jahren die Steinoase ‚Schmuck und Mineralien‘ in St. Wolfgang am Wolfgangsee (wer einmal in der Umgebung ist, schaut’s Euch doch bitte das wunderschöne Geschäft an! Hier gibt es tausende Geschenksideen zu entdecken, und immer findet man etwas ganz Besonderes… https://wolfgangsee.salzkammergut.at/…/schmuck-und-minerali…). Von Anfang an stand auch hier eine RespekTiere-Spendenkasse samt Infomaterial, wo nicht ’nur‘ Spenden landen, sondern dann auch das gesamte Trinkgeld – einfach nur großartig!!!
Durch ihre Initiative konnte uns die Liebe kürzlich wieder rund 200 Euro übergeben, welche direkt unseren Hundeprojekten zugute kommen – fantastisch!
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