‚Runder Tisch‘ zum Schächten auf OE24! Treffen mit der IGGÖ! Petition!

Der derzeit unangefochtene ‚Tierschutz-Sender Nr. 1‘, OE24, lud Prof. Dr. Rudolf Winkelmaver, David Richter vom VGT sowie Tom Putzgruber von RespekTiere vor kurzem zum Runden Tisch; Thema der Sendung: das betäubungslose Schlachten! Ausgetrahlt wurden im TV Teile davon, hier ist das gesamte Interview – mit herzlichsten Dank an die OE24-Redaktion für das Zur-Verfügungstellen des aufzeichneten Materials!!!

Unlängst haben wir uns dann auch mit der Islamischen Religionsgemeinschaft Österreich, der IGGÖ, in Wien getroffen. Unser Gesprächspartner war dabei der für Schächtfragen zuständige Prof. Enis Buzar. Auszüge daraus möchten wir Euch nicht vorenthalten:

Jetzt, doch schon wieder einige Wochen nach dem furchtbaren Schächtskandal, ist es Zeit, endgültig die Schritte in Richtung Zukunft einzuleiten. Selbstredend, bezüglich der Thematik müssen viele Voraussetzungen angepasst und die wichtigsten ‚AkteurInnen‘ mit einbezogen werden, sonst, so die bestimmt nicht unzutreffende Befürchtung, wird die Chance auf eine echte Änderung der jetzigen Gegebenheiten eine verschwindend geringe sein. Nicht zuletzt aufgrund einer solchen, notorisch unabdingbaren Konstellation heraus haben wir um einen Gesprächstermin mit VertreterInnen der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, IGGÖ, gebeten. Zugesagt hat schließlich Herr Prof. Enis Buzar, und der Professor ist für ein diesbezügliches Interview dann auch die ausschlaggebende Koryphäe; denn sein Aufgabengebiet in der Glaubensgemeinschaft umfasst die Kontrolle von Schächtungen und Produkten auf Halal-Konformität, weiters das Auditieren und Prüfen sowie die Durchführung von Anträgen auf Halal-Zertifikate.

Das Treffen wurde dann in den Räumlichkeiten der IGGÖ in Wien abgehalten, wo gerade Renovierungsarbeiten an den Büros stattfanden. Nichtsdestotrotz nahm man sich die Zeit, und dankenswerter Weise wurde uns auch noch einer der wirklich raren Parkplätze im Innenhof zugewiesen. Der Empfang selbst sollte ein überaus freundlicher gewesen sein, wobei uns – als erster Eindruck überhaupt – gleich einmal die Person ‚Prof. Buzar‘ zutiefst überraschte. Denn hinter dem Titel ‚Professor‘ – und selbst wenn ich nun Klischees bediene – vermutet man doch viel eher einen vielleicht etwas älteren Mann mit weißen, wirren Haaren, mit Brille auf der Nase und Hosenträgern unter dem ellenbogenverstärkten Jackett. Hier aber trat uns ein sehr jungendhaft wirkender Gastgeber mit blitzgescheiten Augen gegenüber, der noch dazu sehr schnell davon zu überzeugen wusste, warum er jene Position in der Gemeinschaft innehat.

Das Gespräch sollte letztendlich rund 120 Minuten für sich beanspruchen, und viele Fragen wurden dabei erörtert. Am wichtigsten aber, so das persönliche Empfinden, der Dialog war einer auf Augenhöhe, ein solcher, der niemals die Form eines einseitigen Vortrages hüben wie drüben anzunehmen drohte. Ein vorsichtiges Versprechen also auf echte beidseitige Dialogbereitschaft, welche künftig sehr viel Gutes mit sich bringen könnte – vor allem dann hinsichtlich sämtlicher tierbezogener Thematiken.

Anti Schaechtprotest Salzburg
Foto: Großes Interesse bei Anti-Schächt-Kundgebung in Salzburg!

Einige kurze, für uns besonders interessante Auszüge möchten wir aber schon jetzt gerne anführen; Fakt ist, und daran haben wir nie gezweifelt, Tierschutz stellt auch im Islam eine Ist-Konstante dar. So zum Beispiel gab der Münchener Imam Ahmad Popal unlängst zu Protokoll, dass er völlig davon überzeugt sei, der Prophet Mohamed wäre selbstverständlich immer ein großer Tierfreund gewesen; ‚Der Prophet hat sein Kamel Assua genannt und seinen Esel Duldul; er hat darauf bestanden, dass man den Tieren einen Namen gibt, denn ein Name bedeutet Wertschätzung‘. Aber dieses Detail nur am Rande. Der Tierschutz ist jedenfalls ein wichtiger Bestandteil auch künftiger Überlegungen, im Wissen, dass dessen Bedeutung in der Gesellschaft allgemein eine stetig steigende ist. Ganz in diesem Sinne hat die IGGÖ alleine in den letzten beiden Jahren rund 40 % ihrer ‚halal‘-Zertifizierungen eingestellt, heißt, jenen betroffenen Firmen die Verwendung des IGGÖ-Prüfzeichens‘ entzogen. Von diesen 40 % sind dann weit mehr als 90, sogar 95 % tierhaltende Betriebe oder haben mit tierlichen (End-)Produkten zu tun – zum Beispiel in der Eier- oder Käseproduktion. Andere, beispielsweise Halal-Kosmetik-Hersteller, wäre wiederum kaum bis gar nicht von solchen Problematiken betroffen, hier gibt es größtmögliches Vertrauen und Übereinstimmung mit den strengen religiösen Erfordernissen. 

Neben der IGGÖ stellen übrigens noch 2 andere ‚Anbieter‘ halal-Zertifikate in Österreich aus. Möglich ist diese als hoch offiziell gedachte ‚Dienstleistung‘ – bestimmt für ganz Viele doch sehr überraschend – aber eigentlich sogar jedermann/frau. Dazu muss der/die Antragstellende nicht einmal Muslime sein, die Wortmarke ‚halal‘ ist weder eine geschützte, noch speziell definierte. Jede Person kann also (s)ein eigenes Siegel herstellen und ohne in Gefahr zu laufen gesetzes-unkonform zu handeln, dann auch verwenden. Ein Umstand, der aus diesem Grunde eher wenig zum angestrebten Prestige beiträgt, so viel steht fest. Deshalb ist man genau wie im Judentum sehr daran interessiert, ‚kosher‘ gleich ‚halal‘, rund um die Begriffe eine hohe Wertigkeit aufzubauen. ‚Vegan‘ fällt so gesehen übrigens auch in gleiche Sparte, hatte und hat oft mit selber Problematik zu kämpfen; erst das heute allgemein gültige V-Label konnte hier mit der Verwirrung größtenteils aufräumen und ein einheitliches Diktat schaffen.

langes Warten auf den Tod

Doch zurück zur eigentlichen Thematik; die IGGÖ, so der Professor, nehme die ‚halal‘-Zertifizierung trotz dieser Bürden natürlich sehr ernst; anders würden sich allerdings andere Zertifizier-Betriebe verhalten. So zum Beispiel hatte die Glaubensgemeinschaft schon des Öfteren das ‚Gütesiegel‘ entzogen, wo betroffener Betrieb dann kurz darauf mit einem von der ‚Konkurrenz‘ ausgestellten Aufdruck weitermachte. Auch sei es passiert, dass Firmen, welche für den IGGÖ-Stempel angesucht hätten, überrascht waren ob der Aussicht, dass der Professor tatsächlich ‚vorbeikommen‘ wollte, um sich ein Bild vor Ort zu machen; ‚bei den Anderen hätte alleine die Bezahlung für die Ausstellung gereicht‘, wurde ihm gesagt. Was dann aber nichts anderes heißt, als dass es ein leichtes wäre, das begehrte Zertifikat ohne besonderen Aufwand einfach zu kaufen.

Erinnert Ihr Euch noch? Aus dem Gespräch mit Rabbiner Hofmeister hatten wir vom ‚dreigleisigen‘ Versuch berichtet, ein diesen Werten gemeinsames Gütesiegel zu forcieren; herausgekommen ist dabei das VHK-Siegel, also ‚Vegan-Halal-Kosher‘, unter welchem es bereits einige Produkte am Markt gibt. Meine diesbezügliche Erzählung interessierte den Professor sehr, denn ’kosher‘ und nicht zuletzt ‚vegan‘ sind seit langem vertrauenswürdige Benennungen und Orientierungshilfen auch für die muslimische Gesellschaft. Beispiel: was mit ‚vegan‘ gekennzeichnet ist, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ‚halal‘.

Übrigens, nach den Worten Prof. Buzars würden die allermeisten Muslime großen Wert auf ‚halal‘ beim Einkauf der von ihnen benötigter Produkte legen, dementsprechende Auszeichnung auf der Ware wäre also umso wichtiger. Sehr viele würden nur in bestimmten Märkten einkaufen, oder in den kleinen Extra-Läden, welche ‚halal‘-Schriftzüge auf den Auslagen kleben haben. Ob das dort angebotene Fleisch immer den Ansprüchen der IGGÖ genügen würde, dies sei allerdings, gelinde gesagt, umstritten. Für viele Muslime wäre es nämlich selbstverständlich, dass beim Herstellungsprozess alle ‚halal‘-Regeln eingehalten worden waren, aber speziell nachfragen tut man im Allgemeinen dann nicht (eine Mentalität, welche im Prinzip, wir wissen es alle, einfach nur als ‚typisch österreichisch‘ bezeichnet werden kann :)). Man nimmt es einfach als gegeben hin, alleine, weil die Verkaufenden Muslime sind. Andererseits, ganz viele und immer mehr würden beispielsweise speziell bei Huhn auch sehr auf die bekannten Supermarktketten setzen, dann allerdings auf Produkte mit dem Bio-Label. ‚Bio‘ kommt, so der Gelehrte, in jeden Fall nahe an ‚halal‘ heran. ‚Vegan‘ sowieso, da würde das V-Label bei der Orientierung nach ‚halal‘-Produkten wie bereits erwähnt tatsächlich längst eine echte Hilfestellung sein.

Kon muslimischer Schaechter

Foto: das Töten von Tieren ist immer grausam; hier reichen sich ein konventioneller und ein Schächt-Schlächter die Hände. Beide bringen immer nur den Tod… will man nicht länger Teil dieser blutigen Wahrheit sein, gibt es eine wunderbare Alternative: Vegetarismus, und noch besser, Veganinsmus!

Interessant: für die schächtbezogene Halal-Zertifizierung der IGGÖ muss ein Sichtschutz in Schlachthäusern angebracht sein, welcher verhindert, dass ein Tier einem anderen beim Sterben zusehen muss. Dies sei eine der Mindestvorschriften, bei Vergehen wäre die Zertifizierungspapier weg. Demgegenüber, Fakt ist aber, bei keinem der im Zuge des Schächtskandals beanstandeten Betriebe hat es derartiges gegeben! Apropos Zertifizierung: da gibt es den wichtigen Unterschied zwischen einer solchen und der bloßen Ermächtigung. Letztere würde temporär ausgestellt, meist für wenige Tage, zum Beispiel während des Opferfestes. Eine Ermächtigung, so der Prof., ist aber dann – alleine schon aus personellen Überlegungen, und natürlich auch aus finanziellen – nicht wirklich kontrollierbar. Die Schlachtung – Ermächtigungen betreffen einmal mehr vor allem Schlachtbetriebe – müsse islamkonform geschehen, die Schlächter Muslime sein, welche über entsprechende Befähigungen verfügen. Sind diese Komponenten sichergestellt, hat die IGGÖ kaum Möglichkeiten, Weiterführendes (beispielsweise die vorhergegangene Haltung) zu hinterfragen.

Die Zertifizierung wird längerfristig ausgestellt, meist für ein Jahr. Hierfür würde selbstredend auch der Betrieb intern kontrolliert, genauestens auditiert und geprüft. ‚Halal‘, die Bezeichnung, um die es hier geht, müsste eigentlich ein sehr schwer zu erlangendes Gut sein, denn erst viele, viele Puzzleteile führen zum Ganzen. So zum Beispiel kann ein Ei aus einer Legebatterie niemals ‚halal‘ sein, ebenso wenig wie ein Steak von einer Kuh aus der Massentierhaltung. Halal bezieht nämlich den Entstehungsprozess mit ein, ja genaugenommen selbst die Angestelltenverhältnisse im Betrieb (also etwa auch, ob die Bezahlung angemessen ist, ob die Toiletten sauber sind, ob Abhängigkeitsverhältnisse, welche zur Ausnutzung der ArbeitnehmerInnen führen könnten, bestehen, etc.).

Aber auch lange Transportwege sind untersagt, etwa, wenn die Kühe aus Rumänien angeliefert werden. Oder die Schafe, wie im Aufdeckungsfall – alleine, dafür gab es für den Verursacher soweit wir wissen letztendlich kaum eine Konsequenz von Seiten der IGGÖ (weil, so wird es uns gesagt, ja ‚nur‘ eine Ermächtigung aufgesetzt worden war, wo die Überprüfung – trotz, so wende ich ein, lückenloser Beweiskette unsererseits – im Nachhinein kaum mehr möglich gewesen wäre… Prof. Buzar versichert allerdings, dem Betrieb wurde die Ermächtigung für das laufende Jahr entzogen, die Glaubensgemeinschaft hätte somit sehr wohl Konsequenz folgen lassen!

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Fotos: in all diesen Schlachthofen konnten wir das betäubungslose Schächten in den letzten drei Jahren abstellen!

Als wichtigen Schritt in Folge der Aufdeckungen wird die IGGÖ alsbald einer alten Idee neues Leben einhauchen; sie möchte einen Kurs für Schlachtbetriebe anbieten, ein Kurs, der sich dann aus drei Säulen zusammensetzt: der theologischen, der tiermedizinischen und dem Praktikum. Allerdings gibt es noch ein paar Schwierigkeiten mit der Umsetzung, allem voran der Finanzierung. So muss ein islamkonform agierender Veterinär dabei anwesend sein, und alleine dessen Bezahlung würde schon viel Geld verschlingen, die IGGÖ somit vor Herausforderungen stellen.

Einer der beiden vom Skandal betroffenen Betriebe – für zumindest diese beiden ist ein solcher Kurs nun ein Muss, wollen sie in Zukunft irgend wann wieder mit der Glaubensgemeinschaft zusammenarbeiten – hätte seine Stätte übrigens für den Praxisteil des Kurses angeboten, was ein starkes Zeichen sei; solche sind nämlich in der Realität schwer zu finden. Jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schlechtes-Gewissen-Beweis, ein Schuldeingeständnis, eine Bitte um Vergebung. Zumindest wenn man ziwschen den Zeilen liest – mit dem Angebot wäre für die IGGÖ die Basis für wiedererlangtes Vertrauen beiderseits gelegt.

Beiden Betrieben hätte man in Folge eine richtige Zertifizierung angeraten, welche dann ohnehin einer genauen Prüfung gleichkommen würde; Bemerkung: was uns aber schon sehr sauer aufstößt ist die Tatsache, dass es für beide so eindeutig gegen das Gesetz verstoßen habende Schlachthöfe mehr an Konsequenz anscheinend nicht gibt. Kein Ausschluss, ja, nicht einmal eine wirkliche Verwarnung. Gut, ein Gespräch wurde geführt, aber angesichts der Schwere der Vergehen kann dies allein wohl kaum ein befriedigendes Ergebnis in der so schrecklichen Sache sein. Auch nicht, dass der Prof. beiden sagte, dass das im Zuge des Opferfestes verdiente Geld ‚haram‘, also nach islamischen Maßstäben ‚verboten‘, ‚böse‘, gewesen wäre. Wir können uns ganz in diesem Sinne die Gesichtsausdrücke der Täter vorstellen: ein schuldbewusstes Kopfhängenlassen, welches schon in der nächsten Sekunde abgelöst durch ‚lass ma den mal reden‘ wurde…

Wie dem auch sei, man habe ‚die Rute ins Fenster gestellt‘ (so meine Formulierung), also ein ‚entweder/oder‘ gefordert (Formulierung Prof. Buzar); entweder nach den Regeln des ‚halal‘-Zertifikates oder keine Zusammenarbeit mehr mit der IGGÖ. Allerdings, so ehrlich müssen wir sein, wir dachten noch kurz vor dem Gespräch, das Thema ‚Zusammenarbeit‘ zwischen den Gesetzesbrechern und der IGGÖ wäre zumindest in dem Fall ‚Bruderndorf‘ ohnehin ein abgeschlossenes Kapitel, ein Ausschluss ein ‚Muss‘…

Der Professor merkte an – es sei an dieser Stelle erwähnt – ‚Bruderndorf‘ wäre der Ernst der Lage schon mehr als deutlich erklärt worden, und da der Betrieb sowieso geschlossen wurde, gehe man nun davon aus, dass eine eventuelle neuerliche Öffnung ohne jede Frage nur unter Einhaltung aller Regeln erfolgen würde können. Ok, sagen wir dazu, aber andererseits – wäre das nicht ohnehin selbstverständlich?

Schaecht Protest vor NOe Landtag

Dennoch, bei allen allfälligen Unstimmigkeiten, die von uns aufgezeigten Bilder haben betroffen gemacht, keine Frage. Das Geschehen klassifiziert Prof. Buzar ganz eindeutig und strikt als ‚haram‘, also verboten. Und die Aufdeckung, so seine eigenen Worte, wäre auch richtig und vor allem wichtig gewesen, weil nun endlich ‚die Politik wachgerüttelt wurde‘. Dort nämlich, genau wie wir und der VGT es tun, sieht unser Gegenüber eine Hauptschuld dafür, warum es überhaupt nur so weit kommen musste –  wohl nicht zuletzt aufgrund unverzeihlicher Versäumnisse in der Kontrolle! Ja, man hätte – besonders im Vorfeld der Opfertage – bei den zuständigen Bezirkshauptmannschaften von Seiten der Glaubensgemeinschaft sogar explizit und mehrmals um Zusammenarbeit gebeten, etwa um gemeinsame Kontrollen, aber die BH hätte den schlichtweg Kontakt verweigert. Überhaupt, seit die ‚türkis-blaue Regierung‘ an der Macht gewesen wäre, traf man zunehmenden auf behördliche Ablehnung zu allen den Islam betreffenden Thematiken. Dabei sollten, so der Professor, im Bestfall gemeinsam mit dem Staat und insbesondere während der Opfertage die ausführenden Stätten viel stärker kontrolliert werden. Die IGGÖ habe alleine dazu nicht die Mittel und Möglichkeiten. Dass eine dahingehende, so wichtige Zusammenarbeit bisher leider nicht möglich war, läge eindeutig in der Verantwortung der Bezirkshauptmannschaften selbst. Dies sei sehr schade und würde längst korrigiert gehören.

Fakt scheint, das Post Cut Stunning ist – als Kompromisslösung von Vater Staat – in Punkto Betäubung zumindest zur Zeit für die IGGÖ der Weisheit letzter Schluss. Eine Betäubung vor dem Schnitt würden den Regeln des Islams widersprechen. Man sei sich aber auch durchaus im Klaren darüber, dass es beim ‚Post Cut‘ Probleme in der Ausführung gäbe. Zu versuchen, das bestehende Gesetz in seiner Handhabe zu verbessern, die Bestimmungen zu 100 % umzusetzen, wäre demnach wie auch immer viel, viel zielführender, als über ein neues nachzudenken.

Ein Beispiel: Prof. Buzar hatte einmal einer Schlachtung beigewohnt, wo die Tiere mittels Gas betäubt worden waren. Dabei hätte es schon vor der Schlachtung Todesfälle durch Ersticken gegeben, und ein solches Szenarium wäre daher völlig ‚halal‘-widrig. Dem besagten Betrieb hätten man in Folge sofort das Siegel entzogen. Anm.: Soweit wir wissen, hat dieser aber später mit einer anderen Zertifizierungsstelle ‚kooperiert‘ und ’segelte danach einfach unter neuer Fahne‘ weiter.

Auf die Frage, was Prof. Buzar denn von Aussagen wie jener des Prof. Tamar Dodurka von der Vet-Med. Istanbul halten würde, der da sagte: ‚Tiere können mit Betäubung islamgemäß geschlachtet werden. In unserem Land hat die Religionsbehörde, die zuständig für Religionsangelegenheiten ist, eine Fatwa, also eine religiöse Vorschrift, gegeben und erklärt, eine Schlachtung mit Betäubung verstoße nicht gegen den Islam. Für den Islam ist es wichtig, dass das Tier noch vor dem Tod geschnitten wird und dass sein ganzes Blut abfließt. Die Betäubung tötet das Tier nicht‘, zeigte sich der Gelehrte nachdenklich (Anm.: Der Fairness halber müssen wir erwähnen, die Fatwa wurde später von der Türkei wieder rückgängig gemacht).

Im Nachsatz zitierten wir dann auch noch Imam Chamene’i, seit 1989 das geistige und politische Oberhaupt des Iran. Imam Chamene’i kam zum selben Schluss, besonders, wenn praktizierende Muslime in einem nicht-islamischen Land leben würden.

Schaftransporter scaled

Foto: gänzlich ‚haram‘ (also das Gegenteil von ‚halal) – Langstreckentransport von Rumänien zum Opferfest nach Österreich…

Ganz sicher hat sich die Betäubung im Laufe der Jahre stark gebessert, meinte Prof. Buzar schließlich. Ja, es möge sein, dass diese nun viel effektiver, feiner abgestimmt, effektiver sicherer und damit besser sein könnte. Das wäre zu überprüfen. Deshalb, man solle auch als Glaubensgemeinschaft immer offen für alles sein, immer mit der Zeit gehen. ‚Why not‘ also zur Betäubung davor, wenn dies auch andere vorschlagen würden (allerdings, ein kleiner Einspruch, überbewerten dürfe man die oben genannten Aussagen auch nicht; denn, da hat der Prof. wohl recht, wenn nun auch Stimmen aus der Türke oder aus dem Iran eine Betäubung für zulässig halten, gibt es ganz bestimmt demgegenüber 100 andere islamische Staaten, wo diese völlig undenkbar wäre…).

Überhaupt, die Rolle der IGGÖ wäre stets eine de-eskalierende, und deshalb stünde man jederzeit bereit für weiteren Austausch. Was bedeutet: wir werden nun  alles verfügbare Material zusammentragen, wo islamische Würdenträger die Betäubung vor dem Schnitt nicht ausschließen, respektive sogar empfehlen (bitte helft uns dabei; wenn Ihr solche Unterlagen habt’s, bitte unbedingt an info@respektiere.at senden), die IGGÖ wird uns Infos bezüglich des Kursangebotes ‚Theologie-Tiermedizin-Praxis‘ bereitstellen. Zeitnah ist ein gemeinsamer ‚Runder Tisch‘ geplant, wo alle eingeladen sind und wo dann über sämtliche Fragen zu ‚Tierschutz im Islam‘ sinniert werden kann. 

Wir blicken also mit großer Vorfreude auf eine hoffentlich für alle Seite ‚ergiebige‘ Zusammenarbeit und einen großen, gemeinsamen Schritt nach vorne – für die Tiere!

Demo vor dem Oesterreichischen Parlament Wien
Demo vor dem Parlament in Wien

Weil es so wichtig ist: wir bitten Euch nochmals von ganzem Herzen, falls Ihr von Infomaterial, Links, Aussagen wissts, wo von islamischer Seite her die Betäubung vor dem Schnitt nicht ausgeschlossen wird, bitte sendet uns entsprechende Artikel zu! Das wäre ganz, ganz wichtig und würde dem Bestreben enorm weiterhelfen könnten! info@respektiere.at, wir freuen uns auf Eure Zuschriften!!! 

Bitte unterschreibe unsere Petition

für ein Verbot des betäubungslosen Schlachtens in Österreich!
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